Wednesday, June 20, 2012

DEGIAL - Death´s Striking Wings - Cd / Sepulchral Voice Records


Sobald ein Testosteronhetero blonde Haare, wippende Hüften und dicke Möpse sieht, assoziiert er das umgehend mit sexueller, dauerfeuchter Dummheit und denkt sich, „Nüscht wie ran!“. Und dabei weiß er gar nicht, ob es sich um Imbiss - Gabi oder Frau Doktor handelt. Wenn wir einen zottligen, alten Knaben mit einem Flaschenbeutel umher schlurfen sehen, assoziieren wir das abwertend mit „Spriti, Schluckspecht, Assi“. Und dabei wissen wir gar nicht, ob es wirklich ein Pennbruder auf der Suche nach billiger Dröhnung ist, oder nur ein armes Schwein, das sein ganzes Leben geschuftet hat und nun trotzdem noch Flaschen sammeln muss, weil die Rente nicht reicht. Assoziationen! Kommt die nächste Death Metal Band aus Schweden und wehrt sich gegen den ganzen Revival Kram. Na klar doch, wieder ein exponierter Anwärter darauf, der beste Entombed Klon Aspirant zu werden, warum auch nicht. Und dabei ist der Playknopf noch nicht mal angerührt. Un haste nich jesehen, flitzt der Haase inne andere Richtung fort. DEGIAL bewahren den Old School Gedanken auf ganz unpatriotische Weise, wahrscheinlich weil sie so immer mit einem Dauerständer rumrennen können. Aber mit typisch schwedischem Todesmörtel haben sie herzlich wenig am Hut. Die wollen keine Melodien, keine morbiden Stimmungen und keinen Sunlight - Sound. Die Musik gründet sich auf Zeit und Ort, als der Wahnsinnsaltar noch gebaut wurde und der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich war, als in den 7 Kirchen der Begriff Death Metal erstmals geprägt wurde. Und genau so roh, wie der Bau damals war, behandeln die ihre Musik, und zwar mit klassischen Elementen genauso wie mit der einst neuen und unverblümten Brutalität, die den Metal aufzumischen drohte. Infolge dessen dürft ihr hier nicht erwarten, von hoher technischer Qualität, flexiblem Songwriting und progressiver oder moderner Metalartillerie unter Beschuss genommen zu werden. DEGIAL ist treuer Vertreter authentischer Aufbruchsstimmung, blasphemischer Schwarzmalerei und staubtrockener Sounds. Es passiert generell nicht so viel, aber das was da passiert, trägt mit jedem Anschlag den Geist einer unvergessenen Epoche, und das nehme ich der Band in vollem Umfang ab. Um richtig billig zu sein, sind sie zu gut, dafür schmeißen sie uns zu viele klassische Solis in das Hörgebälk. Um sich als bloße Kopie zu verkaufen, sind sie zu erfahren, dafür ist das Album in seiner Bescheidenheit viel zu flexibel geschrieben und eingespielt. Zum liebhaben ist es nichts, als Mädchenalbum taugt es nichts, für den großen Markt ist es kaum verwertbar noch sonst wie populär ausschlachtbar. Es ist einfach nicht schön anhörbar, eckig und kantig, dreckig und unangepasst wie es ist. Es wird ein Genuss, wenn ihr euch im Klaren darüber seid, dass es im Metal einst nie darum ging, unbedingten gefallen zu müssen, sondern darum, mit aller zur Verfügung stehender Aggression seinen Unwillen und Hass, seine innere Rebellion und den Stolz auf das Anderssein lautstark und ungefiltert in die Welt zu schreien. Heute ist ein großer Teil der Metalwelt im kommerziellen Gleichschritt erblindet, die Idee aber war mal eine ganz andere. Und das transferieren DEGIAL mit extrem starker Überzeugung! Hut ab und Daumen hoch!
8/10

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