Wednesday, July 11, 2012

SKELETAL REMAINS - Desolate Isolation - Mc / FDA Rekotz


Nun, hätte ich nicht gewusst, dass das ein recht aktuelles Demo ist, ich hätte mein kürzeres Bein darauf verwettet, dass da jemand ein hornaltes Tape aus einer Messibude unter schimmligen Matratzen und einem schiefen Turm Pizzaschachteln heraus operiert hat. Da bleibt mindestens ein halbblindes Auge auf dem Bandfoto hängen und fühlt sich in seiner Fehlannahme noch bestätigt. Könntest du denken, das ist steingraues Geschredder von Mantas in freiwilliger Abstimmung mit Pestilence, den Kopf noch ein Stückchen in der Bay Area, nur aggressiver und irgendwie ernsthafter. Pestilence als Hauptmotor werden ganz naheliegend auch gecovert, und „Chronic Infection“, berührt auch die richtigen Rezeptoren, sodass sofort klar wird, dass da Musiker mit ihrem ganzen Arsenal dahinter stehen. Und die Betonung liegt immer noch auf Tape, in unerfüllten Zeiten des Leistungsdrucks, wo andere Musiker jeden Song 5x feilen, bevor sie ihn professionell weiter vermurksen, legt die Truppe aus Kalifornien einzig Wert auf authentisches Feeling. Und dazu gehört neben holprigem Sound auch, dass das Erzeugnis auf Band veröffentlicht gehört. Der Gesang kann vielleicht etwas nerven, das raue Gekrächze verlangt etwas Gewöhnung, ein wirkliches Manko ist das aber eher nicht, hat was von alten Holländern. Das kann dann ja nicht übel sein. Das Tempo ist moderat, die Songs trotz technischer Ambitionen und versuchter Vielschichtigkeit, sehr überschaubar, die Arrangements absolut klassisch. Der Bass überrascht passagenweise mit jazzigem Ausfallschritt, die Klampfe springt zwischen schartigen Riffs und gekonnten Solis wie ein Jo-Jo zum Kindergeburtstag. Irgendwie scheint es den Herren gelungen zu sein, den Geist der ausgehenden 80er in ihre Musik zu transferieren. Das klingt alles wie auf Anfang, als hätte der Schöpfer endlich eine richtige Entscheidung getroffen und den Resetknopf gebuzzert. Da ist noch nichts von wirklicher Perfektion zu hören, es liegt aber wie Friedhofsnebel in der kalten Luft, dass da was auf uns zukommt. Skeletal Remains haben alles aufgesammelt, was andere mit der Geburt des Death Metal in Verbindung bringen, und ich selbst hab selten eine Band gehört, die so nah am Geiste der Aufbruchsstimmung war. Um den möglichen Vorwurf eine Kopie besserer Bands zu sein zu entkräften, muss gesagt werden, dass zum einen das technische Know How auf festen Beinen steht, die Musik sehr bodenständig und ehrlich klingt und vor allem, dass die Stücke die persönliche Note von 4 jungen Langzotteln tragen, die kürzlich aus einem DeLorean gepurzelt sein müssen. Skeletal Remains sind sicher alles andere als das künstlerische Nonplusultra, sie brechen einfach nur mit dem Trend, schneller, brutaler und moderner sein zu müssen, die suchen nicht nach den Früchten in der Krone des Sündenbaumes, die gießen fleißig das Wurzelwerk und davor habe ich sehr viel Achtung. Also, wer denn noch eine verschwommene Vorstellung davon hat, wohin man sich eine Musikkassette stecken sollte, der bestellt sich das bevor es alle ist, die Auflage ist recht limitiert.
8/10

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