Sunday, September 23, 2012

DEPHOSPHORUS - NightskyTransform - Lp / 7Degrees Records



Dephosophorus wagen den Tintenfischspagat, weil Akrobat zu sein sich auch in der Musik lohnen sollte. Die Fänge spreizen sich weit über die Szene und saugen die verschiedensten Einflüsse an. Ob Grindcore mit wüsten Aggressionsschüben, Doom, dem schwarzen Sabbat sei Dank, oder gar psychedelisch veranlagte Todessehnsucht, das Trio aus der Antike macht vor nichts Halt. Genau betrachtet, gibt es wohl keinen Song, der von Anfang bis Ende auf volles Tempo setzt, auch wenn der Beginn mit extrem tief gelegter Gitarre häufig sehr offensiv ist. Immer wieder kommen sie an den Punkt, wo die Musik beinahe verzweifelt nach einem Weg aus irgendeiner Misere bettelt. Nicht dass sie musikalisch in einer stecken würden, nur macht das Album eben dauerhaft einen negativ gestimmten, manchmal gar traurigen Eindruck. The Fermi Paradox ist der erste von 2 Songs, der das Ruder in eine andere Richtung dreht, und zwar noch tiefer in schwärzeste Sümpfe und zähen Bodennebel. Das ist eine stilechte Doomnummer, mit passendem Gesang, Orgel und selbstzerstörerischer Lebensunfreude, da geht die Sonne so was von schnell unter, es bricht mir das Herz. Von der vorangegangenen Mixtur aus Prügelei und MidTempo bleibt nichts mehr hängen, was das Stück zu etwas Erhabenem macht, und gern auch noch länger hätte um Existenzberechtigung betteln können. Der 2. Ausnahmefall ist Unconscious Excursion, der etwas bedenklich Psychedelisches hat und geradezu danach fleht, vom Elend des Rumnexistierens befreit zu werden. Nihilistische Gesangspassagen, leidendes Instrumentarium, das alles verheißt bestehende Suizidtendenz. Für einen geübten Lebensverachter wäre es mit solcher Begleitung im gefliesten Kämmerlein ein leichtes sich mit der stumpfen Seite eines Rasiermessers die Pulsader zu durchtrennen. Dephosophorus leben und sterben mit ihren außergewöhnlichen Anlagen und dem unbedingten Bestreben, Noise und Hardcore, Black und Grind mit eigenen, nicht immer nachvollziehbaren Fantasien zu verbinden. Der Kleister zwischen den Stilen sind wüstes Gekeife und tiefste Growls, deprimierende Gesänge und heulendes Selbstmitleid. Rein technisch hat das Album nicht zwingend einen Blumenstrauß im Topf versenkt, zu viel Feingefühl würde die Absicht der Musiker, sich aus dem irdischen Leben mit allen im Underground zur Verfügung stehenden Mitteln zu verabschieden auch vereiteln. Das Ergebnis ist gewiss nichts massenpopulistisches, schon aufgrund seiner abstrakten Verknüpfungen und nicht immer so zu erwartenden Wendungen. Ich denke denen hat die Krise auf das Gemüt geschlagen, der Ouzo war gepanscht oder jemand hat denen ein Ei ans Schienenbein genagelt. Die suchen ihre Bestimmung irgendwo in den Sternen und als Treibstoff für ihre rostige Traumrakete dient der Inhalt eines  rappelvollen Tanks, gefüllt mit wachsbleichen Pandamasken, bleibeschlagenen Knüppeln, zähe Verzweiflungslava und einem Doppelzentner frisch geschärfter Sensenklingen. Wer mitzureisen beabsichtigt, und dabei womöglich das Risiko eines One – Way – Tickets eingehen will, der muss experimentierfreudig sein und sich von allen Konventionen und Klischees verabschieden, die uns sonst für gewöhnlich den Tag versüßen. Ist also nicht einfach, aber zumindest sehr speziell. 
6/10





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