Monday, August 6, 2012

ESCARNIUM - Excruciating Existence - Cd / Hellthrasher Productions


Dicke Riffs, synthetisch klingende Drums, etwas steriler Sound, düster, neblige Atmosphäre und einen ungebremsten Hang zu Old School Death Metal a la Incantation und vergleichbares Umfeld, das sind so die Planken, aus denen sich eine furchtlose brasilianische Band ihr Floss zusammen gezimmert hat. Etwas wacklig und nicht ganz wasserdicht aber immerhin oberhalb der Waterkant schippern sie über die Weltenmeere, um lauthals brüllend und den wilden Elementen trotzend ihre Idee von bleierner Todessehnsucht in eure Hütten und Paläste zu tragen. Um so viel zu Erreichen schleichen sie mit dickbrüstigem Ehrgeiz und morbider Ader über ausgeweidete Totenäcker oder knüppeln nicht immer rund, aber gnadenlos auf ungegerbte Felle. Blut spritzt, Schweiß fließt, Feuer brennt. Dass sie so wenig von brasilianischem Technikwahn und Dauerblast oder gar Thrash Attitüde haben, stört dabei überhaupt nicht. Mit dem was sie aus dem Berg schlagen, fahren sie ganz passabel, hier und da fietsch die Leadgitarre mal, viel wichtiger sind aber beinahe stinknormale und stumpfe Riffs und kaum außergewöhnliche Rhythmen. Alles so Zeug, das ein geschickter Restmüllverwerter preiswert veräußert, und der Käufer kann mit einem Leuchten in den Augen immer noch was Großartiges daraus basteln. Auf die eine oder andere Weise ist so ziemlich jedes Teil des Escarnium Konstrukts schon mal anderswo verbaut gewesen. Die Gesellen jedoch entpuppen sich als geschickte Handwerker mit leichtem Drall zur Grobmotorik. Unerschrocken errichten sie ihren Seelenverkäufer in tosender See, schrauben Kanonen an die löchrige Bordwand um schwerer Salven zu verschießen, schieben ein riesiges Ruder ins Wasser um problemlos Kurs zu halten und knechten ihre Rudersklaven, die manchmal angespannt, manchmal locker ihren Rhythmus halten. Der Taktgeber ist wohl der Knabe, der am meisten ackern muss. Immer wenn lange genug gewütet wurde und die Gischt über das Deck schlägt, fährt der Kahn gern auch mal halbtotes Friedhofstempo und mutiert zum Geisterschiff. Alles treu nach ihren Vorbildern und ebendieses leicht differente Wechselspiel bringt den meisten Spaß, denn nur wütendes Gezimmer wäre auf die Dauer aufreibend. So aber humpelt, rumpelt und rast eine Lawine in einen vermeintlichen Sackbahnhof und findet wider Erwarten am anderen Ende einen lauten und dreckigen Weg ans Licht. Escarnium bieten eine Version des Death Metal an, der sehr ursprünglich und funktional ist, völlig frei von überflüssigem Tamtam, der direkte Weg eben. Die kommen erst gar nicht auf die Idee, im Kellerlabor an gewagten Mixturen zu doktern, die wissen von ganz allein was funktioniert und so prügelt und growlt eine nicht wirklich fehlerfreie aber grundehrlich Bestie den blutroten Mond an. Ein Monster mit einer dunklen und einer wütenden Seite und je nachdem von wo man sie betrachtet grinst sie unverhohlen oder schnappt mit sabbernden Fängen zu. Sie ist durch und durch berechenbar aber Leichtsinnigkeit eurerseits könnte sich trotzdem als Fehler heraus stellen.
8/10

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