Friday, June 8, 2012

HELLSPAWN - The Great Red Dragon - Cd / Wydawnictwo Muzyczne Psycho


Treffen sich ein kopfkranker, über seine eigenen Beine gestolperter Engel und ein Vater mit Luftnot und röchelnden Schnarchlauten unter der Maske, und beraten in einem konspirativen Geheimtreffen im Hinterzimmer einer dem Leibhaftigen gewidmeten Opiumhöhle, wie es nun im Alter weiter gehen sollte. So viele Ideen liegen noch auf dem Altar des Wahnsinns, zu viel um sie als schwarzen Unrat an Blinde zu vergeuden. Da sie nicht in der Lage sind, alles umzusetzen, suchen sie nun jemanden, der quasi den Beifang, den sie ausgesiebt haben, der aber noch viel zu gut ist, um der Vergessenheit im Halse stecken zu bleiben, für sie ausbrütet. Da stolpern sie über einen Haufen polnischer Opferlämmer, setzen sie unter Droge, lassen sie auf dem großen, roten Drachen reiten, und als deren Pupillen wieder verhältnismäßig normale Größe angenommen haben, liegt da die Rohfassung für eine neue Band unterm Weihnachtsbaum. Der mit der Maske flüstert, „Wir sind dein Vater“ und der Engel nickt unsichtbar. Alsdann verlassen beide das fadenscheinige Etablissement um sich dem Rest ihres Lebens zu widmen, und überlassen die keimende Saat sich selbst, mit der höllischen Gewissheit, dass sie eher früher als später aufgehen wird. Und da reckt es sich und streckt es sich, wirft ein schwarzes Mäntlein über sich und wächst heran zu einem echten Kind der Hölle, dass in seinem Übermut gelernt hat, den Drachen selbst zu reiten. Tief in seinem Unterbewusstsein weiß es, wer seine Väter sind und ehrt sie, versteht aber nicht in welchen Schoß der Samen verschossen wurde, da es sich nicht an eine Mutter erinnern kann. Da dies für den Heranwachsenden ein Mysterium bleiben wird, glorifiziert er sich mithilfe gnadenloser Blasphemie und nimmer endender Blastbegleitung einfach selbst. Es besteht in einer brutalen Männerdomäne, verliert die Eierschalen hinter den Ohren und ist nunmehr in der Lage, gänzlich ohne Protegé, auch wenn in deren Geiste, Musik zu schreiben. Mit der unerforschten Kraft der Selbstüberzeugung schwebt heuer das 2. Album aus dem östlichen Jenseits heran, und knüppelt mit düsteren Riffs ein sehr traditionelles Death Metal Testament. Nichts falsch gemacht, den Vätern von tausenden zur Ehre gereicht, und selbst auf mehr als anständiges Niveau gelevelt, kann „The Great Red Dragon“ Überzeugungsarbeit leisten. Guter Sound(Schlagzeug klingt manchmal etwas zu mechanisch), sicherer Umgang mit den Instrumenten, und das Wissen um ein mehr als funktionales Songwriting, mit all seinen nötigen Hooks und schwarzen Höhlenmalereien, sind stabile Monumente, die den Leistungsschatz polnischer Wutausbrüche problemlos auf breiten, steinernen Schultern balancieren. Selbst wenn Hellspawn ein Leben lang in der 2. Reihe stehen sollten (was wohl auch passieren wird, da das mit dem innovativen Novum nicht auf der Bandagenda steht), haben sie dort genug Luft um lauthals ihre Recht auf laute und allem zürnende Teufelsmusik heraus zu brüllen. Der Engel und der Vater haben ihren Ziehbastard längst wieder vergessen, der seine Erzeuger aber nie!
8/10

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