Friday, June 29, 2012

POISONOUS - Perdition's Den - Cd / Metalhit.com



Stumpf wie eine Woche ungeputztes Elfenbein mit 1 cm Pelz auf der Zunge, polternd wie eine Putzrotte unterbezahlter Vorruheständler in einem Kaufhaus morgens gegen 4 Uhr, rabiat wie ein besoffener Chirurg im Kinderkrankenhaus, krank wie der Arsch eines Straßenköters, staubig wie das Testament des Doktor Mabuse, von der Zeit angefressen wie Omis Hochzeitsfoto von Silberfischchen, so windet sich dieser bucklige Bastard aus einem finsteren Loch irgendwo in Brasilien. Einen Preis auf Schönheit und Eleganz kann sich diese schmierige Ratte vom nassen Fell lecken, daraus wird nichts. Wo andere am Puls der Zeit fühlen, kreucht das Vieh hier durch Dreck und Abfall, ernährt sich von den Resten, die in dämmrigem Zwielicht aufzutreiben sind und faucht fiese Töne in das verhasste Sonnenlicht. Von Brasilianern erwartet der verwöhnte, mit Erwartungshaltungen groß gewordene Mitteleuropäer eigentlich auch was anderes, aber die scheißen uns einen großen Berg vor den Palast. Unter Zuhilfenahme grauenvoller, medialer Folterszenen bohren sie ihre dreckigen Finger in den Kern des Death Metal, kommen dabei sehr flott voran, verzichten auf große Technik und prügeln die Faust einfach auf kürzestem Wege ins madige Fleisch. Häufig zappelt der Wurm dabei moderat hektisch und überschaubar, lässt aber auch Gliedmaßensteife erkennen und verfällt in doomige Erstarrung. So als wäre die Kreatur sich der Endlichkeit ihrer Existenz bewusst. Das hat alles den offensichtlich gewollten Charme der frühen 90er, als es noch ein Novum war, Musik zu schreiben, die nach Verstopfung und Durchfall zugleich klingt, bei der der Punk aber vor der Tür Schmiere stehen musste. Poisonous markieren ihr Revier mit dem vertretbaren Anspruch der Ursprünglichkeit, sind erfreulich primitiv aber weit weg vom Vorwurf ein fades Würstchen in den labbrigen Teig zu stopfen. Die manchmal etwas sperrigen Gewaltausbrüche werden immer wieder von morbidem Zwischengeplänkel beruhigt (Intros), ganz im Sinne einer Leichenhallenstimmung, die der Party kaum abträglich ist. So wirklich das große Ding ist das Album bestimmt nicht, packt den Death Metal vor der Erfindung der hohen Saiten aber straff an den Eiern, und wer seine Vorstellung von südamerikanischen Unruhestiftern nicht in den Himmel der Technik oder Blastgötter schwingt, bekommt einen gut durchgegarten Sud aus verdauberem Tempo, authentischem Songwriting (ohne Seitenblick immer geradeaus), dicken, unaufgeregten Riffs und grusligen, perfekt hallenden Growls, in den weit aufgesperrten Rachen gekippt. Man spürt geradezu, wie totes Gewebes unter Stromschlägen wieder epileptische Aktivität zeigt, und mehr brauche ich zumindest nicht, wenn es um Totmetall aus dem alten Haus geht. Veröffentlicht wurde dieser schleimigen Brocken vor 2 Jahren schon mal, die modifizierte Version enthält aber einige zusätzliche Stück, inklusive des sehr passenden „The Black Vomit“ von Sarcofago, sowie ein anderes Cover.
7/10

Wednesday, June 27, 2012

MORTAL INFINITY - District Destruction - Cd / Digital Media Records


Wie ein Komet, der die schmutzige Erde immer mal wieder umkreist, ziehen auch 5 bayrische Jungs ihre Bahn, mit noch vollen Akkus und jeder Menge Zielstrebigkeit, auf der Suche nach der Zukunft. Der erste Umlauf wird vielbeachtet sein und es werden sich so einige beflissen fühlen, ihre verbale Gülle in den grünen Klee zu kippen. Beim 2. Vorbeiflug wird dann noch nett gewunken, spätestens beim 3. Vorbeirauschen taugt es meist nur noch für marginale Kurznotizen, weil der Focus wieder woanders liegt. Das ist der Zoll der Schnelllebigkeit, hat aber auch damit zu tun, dass vieles im Metal längst ausgereizt ist. Selbst wenn es jemand voll drauf hat, was im Falle von Mortal Infinity auch zutrifft, sind die einzelnen Genres so vollgepfropft, dass selbst der Allerschlauste in den Nebeln der Durchschaubarkeit verlustiger Affe spielt. Könnte hierin der Grund liegen, dass viele Bands im Death wie Thrash Metal zurück rudern und eher nach den Anfängen suchen, als sich in die unbekannten Tiefen des Neuen unsicher und verloren zu fühlen? … und damit lediglich erreichen, dass der Sumpf noch undurchdringlicher wird. Reines Spekulatius. Fest steht aber auch, dass Mortal Infinity ihre musikalische Heimat in den 80ern haben und thrashen was die Bay Bavaria hergibt. Alles was seinerzeit Rang und Niete hatte steht auf dem medialen Speiseplan zur beschränkten Entfaltung, zum Spaß haben und betrifft doch mit der Erkenntnis, dass der Schatten von Exodus, Tankard, Acid Reign, Re – Animator, Destruction, Testament und Kreator sehr lang ist, und es schwer fallen kann, da einen Fuß ans Licht zu setzen. Das bedeutet zwangsläufig, dass sich das Debüt aus Altötting sehr vertraut anhört, aber natürlich auch, dass sich ein wohliges Schauern einzustellen vermag, wenn jemand Nostalgie ohne Staubmantel sucht. Untypisches und Außergewöhnliches für den Entdecker und Stahlschmied im rostigen Dschungel lauter Töne gibt es nicht auszubuddeln, dafür sind sie bei aller technischen Qualität zu gewöhnlich. Hohes Tempo wird gegangen, klar, immer mal wieder Chorus zum Mitgackern, normal, präsente Gitarrenriffs als zentrale Bank, was sonst, und das Schlagzeug macht einen ähnlich guten Job wie eine uniformierte Marschkapelle bei der Siegesparade. Das Songwriting folgt klaren Richtlinien, und zwar denen die vorgeben was im Thrashmetal erlaubt ist und was nicht. Natürlich gib und gab es auch Thrasher, die dreckig und unangepasst waren und eher neben der „Norm“ rebellierten, zu denen gehören Mortal Infinity aber gewiss nicht, dafür ist der Sound viel zu sauber und die Musik selbst viel zu glatt. Live funktioniert das sicher besser, als von Rille, da der Partyfaktor nur in der Gruppe einsetzt, wenn angeschickerte Langloden ihre Manneskraft in den Tanzboden stampfen. Aber eigentlich fühle ich mich überhaupt nicht beflissen, die Made im reifen Apfel zu suchen, denn wie schon angerissen, “District Destruction“ hat mehr angenehme Qualitäten als Stolpersteine. Die haben es trotzdem drauf … nur momentan eben nicht so, dass die Zukunft nach ihnen suchen würde.
6/10

Wednesday, June 20, 2012

DEGIAL - Death´s Striking Wings - Cd / Sepulchral Voice Records


Sobald ein Testosteronhetero blonde Haare, wippende Hüften und dicke Möpse sieht, assoziiert er das umgehend mit sexueller, dauerfeuchter Dummheit und denkt sich, „Nüscht wie ran!“. Und dabei weiß er gar nicht, ob es sich um Imbiss - Gabi oder Frau Doktor handelt. Wenn wir einen zottligen, alten Knaben mit einem Flaschenbeutel umher schlurfen sehen, assoziieren wir das abwertend mit „Spriti, Schluckspecht, Assi“. Und dabei wissen wir gar nicht, ob es wirklich ein Pennbruder auf der Suche nach billiger Dröhnung ist, oder nur ein armes Schwein, das sein ganzes Leben geschuftet hat und nun trotzdem noch Flaschen sammeln muss, weil die Rente nicht reicht. Assoziationen! Kommt die nächste Death Metal Band aus Schweden und wehrt sich gegen den ganzen Revival Kram. Na klar doch, wieder ein exponierter Anwärter darauf, der beste Entombed Klon Aspirant zu werden, warum auch nicht. Und dabei ist der Playknopf noch nicht mal angerührt. Un haste nich jesehen, flitzt der Haase inne andere Richtung fort. DEGIAL bewahren den Old School Gedanken auf ganz unpatriotische Weise, wahrscheinlich weil sie so immer mit einem Dauerständer rumrennen können. Aber mit typisch schwedischem Todesmörtel haben sie herzlich wenig am Hut. Die wollen keine Melodien, keine morbiden Stimmungen und keinen Sunlight - Sound. Die Musik gründet sich auf Zeit und Ort, als der Wahnsinnsaltar noch gebaut wurde und der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich war, als in den 7 Kirchen der Begriff Death Metal erstmals geprägt wurde. Und genau so roh, wie der Bau damals war, behandeln die ihre Musik, und zwar mit klassischen Elementen genauso wie mit der einst neuen und unverblümten Brutalität, die den Metal aufzumischen drohte. Infolge dessen dürft ihr hier nicht erwarten, von hoher technischer Qualität, flexiblem Songwriting und progressiver oder moderner Metalartillerie unter Beschuss genommen zu werden. DEGIAL ist treuer Vertreter authentischer Aufbruchsstimmung, blasphemischer Schwarzmalerei und staubtrockener Sounds. Es passiert generell nicht so viel, aber das was da passiert, trägt mit jedem Anschlag den Geist einer unvergessenen Epoche, und das nehme ich der Band in vollem Umfang ab. Um richtig billig zu sein, sind sie zu gut, dafür schmeißen sie uns zu viele klassische Solis in das Hörgebälk. Um sich als bloße Kopie zu verkaufen, sind sie zu erfahren, dafür ist das Album in seiner Bescheidenheit viel zu flexibel geschrieben und eingespielt. Zum liebhaben ist es nichts, als Mädchenalbum taugt es nichts, für den großen Markt ist es kaum verwertbar noch sonst wie populär ausschlachtbar. Es ist einfach nicht schön anhörbar, eckig und kantig, dreckig und unangepasst wie es ist. Es wird ein Genuss, wenn ihr euch im Klaren darüber seid, dass es im Metal einst nie darum ging, unbedingten gefallen zu müssen, sondern darum, mit aller zur Verfügung stehender Aggression seinen Unwillen und Hass, seine innere Rebellion und den Stolz auf das Anderssein lautstark und ungefiltert in die Welt zu schreien. Heute ist ein großer Teil der Metalwelt im kommerziellen Gleichschritt erblindet, die Idee aber war mal eine ganz andere. Und das transferieren DEGIAL mit extrem starker Überzeugung! Hut ab und Daumen hoch!
8/10

Monday, June 18, 2012

THORNAFIRE - Eclipse Nox Coagula - Cd / Ibex Moon


Thornafire sind irgendwie so was wie eine Leprakolonie, sie ist immer mal wieder im Gespräch, keiner will sie wirklich kennen, aber ein jeder dreht sich neugierig um, wenn ein Betroffener mit abfälligen Eigenschaften unabsichtlich sein Körpergewicht reduziert und überflüssige Partikel auf den Asphalt verteilt. So verlieren auch die Chilenen mancherorts etwas, dass sie aber anderswo wieder aufheben und dran pappen. Dabei erwischen sie nicht immer die dafür vorgesehenen Stellen und deshalb humpelt das 3. Album so durch die Landschaft. Etwas ungelenk und orientierungslos, aber durchweg mit grimmiger Miene und einer unverhohlenen Sympathie für den Teufel. Für Death Metal ist zu viel Schwarz/Weiß Schminke aufgetragen (innerlich), für Thrash Metal ist zu wenig wirklich schnittiges Gitarrengeratter drin und vor allem fehlt die Aggression eines durchgebrannten Rasenmähers auf Opferjagd (kleine Nager, Gummistiefel …) Für eine Melodic Thrash/Death Band … ja für so eine geht’s. Da schwingt dann südamerikanische Überzeugung mit, auch wenn entsprechend seelenverwandte Bands (kontinenttypisch) normalerweise wesentlich mehr Geschwindigkeit hinter ihre Hooks bringen. Thornafire sind in dieser Beziehung häufig auch zu behäbig und vor allem zu verheult melancholisch. Also passt das dann auch nicht mehr so recht. Wer verkrampft nach Harmonien sucht, steuert den Kahn schnell mal gegen scharfe Klippen, dann steckt die Bude in allzu viel Wiederholungsschleifen fest und verdirbt sich selbst den ursprünglich gut gewählten Kurs durch permanente Desorientierung. Wofür die Jungs, die gerade den östlichen Teil der alten deutschen Demarkationslinie, und so ziemlich jedes kleine Open Air mit ihrer Präsenz belegen, denn nun wirklich stehen, hab ich noch nicht ausmachen können. Einfach gedacht, dann wohl für ein bisschen von allem und so gesehen stehen sie ganz gut im Fegefeuer und müssen nicht wirklich fürchten, von des Leibhaftigen Großmutter mit der hölzernen Kelle über den Pelz zu kriegen, weil sie die leckeren Knaben als Haare in der unheiligen Suppe betrachtet.

Es wird dort draußen schon noch genug Suchende geben, die sich Thronafire anschließen werden, für die Melodien und Riffs nur dann zusammen gehören, wenn die Songs nicht durchweg knüppeln. Vielleicht ist es auch völlig Schnuppe, dass die Stücke nicht immer wirklich flüssig sind, die Band ihre guten, brutalen Momente an (subjektiv) unpassenden Stellen mit zu viel schwarzem Schmalz zerbricht. Und wenn es keinen interessiert, dass ich das Songwriting, das um Lichtblicke bemüht erscheint, trotzdem fade finde, dann könnt ihr das Album auch gleich kaufen. Wenigstens vom technischen Niveau sind die nicht ganz doof, mit den Solis trotzdem zu langsam. Bewegt bei mir nicht viel, aber das muss nichts heißen, bewege mich ohnehin wenig.
5/10

Saturday, June 16, 2012

ZODIAC - Menschenstaub - 12 Lp / 7 Degrees Records


Menschenstaub, scheiße auch, will hier jemand prophetische Halbwahrheiten in pseudointelloektuellen Botschaften verstecken, oder ist der musikterroristische Revolutionsanspruch wirklich so verdammt hoch am Limit festgeklebt, dass das Album einfach umwerfend ist? Bin mir noch nicht sicher, aber wer erst mal ein Durchlauf überlebt hat, kann froh sein, nicht selbst unter so einer Fleischramme zu Staub zerbröselt worden zu sein. Wenn ein nonkonformer Asselpunk mit einer fetten, nach Bier und Schweiß stinkenden Death Metal Hure vögelt, kommt ein ziemlich hässlicher Bastard ans ungeliebte Tageslicht, soviel steht erst mal fest. Jedoch nicht in dem Sinne, mit dem Schweden solche Genres gern verquicken, dafür wirken ZODIAC viel zu ernsthaft, den Spaßfaktor und die Rock´n Roll Attitüde überlassen sie den blonden Nordmännern (vielleicht nicht ganz). Was sie allerdings von nördlich der neutralen Demarkationslinie eingeschleppt haben, ist ihre latente Liebe zu Melodien, die, wenn sie denn den Prägestempel für einen Song bilden dürfen, durchaus auf schwedische Absichten schließen lassen. Die grundlegende Vorgehensweise der Verirrten aus Bremen, hat aber nichts mit harmoniebedürftiger 6 - Saiten Dudelei zu tun, noch mit der Absicht, mit modernen oder vielleicht thrashigen Riffs irgendwo eine Besitzanspruchsfahne im Niemandsland zu hissen. Die suchen und finden ihren eigenen Anspruch, indem sie vorzugsweise die rohen und brutalen Parts aus ihrer Lieblingsmusik nutzen, immer wissen, wann sie das Konzept mal etwas aufweichen müssen, sich Disharmonien erlauben, wenn sie es für richtig halten und eingängig klingen können, auch wenn es nicht vorrangige Absicht sein sollte. Suizidale Ausrutscher sind ebenfalls gangbar und tünchen alles ab und an mit unangenehmer Schwärze über. Dass Death Metal auf Hardcore und Crust funktioniert, wissen wir nicht erst seit Zodiac, dass diese Verstrickung nicht unbedingt populistisch ist auch, dass die Musik qualitativ so dermaßen aussagekräftig sein kann, kommt allerdings nicht so häufig vor. Von billigen Rhythmen wird fast ganz abgesehen, bei Grooves ist es nötig, andere Parts machen aber einen eher nach Komplexität suchenden Eindruck. „Menschenstaub“ kann mit der Eisenfaust knüppeln, ansatzweise progressiv kokettieren, oder nur hemmungslos abräumen, markante Hooks aus der Mütze zwirbeln und mit Schwung Tanzbeine brechen, egal was auf dem Album geschieht, es klingt immer glaubwürdig. Hinzu kommen deutsche Texte, bei denen ebenfalls der Humor abspenstig ist und den Eindruck unter der Fußmatte hervorluken lässt, dass die das Leben und ihre Musik gar zu ernst nehmen. Kann auch ein, dass die Realität des täglichen Wahnsinns sie eher eingeholt hat, als manch anderen. Und wenn die Musiker dabei vielleicht etwas verbissen und eine Spur zu angepasst erscheinen, uns Konsumenten darf es dennoch Spaß machen. Lasst euch nicht von den Depressionen und schwarzen Löchern schlucken, auch wenn sie laut Zodiac offensichtlich zum rein stolpern da sind, lasst es einfach krachen und genießt das musikalische Martyrium einer (für mich) hervorragenden Überraschungsscheibe. Vorerst gibt es die Vinylversion, der fade, kleine Kunststoffrundling kommt später auf Ecocentric Records.
9/10

Friday, June 15, 2012

ECTOVOID - Fractured In the Timeless Abyss - Cd / Hellthrasher Productions


In Alabama muss die schwüle Luft die Lebenden in die Wohnstätten der Toten treiben und dort zu seltsamen Unternehmungen inspirieren. Mag es am Leichengift liegen, oder am Sauerstoffmangel, aber in der schummrigen Umgebung abgedunkelter Gruften kommen doch wirklich welche auf die globale Blitzidee eine Band im Stile von Autopsy zu gründen, und zu glauben ein bisschen kränklich brummeln reicht um die Weltherrschaft zu erringen. Da hat das stumpfe Messer wohl in den falschen Finger geschnitten. Sich an primitive Überklassiker zu hängen empfinde ich natürlich schon als unbedingt gangbar und allzeit immer wieder gern gehört. Aber so mittelprächtig mit bauchkranken Songideen umzugehen, das geht dann nicht unbedingt gut. Das ist dann zu fade und gewöhnlich, dass hinter bassbetontem Geknarze und grottigen Riffs, der Schlafsack der Ewigkeit zur sofortigen Ruhe bittet. ECTOVOID bieten wenig Unterhaltung im Sinne innovativer Fußnoten, oder wenigstens interessanten Songwritings. Die Stücke drehen sich mit betont gewolltem Minimalismus, wie ein Tanzbär mit kaputten Gelenken, auf der Stelle, weil die Kette in seiner Nase zu kurz ist, oder er justement nix anders kann. Welcher geisteskranke Gletscher muss da gekalbt haben, dass jemand glaubt mit solchem einlullenden Gesang, der sich zu eng an das Original zu klammern sucht, dass er scheitern muss, beim Preisgrowlen den Regenwurm im Blumentopf zu gewinnen. Aber kann auch sein, dass variationsarme Stimmbandparalyse in tieferen Oktaven auf die richtigen Rezeptoren trifft, die ein wacher Geist nicht so einfach zu deuten weiß. Tatsache ist, dass es viele Bands gibt, die der alten Schule honorieren und mit morbidem Spaß Schaaren von neuen Jüngern überzeugen. ECTOVOID gehören nicht dazu, die verkaufen sich eher selbst als schlechtere Kopie, die auf verstaubte Monotonie setzt, anstatt ihre Vorbildern richtig zuzuhören. Heraus kommt etwas, dass im Durchschnitt passabel sein mag, aber keine Ambitionen zeigt,, mehr zu wollen, geschweige denn zu können, als sie auf „Fractured…“ anbieten. Der zeitlose Abgrund ist eine selbstentworfene Falle, der die Band wie ein Magnet an Ort und Stelle hält, und individuelle Entwicklung schier unmöglich macht. Wäre aller Death Metal so verschnarcht, wäre die Musik ausgestorben wie die Dinosaurier, der Respekt vor alten Menschen oder die Intelligenz. Unscharfes Gebretter, Rumnpelschlagzeug und schlappe Leadgitarre sind nicht das Universalwerkzeug, um eine lecke Kogge auf Kurs zu halten. Mit der nostalgischen Note könnten sie vielleicht noch punkten, bringt aber auch nicht viel, denn die guten Erinnerungen an die glorreich Aufbruchsstimmung einiger Metal – Enthusiasten wird so eher getrübt. Schade, aber das Album hat so gar keine Ansatzpunkte, die Hoffnung schöpfen ließen, deshalb wird es im Morast unsichtbarer Mittelmäßigkeit stecken bleiben. Wer sich denn erbarmen will, sich mit dem Wenigen das die Amis anzubieten wissen, zufrieden gibt, der kann dafür von mir aus seine Banknoten bügeln.
4/10

Wednesday, June 13, 2012

RESURGENCY - False Enlightenment - Cd / Hellthrasher Productions


Debütalben schießen in letzter Zeit aus dem Boden wie biologisch unverwertbare Pilzkulturen in dunklen, feuchten Bettritzen. Wo kommen nur all diese Bands her und wer geht eigentlich noch unbefangen zu Shows, wenn scheinbar jeder selbst Musik macht. So viele Death Metal Bekloppte kann es doch gar nicht geben, wer soll sich den ganzen Scheiß denn in den IKEA Expedit stapeln. Da liegt nämlich der Hund begraben, es gibt so unglaublich viele gute Alben, von neuen Bands, die kein Schwanz kennt, die aber qualitativ so ansprechend sind, dass eigentlich keiner drum herum kommen dürfte. Das gilt auch für RESURGENCY aus Griechenland. Die schütten uns so mit teuflischem, alten, amerikanischen Death Metal zu, dass dem Leibhaftigen vor Erstaunen die Suppe im Fegefeuerkessel anbrennt. Schwere und düstere Leads gehen Hand in Handschelle mit schnellen, fetten Riffs und punktgenauem Schlagwerk. Finstere Growls, morbide Grundstimmung im Songwriting, nicht zu viel Technik, aber auch nicht nur mit der stumpfen Seite der Axt auf die Kalotte, das passt alles zusammen. Die verarmten Philosophen können ihren Frust runter trümmern oder mit bleierner Präzision Friedhofserde einfrieren lassen. Wieder welche, die ihr Handwerk verstehen, welche die nicht auf der Suche nach dem einen Klassiker sind, den es noch zu schreiben gilt, eher welche die treu und hingebungsvoll neues Blut in alte Fässer füllen. Sollten wir uns doch dazu hinreißen lassen, den Griechen mit all seinen Pleiteaktionen sympathisch zu finden, dann rollen wir lieber fix ein paar Euronen über den felsigen Olymp und direkt in die löchrigen Taschen der Musiker von RESURGENCY, auf dass sie ihren Anteil ins Staatssäckel tun, anstatt anonyme Steuerverschendungspakte in spielsüchtigen Großbanken zu versenken. Also spendet, bevor dort der Strom abgedreht wird und die ihre Instrumente gegen Feldspaten und Kartoffelhacke eintauschen müssen. Das wäre pure Blasphemie, denn dann wäre der sehr durchdachte und stabil konstruierte Death Metal für den Donnerbalken, jegliches Variationsanstreben (in den Grenzen dessen was sich im Death Metal gehört, wenn man progressiv oder modern aus Überzeugung Kacke findet) umsonst vergossene Schweißbäche. Hier steht ein kleiner Haufen Überzeugungstäter, der in der unübersichtlichen Schaar Gleichgesinnter seine Fackel hell und heiß am Brennen hält und dem, auf seinem Weg zu folgen, mit Freude gelingen sollte. Denn auf diesem Trip werdet ihr (mal wieder) Death Metal in seiner reinsten Kernessenz erfahren, euch brutal misshandeln, euch mit kalten Leichenfingern im Schritt begrapschen lassen und dem Pesthauch westlicher Dekadenz ausgesetzt sein. Die griechische Todessehnsucht deckt alles ab, was im Totmetall wichtig ist, geht recht innovativ mit dem um, was an Stilmitteln zur Verfügung steht und leistet sich keine großen Ausfälle. Von meiner Seite zur nicht ganz risikofreien Verklappung freigegeben.
8/10

Tuesday, June 12, 2012

BARBARIAN - Barbarian - Cd / Despise The Sun Records


Barbarian haben sich ein Ziel gesteckt, das Jahr 1984 immer und immer wieder zu zelebrieren. In diesem Jahr erlebte der schnöde Heavy Metal einen mannigfaltigen Umbruch. Neben vielen Richtungswechseln, wurde er unter anderem auf einer bestimmten Schiene auch primitiver, trockener und härter. Hinter dem Horizont lugten finstere Gestalten, deren musikalisches Harmoniebedürfnis allenfalls rudimentär zu erahnen war, die, mit nicht mehr unbedingt mit sauberer Gesangsstimme unheilvolle, depressive und nihilistische Botschaften von Tod und Teufel verbreiten wollten. Plötzlich war die Sache mit dem Rhythmus wieder ganz einfach und eher beim Punk als bei anspruchsvollen Trommelgöttern (vorerst). Besonders schön klang das in den Ohren vieler nicht, aber es gab auch zahlreiche, die erkannt haben, dass das Anziehen der Schraube, selbst wenn es schrammelt und rumpelt, Richtungsweisend sein wird. In diesem Jahr gruben sich 2 Veröffentlichungen ans Licht, „At War With Satan“ und „Morbid Tales“. Was dort kommen würde hatte sich vorher schon abgezeichnet, aber ebenjenes schwarzes Rillengold brachte die Szene doch spürbar durcheinander. Und exakt darauf nehmen Barbarian Bezug, brettern mit größtenteils stumpfer Gewalt, auch aber mal mit thrashigen Riffs durch einen kurzen Set, schleppen sich doomig mit tiefgelegten Instrumenten durch den eigenen Morast. Können aber genauso gut mit simplen 1 -2 - 3 Rhythmen und angenehm räudigen Mid Tempo, schwer zuschlagen. Vereinzelt auch satteln sie den bleichen Gaul und geben ihm die Sporen, zu viel Tempo passt jedoch nicht ins Konzept. Der Ausdruck ihrer Verbundenheit ist stilechte Musik und ein kurzes „Uhh“. Nun mag manchem diese Ergebenheit zu Musikern, die im Rückblick teilweise grauenvoll schlechte Mucke gemacht haben, zu aufgesetzt, zu langweilig, zu ehrerbietig, zu fantasielos, oder was anderes mit blumigen Adjektiven sein, und er bekommt von mir Recht. Andere werden es als nostalgisches Durchatmen genießen, wenn der modrige Gestank von in nasse Friedhofserde gesickertem Black/Thrash/Speed Metal die Geschmacksknospen neu befeuert, und auch da gebe ich Recht. Vor allem die Speed Metal Anteile geben dem Monster seinen gehetzten Blick, wohingegen der Rest für das gemein und brutal sein verantwortlich zeichnet. Ich nehme der Band ihren Tunnelblick jedenfalls ab, auch wenn es mich subjektiv nicht zwingend aus den Stiefeln hebelt. Barbarian scheinen mir ein unheiliger Haufen zu sein, der ein fast 30 Jahre altes Massaker mit neuen Opfern reanimieren will, der getrocknetes Blut und verrottete Kadaver wieder mit metaphorischem Lebensatem beflügelt, der mit voller Überzeugung so lange zocken wird, bis die Grube leergeschöpft ist. Das klingt alles herzinfarktgleich simpel und nicht immer zu Ende gedacht, stottert wie ein rostiger Lanz – Bulldog über lückenhaftes Kopfsteinpflaster und trifft auf seiner Fahrt viele alte Bekannte, die aus dem Straßengraben winken. Gibt rein künstlerisch nicht viel her, haben die Vorbilder einst auch nicht und siehe was sie alles beeinflusst haben, was sich in Folge für eine Vielfalt entwickelt hat. Also verstehe ich Barbarian aus Italien als eine Band, die weiß wie man ohne Umschweife zum Kern der Geschichte vordringt, immer druff und feste kloppen bis Blut fließt.
6/10

Sunday, June 10, 2012

OFFENDING - Age Of Perversion - Cd / Deepsend Records


Beachtliches technisches Niveau, das die französischen Amphibientöter auf die Theke knallen, denk ich mir. Und dann frag ich mich, ob da nicht zu viel gute Absichten im Album stecken. Derart, dass der Konsument möglicherweise die Orientierung im Großmarkt der Breaks, Solis, Harmonien, Riffs, Grooves, Blasts, Mid - Tempo Gewaltigkeiten, sogar eine Prise Melancholie (beim Rausschmeißer) und Growls verliert. Allesamt keine „Bück Dich“ Ware, aber in seiner Masse vielleicht zu viel. Das Know How auf „Age Of Perversion“ ist kaum streitbar, eher die Tatsache, dass die Band den Kahn gefährlich überladen hat. Das fühlt sich an, wie der Tag als ich (wohl noch nicht in trockenen Tüchern), mit meinen Erzeugern das erste Mal im Zirkus war. Alles laut, alles bunt, nimmer endender Tanz, Musik, Clownerie und Akrobatik, überall Bewegung, viel zu viel um es zu verarbeiten. Dann nach Hause kommen, Schädeltrümmern kriegen, als hätte ein geschmückter Elefant drauf rum getrampelt und Zuckerwatte kotzen. Alle Sinne überfordert und zur Aufgabe gezwungen. Offending schrauben den eigenen Anspruch derart gen Sternenzelt, dass der Turm zu Babylon keine mystische Geschichte mehr zu sein scheint, und den Schöpfer irgendwann wirklich erzürnt. Offending kokettieren mit Bands wie Immolation oder Vile, variieren ihr Spiel aber um einige Nuancen und gehen immer wieder das Risiko ein, ihren Stücken den Fluss zu rauben, da sie mehr wollen und auch können, als eine gute Death Metal Geschichte vertragen kann. Grundlegend folgen sie aber dem Old School Gedanken, scheuen sich nicht vor progressiven Ausreden und knüpfen einen dichten Flokati aus technischen Verrücktheiten und brutalen Stichen. Somit können Songs von hemmungsloser Raserei genauso gut leben, wie von straff gesattelten Riffs und wenigen atmosphärischen Bremsen … in den Augen der Band. Denn auf generelle Eingängigkeit legen sie kaum Wert, wenn sie ihren Buschbrand zu Ehren blasphemischer Todesbleigötzen abfackeln. Da steigt der Rauch beißend in die Augen und verdirbt den Blick auf die Simplizität der Dinge, und wie einfach Death Metal eigentlich sein will. Flammen lecken schmerzhaft am Wissen um produktives Songwriting und stacheln den französischen Haufen an, noch dicker aufzutragen, ihre nicht unterschätzten Fähigkeiten ans Licht zu zerren, uns alle teilhaben zu lassen. Ob wir das dann auch wollen, dürfen wir natürlich selbst entscheiden. Vielleicht gefällt es uns ja nicht, wenn’s so arg wild durcheinander zu gehen scheint, vielleicht fehlt mir persönlich auch die Weitsicht. Natürlich haben Offending ein bestechend präzises Trümmerwerk abgeliefert, das im Sackbahnhof der Attraktionen für versagende Bremsen, splitternde Prellböcke und einstürzende Betonmauern sorgt. Zieh ich meinen Hut durch den Staub, ich hätte aber auch nichts dagegen gehabt, wenn es einfacher gehäkelt wäre, und schneller die Sicht auf den Kern des Ganzen zulässt, einfach umgehend an den Eiern packt. Aber so ein billiges Zielsuchgerät holen die nicht aus der Asservatenkammer. Offending wollen verflixt viel, ob sie auch alles bekommen glaub ich nicht so recht.
6/10

Saturday, June 9, 2012

COFFIN TEXTS - Tomb Of Infinite Ritual - Cd / Dark Descent



Und es ward geschrieben und festgehalten auf immerdar, um kundzutun für alle Zeiten einem jeden. Es begab sich, dass der Engel, alt und morbide geworden, sich zur Ruhe begab und von seinen Jüngern abwand sein Antlitz. Diesen aber missfiel, was er tat, nicht aber was er getan, und so beteten sie auf Knien zu seinen großen Taten, die sich ereigneten, als die Welt aus totmetallischem Glanz noch jung und im Aufbegehren war. In seinem Geiste wollten sie das Gelehrte fortsetzen und die frohe Botschaft über die staubigen Äcker der Verwüstung bringen. Da entstanden Viele, denn ihrer waren Viele. Einer jener, dessen leuchtender Schweif aller Dutzend Jahre am Horizont auftaucht, hat sein Testament in die Särge derer geritzt, die längst vergessen oder nie verstanden haben. Und so lebt der Geist des Engels in ihm fort, transferiert seine Evangelium durch die Augen, Münder und Finger glaubensfester Jünger, zeigt auch im Jahre des falschen Weltenendes keine Gnade, und verliert nichts von dem, was einst in den Tiefen des Purgatoriums gezeugt, und aus der Gluthitze der Hölle geboren wurde. Und siehe viele Jahre sind vergangen, und ich sah den Engel, und der Engel kam und trat an den Altar und hatte ein 6 saitiges Schwert, und ihm ward Wetzstein gegeben, dass er es gäbe zum Gebet aller Heiligen auf dem Altar des Wahnsinns. Und der Lärm des Schwertes, das Fleisch und Sehne schneidet, vom Gebet der Unheiligen ging auf von der Hand des Engels und ließ Gott bluten. Und der Engel nahm das Schwert und füllte es mit Feuer vom Altar und schüttete es auf die Erde. Und da geschahen Stimmen und Donner und Blitze und Erdbeben. Und ich trat an den Sand des blutenden Meeres und sah ein Tier aus dem Meer steigen, das hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Hörnern zehn Kronen und auf seinen Häuptern Namen der Lästerung. Und das Tier, dass ich sah, war gleich einer Macht, die da Death Metal heißt, und seine Füße wie Stahl und sein Mund geschaffen für abgründig tiefe Laute. Und der Drache gab ihm seine Kraft und seinen Stuhl und große Macht. Und ich sah seiner Häupter eines, als wäre es tödlich wund, und seine tödliche Wunde ward heil. Und der Metal Underground verwunderte sich des Tieres, und sie beteten den Drachen an, der dem Tier die Macht gab, und beteten das Tier an und sprachen: Wer ist dem Tier gleich, und wer kann mit ihm kriegen?

Im vollen Bewusstsein eines aufrechten Erbfolgers, veröffentlichen Coffin Texts nach verachtenswerten 12 Jahren ihr 2. Album, und blasten damit die Kruste von der bandeigenen Leichenkiste. Wer hätte schon damit gerechnet, dass die noch mal über den Zenit grüßen. Aber nun sind sie ja wieder da und präsentieren sich stärker und erwachsener. Klar, das ist immer noch Morbid Angel, aber wer wollte sich schon aufregen, haben die doch den Bogen raus und überspannen ihn nicht, wie die einstige Szeneikone. Hinter Coffin Texts stehen ja auch keine Anfänger, sondern gestandene Musiker, die sich ihre Brötchen mit Leidenschaft verdienen, und nebenbei Acts wie Possessed, Asesino, Brujeria, Diabolic oder Agent Steel angehören oder angehörten. Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass es ein halbes Teenagerleben gedauert hat, bis sie uns wieder in ihre Gruft gelassen haben. Dass sich die Türen knarzend in ihren Angeln bewegen, und uns Einlass gewähren, sollte die Gemeinde erfreuen, denn die Töne, die uns aus den Tiefen der Leichenstatt entgegen strömen, sollten jeden Death Metal Aspiranten in Verzückung versetzen, ist die blasphemische Botschaft vom Ende der Zeit doch in allerfeinste brutale Disharmonien verpackt. Reinziehen und beten!
8/10

Friday, June 8, 2012

HELLSPAWN - The Great Red Dragon - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho


Treffen sich ein kopfkranker, über seine eigenen Beine gestolperter Engel und ein Vater mit Luftnot und röchelnden Schnarchlauten unter der Maske, und beraten in einem konspirativen Geheimtreffen im Hinterzimmer einer dem Leibhaftigen gewidmeten Opiumhöhle, wie es nun im Alter weiter gehen sollte. So viele Ideen liegen noch auf dem Altar des Wahnsinns, zu viel um sie als schwarzen Unrat an Blinde zu vergeuden. Da sie nicht in der Lage sind, alles umzusetzen, suchen sie nun jemanden, der quasi den Beifang, den sie ausgesiebt haben, der aber noch viel zu gut ist, um der Vergessenheit im Halse stecken zu bleiben, für sie ausbrütet. Da stolpern sie über einen Haufen polnischer Opferlämmer, setzen sie unter Droge, lassen sie auf dem großen, roten Drachen reiten, und als deren Pupillen wieder verhältnismäßig normale Größe angenommen haben, liegt da die Rohfassung für eine neue Band unterm Weihnachtsbaum. Der mit der Maske flüstert, „Wir sind dein Vater“ und der Engel nickt unsichtbar. Alsdann verlassen beide das fadenscheinige Etablissement um sich dem Rest ihres Lebens zu widmen, und überlassen die keimende Saat sich selbst, mit der höllischen Gewissheit, dass sie eher früher als später aufgehen wird. Und da reckt es sich und streckt es sich, wirft ein schwarzes Mäntlein über sich und wächst heran zu einem echten Kind der Hölle, dass in seinem Übermut gelernt hat, den Drachen selbst zu reiten. Tief in seinem Unterbewusstsein weiß es, wer seine Väter sind und ehrt sie, versteht aber nicht in welchen Schoß der Samen verschossen wurde, da es sich nicht an eine Mutter erinnern kann. Da dies für den Heranwachsenden ein Mysterium bleiben wird, glorifiziert er sich mithilfe gnadenloser Blasphemie und nimmer endender Blastbegleitung einfach selbst. Es besteht in einer brutalen Männerdomäne, verliert die Eierschalen hinter den Ohren und ist nunmehr in der Lage, gänzlich ohne Protegé, auch wenn in deren Geiste, Musik zu schreiben. Mit der unerforschten Kraft der Selbstüberzeugung schwebt heuer das 2. Album aus dem östlichen Jenseits heran, und knüppelt mit düsteren Riffs ein sehr traditionelles Death Metal Testament. Nichts falsch gemacht, den Vätern von tausenden zur Ehre gereicht, und selbst auf mehr als anständiges Niveau gelevelt, kann „The Great Red Dragon“ Überzeugungsarbeit leisten. Guter Sound(Schlagzeug klingt manchmal etwas zu mechanisch), sicherer Umgang mit den Instrumenten, und das Wissen um ein mehr als funktionales Songwriting, mit all seinen nötigen Hooks und schwarzen Höhlenmalereien, sind stabile Monumente, die den Leistungsschatz polnischer Wutausbrüche problemlos auf breiten, steinernen Schultern balancieren. Selbst wenn Hellspawn ein Leben lang in der 2. Reihe stehen sollten (was wohl auch passieren wird, da das mit dem innovativen Novum nicht auf der Bandagenda steht), haben sie dort genug Luft um lauthals ihre Recht auf laute und allem zürnende Teufelsmusik heraus zu brüllen. Der Engel und der Vater haben ihren Ziehbastard längst wieder vergessen, der seine Erzeuger aber nie!
8/10

Wednesday, June 6, 2012

AMORPHOUS - A Perfect Evil - Cd / Let It Bleed Records


Gegründet in den frühen 90ern und schnell wieder verschwunden, weil die Zeit noch nicht reif war, das Grüne hinter den Ohren nicht trocken, oder die Erziehungsbeauftragten ihnen die Flausen mit katholischer Gründlichkeit ausgeprügelt haben, räuspert sich seit einigen Jahren wieder Ungemach im polnischen Dickicht. In der festen Absicht mit markigem Death Metal aus dem Unterholz zu brechen, schieben sie ihr 2. Album vors Loch. Und da rammelt es dann wie ein haariger Bock auf Testosteron mit Tempovariablen, schrundige Riffs und auch melodiösen Solis, sowie einem Frontpakaluden, der seine Stimmbänder vor die Wahl stellt, ein echter Punk zu sein oder mit warmer Milch zu gurgeln. Die entschieden sich für die erste Variante und brüllen sehr erdig den Staub von ausgelatschten Schuhen. Dass das Gesamtpaket Spaß verbreitet, ohne etwas wirklich weltbewegendes aus dem Anus seiner Kreativbemühungen schlüpfen zu lassen, ist gut hörbar und auch nach mehreren Ritten gewissermaßen unterhaltsam. Amorphous vergehen sich nun nicht unbedingt am typischen Heimattotgebolze mit viel Technik und noch mehr Blast, gewisse Parallelen sind aber auch nicht ganz von der schwieligen Rechten zu weisen. Vielmehr aber steht nach Sicherheit heischendes Songwriting im Vordergrund, das häufig mit weniger auskommt, um mehr zu erzeugen. Ist also über weite Strecken simpel. Mit Riffs, die vielleicht nicht immer gleich auf Dauer an den passenden Rezeptoren andocken, die aber mehr als nur funktionale Notwendigkeiten beisteuern. Mit der unterschwelligen Vorgehensweise einer Crustband und aller nötigen Schwere und Härte echten Death Metals. Dazu gehört haltloses Geprügel genauso wie bleibeladene Schwerenot. „Escape“ vielleicht, das ist ein Song der nicht unbedingt an Flucht denken lässt, es sei denn, man benutzt dazu eine Kettenraupe. Da spielt Melancholie genau so eine Rolle wie ein genagelter Knüppel. Die alte Schule steht hinter jedem Song, so bedrohlich dass die 3 Musiker mit jeder Note und jedem Akkord unbedingt zeigen müssen, was sie dort gelernt haben. Dass beinahe jeder Titel mit derselben krummen Nadel nach dem selben Strickmuster entstanden ist, mag stören, dass ein Keyboard immer mal wieder an die dunkle Seite der Macht erinnern will, mag überflüssig sein, dass der Dreck mit aufsteigender Räudigkeit ausgekotzt wird, als verursache er Krebs oder Schlimmeres, dürfte die Waage wieder in die Balance bringen. Amorphous ist ein Album gelungen, von dem sie sicher selbst absolut überzeugt sind, das sehr viele überzeugende Momente innehat, das aber auch niemandem an die Wade pinkelt oder mit brutaler Gewalt klarmacht, das in Zukunft hier die Zentrale des Genickbruches ist. Wenn es reicht, Death Metal mit einigen Hooks und Grooves, viel Herz und Seele und hingebungsvoller Traditionsverbundenheit zu schaffen, der den Faktor Langeweile für einige Zeit vor die Tür schickt, dann sollte „A Perfect Evil“ eine Empfehlung wert sein.
7/10