Saturday, September 22, 2012

DISOLVO ANIMUS - Aphesis - Cd / Darknagar Records



Im Olymp wird der Kanonenofen kalt, der letzte Scheit trockenen Holzes verglüht und die Speisekammer ist eine Ungezieferfalle geworden. Die Götterriege zieht in Fischerhütten und beantragt bei der EU Stütze. Maß halten ist nun angesagt, nur will der biedere Helene das nicht recht verstehen, ein Zeitalter lang an der Spitze von Kultur und Wissenschaft, und nun mit der roten Laterne ohne Anspruch auf Sitzplatz dem Zug hinter her rennen. Ist ja auch gemein. Also stellen sich die Kinder des Zeus quer und tragen extra dick auf, trotzig und verständnislos wie sie sind. So geschehen zum Beispiel im Falle von Disolvo Animus, die ihre Zelte direkt unter dem Sitz der Götter in den schroffen Stein gekloppt haben. Durch die schlecht gedämmten aber prunkvoll verzierten Wände klingt, nach Eigenaussage, symphonischer Black Metal. Ich sehe das nicht in seiner Gänze, aber da haben die wie erwartet ihren eigenen Dickschädel. Sparen jedenfalls ist nicht der oberste Punkt auf der Agenda Apocalyptica, tatsächlich findet sich nicht mal im letzten Winkel des Schuppens ein Hinweis auf zügelhaftes Benehmen und Einsicht. Auf Aphesis, dem Debütwerk, rangeln sich Blast neben Keyboards, klassische Leadgitarre neben Stakkatoriffs, die eher zu wahlweise glatzköpfigen, tätowierten Dicken oder modebewussten Kiddies passen. Akute Stimmungsschwankungen und Choräle aus feuriger Mitte der zu erwartenden und mit Überschwang angekündigten Endzeit leben in nicht ganz so friedlicher Koexistenz mit Midtempo Wällen und brutalster US Death Metal Tradition. Black Metal als Alleskleber auf der Basisplatte, das ja, aber schwarze Symphonien generell als Hausnummer, absolut nicht. Lieber frickelt und knüppelt, growlt und „singt“ (in moderner Thrash Ausführung) sich das Quartett durch einen Set, der zusätzlich noch mit Spritzern klassischer Instrumenten und einem gehobenen Technikverständnis geschmückt ist. Durch all das schimmert ein rissiger Teppich aus endzeitlicher Atmosphäre und nihilistischer Bekenntnis, gestützt durch Präludien, Sprachsamples  und akustische Puzzles. Das liebe Brüder vom Sonnenbrandstrand, das könnte zu viel sein. Musikalisch gehen denen die Ideen nicht aus, die plakatieren riesige Leinwände vor ihr Publikum und drehen ihre Songs immer noch mal um, wenn der Normalverzehrer eigentlich schon das Ende erwartet hat, packen immer noch eine weitere Lage Fleisch auf den Grill. Am Ende könnte sich aber heraus stellen, dass der Kahn überladen ist und dem Gesang der Sirenen aufgrund  undurchschaubarer Behäbigkeit nicht mehr ausweichen kann. Nicht dass ich den Ideenreichtum der Band nicht bewundern würde, das hat ja sozusagen Tradition im Lande, erblich bedingt, aber weniger ist des Öfteren dann doch mehr. Nun gut, zumindest müssen sie sich den Vorwurf, langweilig zu sein nicht gefallen lassen. Mit wenig Feingefühl aber spielerischem Know-how waten sie hüfthoch durch einen Blutsumpf aus metallischen Versatzstücken, die so einige Subgenres abfängt und ein phantasievolles Potpourri aus dem bleichen Gesichtern würfeln lässt. In Anerkennung des mit so viel vernichtendem Enthusiasmus vorgetragenen und letztendlich doch gelungenen Langrindenerstlings, will ich mit der bandinternen Verschwendungswut über Gebühr gnädig sein und den Griechen ein hohes Maß an metallischen Mut zusprechen und zweifelsfrei eine Finanzspritze wert! 

7/10





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