Sunday, September 16, 2012

CRYPTOPSY - Cryptopsy - Cd / Eigenveröffentlichung


Der König ist tot, lang lebe der König. Nachdem das letzte Album mit wehenden Fahnen bei den Fans und einem Großteil der Presse untergegangen ist und die Band sich allen möglichen und unmöglichen Vorwürfen stellen musste, war es spannend zu erfahren, ob sie die Herausforderung noch mal annehmen, und auf dieser Schiene weiter in die Moderne entgleiten würden. Und siehe da, schnell wird klar, dass das selbstbetitelte Album so was wie ein Statement ist und auch ein Schulterschlag für die Fans, so was wie die Versöhnungstour der alten Helden. Mag es daran liegen, dass die Keyboarderin Maggie Durand mit dem Kasten unterm Arm ausgezogen ist und Eric Langlois gleich mitgenommen hat, oder dass Jon Levasseur wieder eingestiegen, mag es daran liegen dass der Planet sich erwärmt und die Gemüter sensibilisiert, vielleicht auch daran, dass ihnen die Reaktionen der Fans am verkalkenden Herzen liegen, oder dass unmoralische Gemüsefarmer auf der dunklen Seite des Mondes hausen, wer weiß das schon. Tatsache ist, Cryptopsy sind wieder auf Kurs, mit allem was sie immer breitflächig anzubieten hatten. Blast und Brutalität, überschäumende Technik und disharmonische Haue, raue Vocals und meterdicke Riffs, scharf wie die Scholle, die die Titanic mittig operierte. Hier mal eingängig, da mal komplex, hier mal wuchtig, dort mal jazzig, genauso progressiv wie rücksichtslos brutal. Und natürlich bedient von einem der unglaublichsten Schlagwerker der Todesbleihiostrie. Cryptopsy tragen mit diesem Akt die Erfahrungen der Jahre zusammen und lassen den Mantel des Schweigens über „The Unspoken King“ fallen. Das In Sich Gehen und wieder nach den Wurzeln suchen, ein weiteres Mal den Stall auszumisten, hat auf jeden Fall etwas gebracht. Auch die Nummer 7 klingt zeitgemäß, besinnt sich aber gleichermaßen auf das was aus Cryptopsy etwas Besonders und vor allem Erfolgreiches gemacht hat. Das Talent aus räudigen Rhythmen technische Perlen zu zaubern, dem Death Metal häufig voran zu gehen und sich selbst treu zu bleiben, aus viel noch mehr zum machen und einfach eine der gnadenlosesten Blastcombos mit verehrenswertem Technikbonus zu sein. Diese Pfeiler ihrer Existenz haben sie nun wieder neu zementiert. Vielleicht muss man das neue Werk aber auch als Aufgabe betrachten, als scheitern vor der Moderne oder profanes zurück rudern, da den vorangegangenen Krempel plötzlich niemand mehr mochte. Aber wen interessiert das noch, angesichts dessen, was sie uns anno 2012 präsentieren. Das kanadische High Tech Unternehmen ist mit alter Kraft am Start und planiert alle Zweifel am eigenen Werdegang in den aufgeweichten Erdboden. Nichts mehr zu spüren von neu definiertem Verständnis für Metal und harmonischen Irrwegen, von Coregedanken und Anpassungssucht, von Torschlusspanik und Jugendwahn. Aus diesen vergangenen Erfahrungen erhebt sich eine Band, die nichts verlernt hat und die Hölle von einem Album lostritt. Willkommen zurück! Abschließend bleibt zu sagen, dass nach dem Desaster nix mehr mit Cenury Media ist und die Band das Album in Eigenregie stemmt.
9/10

No comments:

Post a Comment