Wednesday, August 29, 2012

OBSCENITY - Atrophied In Anguish - Cd / Apostasy Records


Alle “Es war einmal…” Geschichten haben einen wahren Kern und ein letztes Kapitel. Ob nun die von den Erfindern intelligenter Wegmarkierungen, Hans und Grete, das von den 7 Geißlein, indem der vermeintlich Unterlegene dem Aggressor erfolgreich die Fresse poliert, oder die vom Konfektionsfachangestellten, der sich mit List von der Gosse ins Monopol sympathisiert, irgendwo glüht immer ein Funken Hoffnung. Im Falle Obscenity glaubte so mancher ebenfalls an das Es War Einmal – Syndrom, doch die Reise durch den dunklen Zauberforst währt mit einigen Unwägbarkeiten und möglichen Stolpersteinen bereits seit 1989. Nach dem letzten Album „Where Sinners Bleed“ galten sie beinahe als verschollen, offenbar aber nur, um sich wie die Bestie aus den Ketten zu schlagen und noch brutaler und grausamer zu erheben. Da kommt also noch die alte Floskel von den Totgesagten hinzu. Wie hoch der Wahrheitsgehalt von der Beinahestrandung ist, bleibt fadenscheinigen Spekulanten überlassen, oder man fragt einfach mal nach. Mit allergrößter Zufriedenheit darf aber notiert werden, dass Obscenity ihr letztes Kapitel anno 2006 noch nicht gefunden hatten und heute eine neue Seite im bleibeschlagenen und blutgetränkten Folianten öffnen. Es kann durchaus sein, dass „Atrophied In Anguish“ melodiöser und auch technischer ist, als alles was zuvor erschien, es kann sein, dass es an der aktuellen Besetzung liegt, die Langzeitobzöniker und einzig durchgängiges Mitglied Hendrik Bruns aus dem Hut gezaubert hat, fest steht aber auch, dass unter dem Banner Obscenity nie etwas erscheinen würde, dass nicht 100 % Obscenity ist. Deshalb bin ich mir sicher, dass auch diese Facette der Band, die hohes spielerisches Niveau mit ungedämpfter Brutalität vermischt wie einen feuchten Pflaumenkuchen, schon immer da gewesen ist. Jetzt ist eben Zeit, sich so zu zeigen, denn es ist doch wohl jedem klar gewesen, dass wenn die Nordlichter mit ihrer neuen multikultureller Überseestimme ein weiteres Album produzieren, dann kommt da keine Hühnerkacke raus, sondern ein nächstes, rostfreies Mordinstrument. Alles andere wäre auch eine Riesenenttäuschung gewesen. Ich für meinen Teil habe nie daran gezweifelt und war sicher, dass teutonischer Death Metal mehr zu bieten hat als aufgewärmten Brei zu verteilen, wie es sich scheinbar mancherorts auf dem Lorbeerenlager geziemt. Als eine der dienstältesten Kapellen des Landes muss der eigene Anspruch immer höher sein, als das was der Schnitt verzapft. Und der heimische Leistungsschnitt hängt ohnehin weit oben in den Bäumen. Obscenity spielen problemlos weiter in einer verdienten Spitzenposition, auch wenn ich glaube, dass sie bei uns nie die wirklich große Anerkennung gefunden haben, die ihnen gebührt. „Atrophied In Anguish“ wird daran wahrscheinlich nichts ändern können. Der 8. Longplayer ist trotzdem ein unglaublich gut geschriebenes und produziertes Album, mit viel Tiefgang, vielleicht passagenweise etwas zahmer als gewohnt, aber grundauf ehrlich, in allen Belangen im höchsten Maße ansprechend und außerdem bläst es wie ein Tropensturm das Haarimplantat von der stumpfen Glatze! Hat er gut gemacht der Henne, jetzt kann er sein Surfbrett aus dem Schrank holen.
9/10

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