Friday, September 14, 2012

SHADES OF DUSK - Squalor - Cd / PRC Music


Sich mit Metalcore Kids abzugeben, die glauben den Death Metal neu erfunden zu haben, fühlt sich an wie einem Zuchtbullen am Sack zu lutschen. Metaphorisch versteht sich. Dabei strafft sich das alte Gehänge und bleibt anatomisch doch das Gleiche. Bisschen an den Falten ziehen, bisschen eincremen, bisschen massieren. Alles betont rücksichtsvoll, anstatt mit dem Knüppel einmal kräftig die Glocken zum Schwingen zu bringen. Die Jugend von heute will rüpelhafter erscheinen, verlangt aber eigentlich nur nach Harmonie, bunten Tattoos und Weltfrieden in Form von schönen Melodien und kreischenden Liebesbekenntnissen. Dabei machen sie aus progressiven disharmonischen Absichten ein allzeit kompatibles Rührstück aus pseudoaggressivem Veitstanz und selbstverliebter Kuschelrocksucht. Eigentlich wollen die alle nicht dem Teufel an die Nudel, sondern sich für die Schwiegermutter empfehlen und kleine Mädchen beeindrucken. Dass dazu ein einigermaßen anspruchsvolles musikalisches Verständnis von Nöten ist, kann nicht negiert werden. Was negiert werden muss, ist dass die meisten in der momentanen kommerziellen Schwemme seicht dahin gespült, genau so viel mit Death Metal zu tun haben, wie Hämorrhoiden mit Ästhetik. Heraus kommt überproduzierte Musik, die bald auf Kindergeburtstagen legitimiert wird und Bozo den Clown arbeitslos macht. All das trifft auch auf SHADES OF DUSK aus Kanada zu, die mit gesteigerter Musikalität und reinem Gewissen brüllen, kreischen und singen. Die sich tolle Melodeyen auf das Musbrot packen und herzhaft zulangen. Die nehmen ihre kurzberockten und hyperventilierenden Fans ans Halfter und kuscheln mit aufgesetzter Wut und Hardcore Unterstützung bis zur geistigen Ejakulation. Alles prima zu vermarkten und das stellt auch kein moralisches Problem dar, wenn man durch Spaß zum Erfolg geführt wird, ist dass wohl das Beste, was einem unter kapitalistischer Knute passieren kann. Was dann aber vollkommen verloren geht, ist der Grundgedanke den der Death Metal einst innehatte. Eben nonkonform und auf einem höheren Level brutal und aggressiv zu sein. Zu den Geschichten hier traut man sich ja nicht mal ein Bier zu zapfen, ständig wird der Eindruck vermittelt, gut gelaunt sein zu müssen, um an der Bar noch ein neues Schirmchen für die Vitaminschorle zu bekommen. SHADES OF DUSK können von technischer Seite sicher punkten, die verstehen ihr Handwerk sicher gut und sind tadellos aufeinander geeicht. Und trotzdem bleibt das Album ebenso austauschbar wie nörgelnde Ehefrauen, alte Latschen und blinde Brillengläser. Kann aber auch sein, dass sich jemand findet, der skandinavischen Melodeath genauso mag wie Black Dahlia Murder, beides verknüpft und so das Nonplusultra kreativen Musikschaffens für sich entdeckt. So was soll angeblich auch vorkommen.
5/10

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