Wednesday, September 19, 2012

GOREPHILIA - Embodiment Of Death - Cd / Dark Descent Records

Das Debüt aus den finnischen Wäldern rumpelt mit diesem gewissen Bleigehalt seiner Bestimmung entgegen, der Glauben machen will, schon immer existiert zu haben. Jeder Ton erinnert an eine erdgeschichtliche Epoche, als fossile Brennstoffe noch grüne Blätter trugen. So steinalt und staubtrocken, so launisch und ungelenk, willkürlich beinahe holzt der 5er aus dem Norden sein Album zusammen, nagelt mit krummen, rostigen Nägeln wurmstichige Bretter aneinander, wie ein arthritischer, besoffener Schreiner Särge für Pestkranke. Besoffen übrigens; angeblich hat Finnland eine der größten Alkoholikerraten Europas. Wenn das stimmt, sollten Gorephilia sich der Tradition ihres Heimatlandes besinnen, dann wäre das morsche Unterfangen, dem Tod mit verschrammten Instrumenten in den fauligen Rachen zu schauen nicht ganz so trocken. Aber wie das immer so ist beim Leben verschwenden, gefällt es dem einen Kandidaten, der sich dann vor Verzückung bunte Lämpchen um den dürren Hals bammelt und grinsend mit den schiefen Beißerchen Bierflaschen entkorkt und der andere hasst es, hackt dem nächstbesten die Füße von den Stelzen, nur um schneller flüchten zu können. Die eigentliche Wahrheit liegt standesgemäß irgendwo dazwischen, zwischen Anspruch und Unterhaltung. Man kann es mögen, einer Musik zu lauschen, die in ihrer Verbitterung vor Depressionen schreit, die dicke anklagende Wände aus tiefen Gitarren, scheppernden Bässen und polternden Drums in den Park pflanzt, sich von sonorer Kehlkopfgrummelei begleiten lässt. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Geräusche die runzlige Ärsche und trockene Genitalspalten erzeugen, künstlerisch höher zu bewerten sind. Beides kann aufregend, widerlich oder langweilig sein. Wer will das entscheiden? Gorephilia ist ein Death Metal Erlebnis, das frisch poliertes Elfenbein stumpf macht, aufgetakelten Fassaden Altersrisse beschert, oder das eigene Urteilsvermögen in Frage stellt. Zwischen holprigen Rhythmen, massivem Mid – Tempo und schläfriger Behäbigkeit erfasst das Spektrum finnischer Schlächterei alles was schon da gewesen ist und immer wieder kehren wird. Niederschmetternd bis tendenrtiell aggressiv, laut rülpsend und grauenvoll nervend, alles drin was nie vermisst wurde! Gorephilia vertritt diese Art Old School Verbleiung, die ohne Schnörkel und wirklich unschön jeden Stromkreis lahm legt, und das Wort Old School gar nicht begreift, weil es schon vor der Erfindung der Schulpflicht in den Köpfen ungezogener Kinder herumspukte. Die Hölle tat sich auf, als Ozzy Geflügelragout mit ganzen Tauben bestellt hat, eigentlich schon als Elvis die Sexualität als wirksames Potential zu Vermarktung von Negermusik entdeckt hat. Irgendwo zwischen diesen Ereignissen ist auch die Saat für blasphemische, unharmonische, melodiefremde künstlerische Gewaltakte gelegt worden. Und von diesem Urtrieb profitiert „Embodiement Of Death“ in gewisser Weise heute noch. Der tiefer Sin oder gar der Nutzen dessen erschleicht wie erwähnt nicht jeden Geist, denn die Wahrheit liegt immer noch dazwischen.
7/10

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