Wednesday, August 22, 2012

NEGATIVA - Negativa (Re - Release) - Mcd / PRC Music


Negativa waren der scheinbar unvermeidliche Nachklapp zu Gorguts, gegründet von Steve Hurdle. Das einzige Release war 2006 eine 3 Song Ep, die heuer wieder neu verlegt wird. Negativa selbst stehen ganz im Zeichen der allgegenwärtigen Prog-Deather Gorguts und entschwanden wieder, als der Urvater des Klangchaos die Bühne erneut betrat. Spätestens nachdem Steve Hurdle dieses Jahr verstarb, hat sich das Thema endgültig erledigt. Nach Steves´Aussage stand bereits 2007 neues 75 minütiges Material bereit, das warum auch immer, nie irgendwo erschien. Faktisch mag man diesen Umstand nun bedauern oder ignorieren, ähnlich wie diese Debüt – Ep, denn nicht jeder kann mit den Königen der Disharmonie umgehen. Wenn Metal weder einen roten Faden, noch Riffs, noch Fluss, noch Rock´n Roll, noch Genickbruchrhythmen enthält, nur von schräg nach quer in anderen Dimensionen schwebt, wenn sich alles in einem Parallel – Perversium abspielt, dann wird es knifflig und kostet Überwindung, einen so stachligen und hässlichen Köter zu knuddeln. Negativa ergießen ihr unfassbares Hirnfickejakulat in dunkle Löcher, in die sich die meisten hippen und modernen, progressiven Death und Core Kollegen nie hineinwagen würden. In der ausgehenden Love & Peace Ära hätte man so was Psychedelic genannt, wenn genug LSD in der Kommune beachteter Existenz frönte, heute kommt es dem Free - Jazz näher als irgendeiner Form von Metal. Wenn sich Zitterfinger einen auf dem Brett wichsen, derart dass scheinbar niemand jemals die Übersicht hatte, und auch nicht eine Sekunde irgendetwas halbwegs Vertrautes auftaucht, ja wie viel Liebe kann dann der durchschnittliche Zotteltrottel empfinden. Dazu kann man nicht mal Bier saufen und das Kiffen muss schleunigst vorher erledigt werden. Dann erweitert sich möglicherweise der Geist und öffnet Pforten, die den Zugang für solch schräges Eierdudeln mit allerhöchstem Irrenhausanspruch sonst verwehrt hätten. Gewiss lässt sich das planvolle, aber kaum überschaubare Chaos nur erfassen, wenn die Rübe in den Wolken steckt und grinsende Grimassen durch vernebelte Sphären stolpern. Es wird Leute geben, die das lieben, die die musikalische Entwicklung als logische Konsequenz zu Gorguts verstehen, die sich einen runter holen, wenn es aus der Regentonne pfeift. Leute, die den musikalischen Exkurs in unbekannte Weiten auf Knien folgen. Aber es gibt auch Jene, die das alles als einen großen Haufen dampfender Scheiße von und für Pseudointellektuelle erkennen. Wenn ich für meinen Teil aus meinem subjektiven Schützenloch spähe und die Lanze ausfahre, neige ich ebenfalls dazu, noch einen Kleks oben drauf zu pressen. In Hochachtung für das Schaffen von Steve Hurdle, drück ich aber lieber in die eigene Buchse ab und schäme mich für etwaige Lästereien. Fakt ist, dass Negativa kein einfaches Hinterschlucken, durchrutschen und abexkrementieren zulässt, dass da Musiker am Werk sind, die wie Akrobaten unter dem Kuppeldach frei in der Luft schwingen. Und klar ist auch, dass es schier unmöglich ist, den Ideen und Gedankengängen solch therapieresistenter Irrer zu folgen, oder auch nur im Entferntesten zu begreifen. So kann es ein Segen sein, dass die einst auf 1000 Kopien limitierte Ep wieder verfügbar ist. Kann aber auch sein, dass das Gros der Leute, gar keinen Bock auf unerquickliches Seitengenerve hat. Ich weiß nicht ob ich dazu meine Objektivität im Nachtschrank wegsperren kann, denn auch ich finde diese handgemachten Orgasmen Kacke. Aber was soll s, ich dreh leiser und honoriere die Präsentation mit tatsächlich 7 Punkten, unter der Bedingung, dass ich dafür von konventionellen Metalgenres einen gehörigen Abstand nehme.
7/10

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