Friday, June 29, 2012

POISONOUS - Perdition's Den - Cd / Metalhit.com



Stumpf wie eine Woche ungeputztes Elfenbein mit 1 cm Pelz auf der Zunge, polternd wie eine Putzrotte unterbezahlter Vorruheständler in einem Kaufhaus morgens gegen 4 Uhr, rabiat wie ein besoffener Chirurg im Kinderkrankenhaus, krank wie der Arsch eines Straßenköters, staubig wie das Testament des Doktor Mabuse, von der Zeit angefressen wie Omis Hochzeitsfoto von Silberfischchen, so windet sich dieser bucklige Bastard aus einem finsteren Loch irgendwo in Brasilien. Einen Preis auf Schönheit und Eleganz kann sich diese schmierige Ratte vom nassen Fell lecken, daraus wird nichts. Wo andere am Puls der Zeit fühlen, kreucht das Vieh hier durch Dreck und Abfall, ernährt sich von den Resten, die in dämmrigem Zwielicht aufzutreiben sind und faucht fiese Töne in das verhasste Sonnenlicht. Von Brasilianern erwartet der verwöhnte, mit Erwartungshaltungen groß gewordene Mitteleuropäer eigentlich auch was anderes, aber die scheißen uns einen großen Berg vor den Palast. Unter Zuhilfenahme grauenvoller, medialer Folterszenen bohren sie ihre dreckigen Finger in den Kern des Death Metal, kommen dabei sehr flott voran, verzichten auf große Technik und prügeln die Faust einfach auf kürzestem Wege ins madige Fleisch. Häufig zappelt der Wurm dabei moderat hektisch und überschaubar, lässt aber auch Gliedmaßensteife erkennen und verfällt in doomige Erstarrung. So als wäre die Kreatur sich der Endlichkeit ihrer Existenz bewusst. Das hat alles den offensichtlich gewollten Charme der frühen 90er, als es noch ein Novum war, Musik zu schreiben, die nach Verstopfung und Durchfall zugleich klingt, bei der der Punk aber vor der Tür Schmiere stehen musste. Poisonous markieren ihr Revier mit dem vertretbaren Anspruch der Ursprünglichkeit, sind erfreulich primitiv aber weit weg vom Vorwurf ein fades Würstchen in den labbrigen Teig zu stopfen. Die manchmal etwas sperrigen Gewaltausbrüche werden immer wieder von morbidem Zwischengeplänkel beruhigt (Intros), ganz im Sinne einer Leichenhallenstimmung, die der Party kaum abträglich ist. So wirklich das große Ding ist das Album bestimmt nicht, packt den Death Metal vor der Erfindung der hohen Saiten aber straff an den Eiern, und wer seine Vorstellung von südamerikanischen Unruhestiftern nicht in den Himmel der Technik oder Blastgötter schwingt, bekommt einen gut durchgegarten Sud aus verdauberem Tempo, authentischem Songwriting (ohne Seitenblick immer geradeaus), dicken, unaufgeregten Riffs und grusligen, perfekt hallenden Growls, in den weit aufgesperrten Rachen gekippt. Man spürt geradezu, wie totes Gewebes unter Stromschlägen wieder epileptische Aktivität zeigt, und mehr brauche ich zumindest nicht, wenn es um Totmetall aus dem alten Haus geht. Veröffentlicht wurde dieser schleimigen Brocken vor 2 Jahren schon mal, die modifizierte Version enthält aber einige zusätzliche Stück, inklusive des sehr passenden „The Black Vomit“ von Sarcofago, sowie ein anderes Cover.
7/10

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