Tuesday, September 18, 2012

SOPHICIDE - Perdition Of The Sublime - Cd / Hammerheart Records


Beeindruckend, das war das Erste und Einzige das mir durch langsam erlahmende Hirnwindungen prallte und ziellos einen Ausgang suchte, als ich den Debütritt mit „Perdition Of The Sublime“ hinter mir hatte. Und es war sofort klar, dass dieses Album viel zu komplex ist um mit einem Anlauf erfasst zu werden. Ähnlich einer griechischen Tragödie, spinnt es viele Fäden, verknüpft sich untereinander mit höchster Präzision und mündet letztendlich doch mit angestrebter Dramatik in einem Meer aus Blei, Blut und Anspruch. Auf der Fährte von Mister Schuldiner in seiner künstlerischen Hochzeit und all seinen Adepten von Obscura bis Necrophagist, machte sich ein junger Bursche auf, die Welt zu erobern. Die fallengelassenen Brotkrumen mit gesteigertem Selbstbewusstsein und einem unglaublichen Musikverständnis zu Seite kehrend, offenbart sich eine Form von Death Metal, die in technischer Hinsicht Maßstäbe setzen könnte. Und das beinahe aus den Nichts. Hier siegen Melodien und geschickte Finger über disharmonische Quacksalberei, es bohren sich Leadgitarren tornadogleich in den feuerroten Himmel, verzücken mit nicht endend wollender Spielfreude und halten uns trotzdem allzeit freundlich den roten Faden entgegen, auf dass wir nicht vom Wege abkommen. Nichts zu spüren von Selbstverliebtheit und unnötigen Frickelein um ihrer Selbst Willen, jeder Anschlag, jeder Zupfer ist einem Kettenglied gleich, dass das Hemd des wackeren Recken zusammen hält. Nichts erweckt den Eindruck des Überflüssigen, nichts ist aufgesetzt oder erzwungen. Der Opener „The Art Of Atocity“ führt mit einem knackigen Metalcore – Riff noch auf die falsche Fährte, schnell offenbart sich aber, dass bei den folgenden Stücken zumindest unterschwellig eine Leidenschaft für klassische Musik existiert. Mag das Riff herkommen wo es will, vielleicht ist es ein Gimmick oder es passte halt gut an genau diese Stelle (was auch wirklich stimmt), alles Nachfolgende präsentiert sich als viel größerer Kreativpool. Da stehst du davor wie ein Kleinkind vor dem ersten Weihnachtsbaum, lässt die Kinnlade unter Dauerbefeuchtung hängen, die Schokolade in den kleinen Patschhändchen schmelzen und streckst den Kopf in den Nacken. Der Blick ist fixiert auf die leuchtende Krone da ganz oben. Wie Sternenstaub rieseln Leads herab, die aus einem Füllhorn voller Fleisch und Blut zu kommen scheinen. Es gibt Akustikpassagen, die jedem spanischen Hazienda Besitzer das Dach über seinem Krebsgeschwür wegreißt ( Lust And Vegeance), immer wieder neu zu entdeckende Detailfreude, ein Schlagzeug das angeblich am Rechner entstanden ist, aber dafür viel zu homogen klingt, heisere Vocals und kritische Lyrik, neben Blasts und schnittigen Riffs. Aber vor allem ist es der unbeschreibliche Spieltrieb, der „Perdition Of The Sublime“ dermaßen straff vorantreibt, dass die Repeattaste unumgängliches Werkzeug auf dem Weg zur Erkenntnis wird. Die Tatsache, dass ein Musiker am Anfang seiner Karriere so viel von Arrangements versteht und weiß was funktioniert und was nicht, gesegnet mit einem Talent ungleich präzise auf seinen Instrumenten zu zaubern, ist schon eine Hausnummer. Nicht ein Song macht den Eindruck, dass er beim Schreiben entstanden ist, sondern dass er als fertiges Gebilde im Kopf des Herren Lazlo bereits existierte und nur noch befreit werden musste. Am Ende steht der Beginn und ein Album, das in der Lage ist, Standards zu setzen wie ein gebürsteter Köter, der den verzinkten Lampenmast rostig pisst. Vielleicht denkt der eine oder andere nun an überzogene Lobhudelei und faulige Vorschusslorbeeren, jenen bleibt zu empfehlen „Perdition Of The Sublime“ in seiner Gänze und verdammt laut zu hören! Ich ziehe 10 imaginäre Hüte!
10/10

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