Sunday, June 10, 2012

OFFENDING - Age Of Perversion - Cd / Deepsend Records


Beachtliches technisches Niveau, das die französischen Amphibientöter auf die Theke knallen, denk ich mir. Und dann frag ich mich, ob da nicht zu viel gute Absichten im Album stecken. Derart, dass der Konsument möglicherweise die Orientierung im Großmarkt der Breaks, Solis, Harmonien, Riffs, Grooves, Blasts, Mid - Tempo Gewaltigkeiten, sogar eine Prise Melancholie (beim Rausschmeißer) und Growls verliert. Allesamt keine „Bück Dich“ Ware, aber in seiner Masse vielleicht zu viel. Das Know How auf „Age Of Perversion“ ist kaum streitbar, eher die Tatsache, dass die Band den Kahn gefährlich überladen hat. Das fühlt sich an, wie der Tag als ich (wohl noch nicht in trockenen Tüchern), mit meinen Erzeugern das erste Mal im Zirkus war. Alles laut, alles bunt, nimmer endender Tanz, Musik, Clownerie und Akrobatik, überall Bewegung, viel zu viel um es zu verarbeiten. Dann nach Hause kommen, Schädeltrümmern kriegen, als hätte ein geschmückter Elefant drauf rum getrampelt und Zuckerwatte kotzen. Alle Sinne überfordert und zur Aufgabe gezwungen. Offending schrauben den eigenen Anspruch derart gen Sternenzelt, dass der Turm zu Babylon keine mystische Geschichte mehr zu sein scheint, und den Schöpfer irgendwann wirklich erzürnt. Offending kokettieren mit Bands wie Immolation oder Vile, variieren ihr Spiel aber um einige Nuancen und gehen immer wieder das Risiko ein, ihren Stücken den Fluss zu rauben, da sie mehr wollen und auch können, als eine gute Death Metal Geschichte vertragen kann. Grundlegend folgen sie aber dem Old School Gedanken, scheuen sich nicht vor progressiven Ausreden und knüpfen einen dichten Flokati aus technischen Verrücktheiten und brutalen Stichen. Somit können Songs von hemmungsloser Raserei genauso gut leben, wie von straff gesattelten Riffs und wenigen atmosphärischen Bremsen … in den Augen der Band. Denn auf generelle Eingängigkeit legen sie kaum Wert, wenn sie ihren Buschbrand zu Ehren blasphemischer Todesbleigötzen abfackeln. Da steigt der Rauch beißend in die Augen und verdirbt den Blick auf die Simplizität der Dinge, und wie einfach Death Metal eigentlich sein will. Flammen lecken schmerzhaft am Wissen um produktives Songwriting und stacheln den französischen Haufen an, noch dicker aufzutragen, ihre nicht unterschätzten Fähigkeiten ans Licht zu zerren, uns alle teilhaben zu lassen. Ob wir das dann auch wollen, dürfen wir natürlich selbst entscheiden. Vielleicht gefällt es uns ja nicht, wenn’s so arg wild durcheinander zu gehen scheint, vielleicht fehlt mir persönlich auch die Weitsicht. Natürlich haben Offending ein bestechend präzises Trümmerwerk abgeliefert, das im Sackbahnhof der Attraktionen für versagende Bremsen, splitternde Prellböcke und einstürzende Betonmauern sorgt. Zieh ich meinen Hut durch den Staub, ich hätte aber auch nichts dagegen gehabt, wenn es einfacher gehäkelt wäre, und schneller die Sicht auf den Kern des Ganzen zulässt, einfach umgehend an den Eiern packt. Aber so ein billiges Zielsuchgerät holen die nicht aus der Asservatenkammer. Offending wollen verflixt viel, ob sie auch alles bekommen glaub ich nicht so recht.
6/10

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