Saturday, September 29, 2012

EUGENIC DEATH - Crimes Against Humanity - Cd / Heaven & Hell Records




Die Bay Area war einst das Mekka und Namensgeber der amerikanischen Variante des Thrash Metal. Auch wenn der Glanz der vergangenen Tage etwas stumpf geworden ist, der Virus tut seine Arbeit immer noch. Alte Bands gehen wieder auf Tour und Neue machen ihre Schwimmübungen im großen Raubfischbecken. Dazu gehören ab sofort auch Eugenic Death, die alles genau so machen, wie es in der Hochzeit des Thrash auf dem Programm stand. Da haben wir einen Sänger, der auf dem Wellenkamm der Rhythmen reitet, jedes Auf und Ab seiner Hintermänner mit rauer Stimme kommentiert. Nebenbei angenehm zu hören, dass er uns den hohen Falsett erspart. Unter ihm schwimmt der Gitarrenhai, die Kiefer herausgeschoben, Augen zurückgerollt, bereit zum Beute machen. Er ist noch etwas dünn und ein gutes Stück davon entfern, ausgewachsen zu sein, aber er ist schnell. Bei den Riffs ist die gewollte Hektik besonders gut zu spüren. Zwar sind die nun nicht unbedingt Neuland, klingen eher wie Vertraute aus der 2. Reihe, dafür ist jeder Seitenumgriff durch ein Quietschen quasi sichtbar. Gas geben ist Essenz! Die Solis sind um einiges souveräner, die Kür scheint besser zu laufen als die Pflicht. Seine Gitarre auf den hohen Seiten zu liebkosen und ihr gedrosselte Melodien zu entlocken, schein die wahre Leidenschaft des Zupfers zu sein. Bestes Beispiel ist Epitaph, indem der Oscar für die Hauptrolle an den Kandidaten an den 6 Saiten geht. Der Gitarrensound ist im Gesamtpaket leider etwas mager, wird vom Sänger gern mal geschluckt. Dann ist da im Tümpel noch irgendwo ein Bassrochen, der aber relativ unauffällig seine Bahnen am Boden zieht, vor sich hin knäckert ohne zwingen auf seine Anwesenheit aufmerksam zu machen.  Der ist da vielleicht nur am Planschen, um den Rhythmus zu unterstützen und ohne individuelles Entscheidungsrecht seinen verdammten Job zu tun. Das Schlagzeug wird von einer Batterie schwer kontrollierbarer Zitteraale angetrieben, die nicht ganz auf der Höhe sind und so manchen Stromstoß ins Leere abfeuern. Prägnantes für Eugenic Death wären also die Leads eines fröhlich, aggressiv reisenden Gitarristen und die Stimme des Sängers, der die Regeln kennt und seine Stimmfarbe so formt, dass sie eben nicht gleich mit Thrash in Verbindung stehen. Für eine Band, die sich eben erst auf die Reise macht, sind sie trotz aller, vielleicht kleinlicher Kritik, sehr flott unterwegs. Auf den Punkt gebracht, spielt das Quartett ein Album für Kandidaten aus den 80ern, die den alten Zeiten aus nachvollziehbaren Gründen nostalgisch nachweinen. Sei es weil die Szene einst eng und überschaubar war, sei es in Trauer um die dahingegangene und nie zurück gekehrte Jugend, mit Crimes Against Humanity öffnet sich zumindest der Vorhang zum Kopfkino, mit Stretch, Leder, seltsamen Haarexperimenten und all dem Kram. In diesem Sinne haben 4 Musiker einen Topf mit Erinnerungen aufgesetzt und sind gerade dabei, das richtige Gespür für eine in die Jahre gekommene Generation zu entwickeln. Gutes Album, noch ohne wirkliche Akzente, dafür temporeich und mit einem talentierten Gitarristen auch abwechslungsreiche, unbedingt ausbaubedürftig, aber bereits beziehbar! 
6/10

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