Tuesday, June 12, 2012

BARBARIAN - Barbarian - Cd / Despise The Sun Records


Barbarian haben sich ein Ziel gesteckt, das Jahr 1984 immer und immer wieder zu zelebrieren. In diesem Jahr erlebte der schnöde Heavy Metal einen mannigfaltigen Umbruch. Neben vielen Richtungswechseln, wurde er unter anderem auf einer bestimmten Schiene auch primitiver, trockener und härter. Hinter dem Horizont lugten finstere Gestalten, deren musikalisches Harmoniebedürfnis allenfalls rudimentär zu erahnen war, die, mit nicht mehr unbedingt mit sauberer Gesangsstimme unheilvolle, depressive und nihilistische Botschaften von Tod und Teufel verbreiten wollten. Plötzlich war die Sache mit dem Rhythmus wieder ganz einfach und eher beim Punk als bei anspruchsvollen Trommelgöttern (vorerst). Besonders schön klang das in den Ohren vieler nicht, aber es gab auch zahlreiche, die erkannt haben, dass das Anziehen der Schraube, selbst wenn es schrammelt und rumpelt, Richtungsweisend sein wird. In diesem Jahr gruben sich 2 Veröffentlichungen ans Licht, „At War With Satan“ und „Morbid Tales“. Was dort kommen würde hatte sich vorher schon abgezeichnet, aber ebenjenes schwarzes Rillengold brachte die Szene doch spürbar durcheinander. Und exakt darauf nehmen Barbarian Bezug, brettern mit größtenteils stumpfer Gewalt, auch aber mal mit thrashigen Riffs durch einen kurzen Set, schleppen sich doomig mit tiefgelegten Instrumenten durch den eigenen Morast. Können aber genauso gut mit simplen 1 -2 - 3 Rhythmen und angenehm räudigen Mid Tempo, schwer zuschlagen. Vereinzelt auch satteln sie den bleichen Gaul und geben ihm die Sporen, zu viel Tempo passt jedoch nicht ins Konzept. Der Ausdruck ihrer Verbundenheit ist stilechte Musik und ein kurzes „Uhh“. Nun mag manchem diese Ergebenheit zu Musikern, die im Rückblick teilweise grauenvoll schlechte Mucke gemacht haben, zu aufgesetzt, zu langweilig, zu ehrerbietig, zu fantasielos, oder was anderes mit blumigen Adjektiven sein, und er bekommt von mir Recht. Andere werden es als nostalgisches Durchatmen genießen, wenn der modrige Gestank von in nasse Friedhofserde gesickertem Black/Thrash/Speed Metal die Geschmacksknospen neu befeuert, und auch da gebe ich Recht. Vor allem die Speed Metal Anteile geben dem Monster seinen gehetzten Blick, wohingegen der Rest für das gemein und brutal sein verantwortlich zeichnet. Ich nehme der Band ihren Tunnelblick jedenfalls ab, auch wenn es mich subjektiv nicht zwingend aus den Stiefeln hebelt. Barbarian scheinen mir ein unheiliger Haufen zu sein, der ein fast 30 Jahre altes Massaker mit neuen Opfern reanimieren will, der getrocknetes Blut und verrottete Kadaver wieder mit metaphorischem Lebensatem beflügelt, der mit voller Überzeugung so lange zocken wird, bis die Grube leergeschöpft ist. Das klingt alles herzinfarktgleich simpel und nicht immer zu Ende gedacht, stottert wie ein rostiger Lanz – Bulldog über lückenhaftes Kopfsteinpflaster und trifft auf seiner Fahrt viele alte Bekannte, die aus dem Straßengraben winken. Gibt rein künstlerisch nicht viel her, haben die Vorbilder einst auch nicht und siehe was sie alles beeinflusst haben, was sich in Folge für eine Vielfalt entwickelt hat. Also verstehe ich Barbarian aus Italien als eine Band, die weiß wie man ohne Umschweife zum Kern der Geschichte vordringt, immer druff und feste kloppen bis Blut fließt.
6/10

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