Saturday, June 16, 2012

ZODIAC - Menschenstaub - 12 Lp / 7 Degrees Records


Menschenstaub, scheiße auch, will hier jemand prophetische Halbwahrheiten in pseudointelloektuellen Botschaften verstecken, oder ist der musikterroristische Revolutionsanspruch wirklich so verdammt hoch am Limit festgeklebt, dass das Album einfach umwerfend ist? Bin mir noch nicht sicher, aber wer erst mal ein Durchlauf überlebt hat, kann froh sein, nicht selbst unter so einer Fleischramme zu Staub zerbröselt worden zu sein. Wenn ein nonkonformer Asselpunk mit einer fetten, nach Bier und Schweiß stinkenden Death Metal Hure vögelt, kommt ein ziemlich hässlicher Bastard ans ungeliebte Tageslicht, soviel steht erst mal fest. Jedoch nicht in dem Sinne, mit dem Schweden solche Genres gern verquicken, dafür wirken ZODIAC viel zu ernsthaft, den Spaßfaktor und die Rock´n Roll Attitüde überlassen sie den blonden Nordmännern (vielleicht nicht ganz). Was sie allerdings von nördlich der neutralen Demarkationslinie eingeschleppt haben, ist ihre latente Liebe zu Melodien, die, wenn sie denn den Prägestempel für einen Song bilden dürfen, durchaus auf schwedische Absichten schließen lassen. Die grundlegende Vorgehensweise der Verirrten aus Bremen, hat aber nichts mit harmoniebedürftiger 6 - Saiten Dudelei zu tun, noch mit der Absicht, mit modernen oder vielleicht thrashigen Riffs irgendwo eine Besitzanspruchsfahne im Niemandsland zu hissen. Die suchen und finden ihren eigenen Anspruch, indem sie vorzugsweise die rohen und brutalen Parts aus ihrer Lieblingsmusik nutzen, immer wissen, wann sie das Konzept mal etwas aufweichen müssen, sich Disharmonien erlauben, wenn sie es für richtig halten und eingängig klingen können, auch wenn es nicht vorrangige Absicht sein sollte. Suizidale Ausrutscher sind ebenfalls gangbar und tünchen alles ab und an mit unangenehmer Schwärze über. Dass Death Metal auf Hardcore und Crust funktioniert, wissen wir nicht erst seit Zodiac, dass diese Verstrickung nicht unbedingt populistisch ist auch, dass die Musik qualitativ so dermaßen aussagekräftig sein kann, kommt allerdings nicht so häufig vor. Von billigen Rhythmen wird fast ganz abgesehen, bei Grooves ist es nötig, andere Parts machen aber einen eher nach Komplexität suchenden Eindruck. „Menschenstaub“ kann mit der Eisenfaust knüppeln, ansatzweise progressiv kokettieren, oder nur hemmungslos abräumen, markante Hooks aus der Mütze zwirbeln und mit Schwung Tanzbeine brechen, egal was auf dem Album geschieht, es klingt immer glaubwürdig. Hinzu kommen deutsche Texte, bei denen ebenfalls der Humor abspenstig ist und den Eindruck unter der Fußmatte hervorluken lässt, dass die das Leben und ihre Musik gar zu ernst nehmen. Kann auch ein, dass die Realität des täglichen Wahnsinns sie eher eingeholt hat, als manch anderen. Und wenn die Musiker dabei vielleicht etwas verbissen und eine Spur zu angepasst erscheinen, uns Konsumenten darf es dennoch Spaß machen. Lasst euch nicht von den Depressionen und schwarzen Löchern schlucken, auch wenn sie laut Zodiac offensichtlich zum rein stolpern da sind, lasst es einfach krachen und genießt das musikalische Martyrium einer (für mich) hervorragenden Überraschungsscheibe. Vorerst gibt es die Vinylversion, der fade, kleine Kunststoffrundling kommt später auf Ecocentric Records.
9/10

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