Thursday, August 2, 2012

CRYPT OF KERBEROS - World Of Myths - Cd / Pulverised Records


Nahezu 20 Jahre an der Backe und das Album kann immer noch grausam schmerzhaft an den Zahnwurzeln ziehen, Nervenfasern hörbar zum reißen bringen. In dieser Form erwartet niemand progressiven Death Metal aus Schweden, damals nicht und heute erst gar nicht. Schwedisches Todesgeblöke ist mit Klischees und fest zementierten Erwartungshaltungen verbunden, genau wie jeder andere Lokalkolorit seine Szene auch färbt. Ein solches Muster haben CRYPT OF KERBEROS schon von Anfang an durchbrochen, machen eher halberfolgreich dicke Hose auf Atheist, Cynic und alles was sich in den frühen 90ern für metallisch, elitäre Kunst gehalten hat. Ganz auf Kosten der Eingängigkeit. Da wo die amerikanischen Vorstehhunde aber Klassiker in den Sand gepisst haben, ist den Schweden nur ein marginal beachtetes Album gelungen. Vielleicht war das der Grund, dass sie einst nicht für die Ewigkeit musizierten, jedenfalls nicht in dieser Formation. Umso erstaunlicher ist es, dass das Debüt anno 93 heute in etwas aufpolierter Form wieder unter die Meute geschmuggelt wird. Gerade jetzt, wo progressive Bands am sich zu Tode komponieren sind, Bässe mit mindestens 6 Saiten und Gitarren mit mindestens 8 davon spielen und auch jeden einzelnen Anschlag an anderer Stelle bedienen. Da wirkt „Worls Of Myths“ doch sehr altbacken und arg drucklos. Da hilft es wahrscheinlich auch nicht viel, dass das Album mit einem Berg Bonussongs aufgestockt wurde (Demoaufnahmen die im regulären Set ohnehin enthalten sind und richtig Scheiße klingen), dass es mit neuem Artwork winkt und auch das Booklet einige schicke Liveshots zeigt. Natürlich zeugt das Schaffen der Band von hoher Musikalität, lässt aber Aggressivität und echten Metal Spirit etwas vermissen , weil es viel zu selbstverliebt in die Ewigkeit humpelt. Wer will kann sich in tragenden Melodien verlieren, sich vom Keyboard einlullen lassen oder recht variablen Gesang (anfänglich) genießen, der kann dann seinen Glauben an ambiente Verführungen aufrechterhalten. Und dabei übertünchen, dass die Riffs wie auf der blechernen Gießkanne geblasen tönen, oder dass einiges an melodiösem Material schon damals bei Landsmännern entlehnt wurde, nur hinter einem anderen Sound versteckt. Einige morbide Parts schieben sich so, wahrscheinlich eher unbewusst, in die Songs ein, was ihnen letztlich aber gut tut und das manchmal doch strapaziöse Zusammenspiel der einzelnen Fortschrittsdenker erleichtert, um einiges angenehmer macht. Also dafür muss man ein Faible haben, muss mit abgehackten Riffs und zahlreichen Breaks und Richtungswechseln fertig werden, muss das Geradeaus - Denken anderen überlassen und es lieben komplexe Strukturen in scheinbarem Chaos zu enttarnen. Obwohl so schlimm progressiv sind sie dann doch nicht, mit argen Disharmonien plagen sie sich und uns nicht. Da setzen sie doch lieber auf klassische Solis und stimmige Arrangements. Hätten die damals konsequent weiter gemacht, wer weiß was uns noch erwartet hätte. Vielleicht doch ein zeitloser Klassiker, oder aber ein Nervtöter vor dem Herren. Jetzt steht erst mal das Re – Release an und wer sich traut und den Draht zu Death Metal abseits stumpfer und brutaler oder blasphemischer Blastbeat Vernichtungsorgien hat, der darf ruhig sein eigenes Kleingeld klimpern lassen.

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