Wednesday, June 6, 2012

AMORPHOUS - A Perfect Evil - Cd / Let It Bleed Records


Gegründet in den frühen 90ern und schnell wieder verschwunden, weil die Zeit noch nicht reif war, das Grüne hinter den Ohren nicht trocken, oder die Erziehungsbeauftragten ihnen die Flausen mit katholischer Gründlichkeit ausgeprügelt haben, räuspert sich seit einigen Jahren wieder Ungemach im polnischen Dickicht. In der festen Absicht mit markigem Death Metal aus dem Unterholz zu brechen, schieben sie ihr 2. Album vors Loch. Und da rammelt es dann wie ein haariger Bock auf Testosteron mit Tempovariablen, schrundige Riffs und auch melodiösen Solis, sowie einem Frontpakaluden, der seine Stimmbänder vor die Wahl stellt, ein echter Punk zu sein oder mit warmer Milch zu gurgeln. Die entschieden sich für die erste Variante und brüllen sehr erdig den Staub von ausgelatschten Schuhen. Dass das Gesamtpaket Spaß verbreitet, ohne etwas wirklich weltbewegendes aus dem Anus seiner Kreativbemühungen schlüpfen zu lassen, ist gut hörbar und auch nach mehreren Ritten gewissermaßen unterhaltsam. Amorphous vergehen sich nun nicht unbedingt am typischen Heimattotgebolze mit viel Technik und noch mehr Blast, gewisse Parallelen sind aber auch nicht ganz von der schwieligen Rechten zu weisen. Vielmehr aber steht nach Sicherheit heischendes Songwriting im Vordergrund, das häufig mit weniger auskommt, um mehr zu erzeugen. Ist also über weite Strecken simpel. Mit Riffs, die vielleicht nicht immer gleich auf Dauer an den passenden Rezeptoren andocken, die aber mehr als nur funktionale Notwendigkeiten beisteuern. Mit der unterschwelligen Vorgehensweise einer Crustband und aller nötigen Schwere und Härte echten Death Metals. Dazu gehört haltloses Geprügel genauso wie bleibeladene Schwerenot. „Escape“ vielleicht, das ist ein Song der nicht unbedingt an Flucht denken lässt, es sei denn, man benutzt dazu eine Kettenraupe. Da spielt Melancholie genau so eine Rolle wie ein genagelter Knüppel. Die alte Schule steht hinter jedem Song, so bedrohlich dass die 3 Musiker mit jeder Note und jedem Akkord unbedingt zeigen müssen, was sie dort gelernt haben. Dass beinahe jeder Titel mit derselben krummen Nadel nach dem selben Strickmuster entstanden ist, mag stören, dass ein Keyboard immer mal wieder an die dunkle Seite der Macht erinnern will, mag überflüssig sein, dass der Dreck mit aufsteigender Räudigkeit ausgekotzt wird, als verursache er Krebs oder Schlimmeres, dürfte die Waage wieder in die Balance bringen. Amorphous ist ein Album gelungen, von dem sie sicher selbst absolut überzeugt sind, das sehr viele überzeugende Momente innehat, das aber auch niemandem an die Wade pinkelt oder mit brutaler Gewalt klarmacht, das in Zukunft hier die Zentrale des Genickbruches ist. Wenn es reicht, Death Metal mit einigen Hooks und Grooves, viel Herz und Seele und hingebungsvoller Traditionsverbundenheit zu schaffen, der den Faktor Langeweile für einige Zeit vor die Tür schickt, dann sollte „A Perfect Evil“ eine Empfehlung wert sein.
7/10

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