Monday, September 24, 2012

STANDING ON A FLOOR OF BODIES - Sacrilegious & Culturally Deficient Lp / 7 Degrees Records



Wenn so ein Heliumballon an Höhe verliert, weil ein Loch drin ist, Krähen drauf nisten oder die Passagiere das Gas weggeschnüffelt haben, was machen die benebelten Könige der Lüfte dann, bevor sie unsanft wie Pflanzhölzer zwischen Grasnarbe und Wurzelwerk getrieben werden? Ballast abwerfen, ganz richtig. Dieses Prinzip findet mit sicherlich anderer Begründung auch Anwendung in der Musik, sei es weil die Instrumente geklaut, oder für Alkohol und Drogen versetzt wurden, oder weil sie eben nur Ballast sind. So gehört bei dem Schunkelduo mit sexueller Gewaltenteilung Standing On A Floor Of Bodies. Im Falle des völlig chaotisch und ungemein brutal daher prügelnden Pärchens aus San Francisco – Californication, reicht ein Bass, eine umgebaute Eismaschine als Drumcomputer und zwei Plärrhälse um Kunst im Zeichen der Liebe zum machen. Obwohl, bei den Blumenkinder wären sie mit so einer gewaltverherrlichenden Darbietung schnellstens in Ungnade gefallen, die hätten jeden Tag 3 Happenings besuchen müssen, um sich mit LSD und Schokoladentorte bekehren zu lassen. Aber egal, wichtig ist erst mal nur, dass diese Minimalausstattung maximales Durcheinander anrichtet. Immer feste druff, bloß nicht die unpopuläre Minutenschwelle überschreiten, lieber am Ende im Zeichen des Doom experimentelles Zeitschinden üben, und dem Album den Rest mit von Langwellen überdecktes Genuschel geben. Wenn ich nicht so ein unbedarfter Zeitgenosse wäre, würde ich mich damit schon mal gewaltig verkohlt fühlen. Schließlich soll das eine Lp sein, und die geht in der Regel nicht nach einer ¼ Stunde ins Bett um sich auszubluten. Aber ist es so unwahrscheinlich, dass das Zeitverständnis unter kalifornischer Sonne, mit all den Erdbeben und Serienmördern und dem terminierten Ex – Gouverneur ein anderes ist, als unter mitteleuropäischen Längengraden? Nachsicht ist eine selten gepflegte Kunst in der Diplomatie. 
Die Band hat so manchen Koffer bei Benümb stehen lassen, verirrt sich gern im Geschepper von Noisecore und verunfallten Gebäudeexplosionen, ist ungemein brutal und steht auf Samples, die sphärisch an den Morgen danach erinnern sollen. Hätten sie sich mehr Zeit gelassen, den Hund vor den Aufnahmen Gassi geführt, wären möglicherweise echte Songs aus dem Irrsinn zugedröhnter, homosapiensischer Denkmaschinen entstanden, so aber begreife ich diese LP? als unkontrollierten Gewaltakt gegenüber einer planbaren Apokalypse. Spaß lässt sich damit trotzdem haben, dass kann und will ich nicht in Frage stellen. Mal so richtig vertrimmen lassen, den Pöter auspeitschen und am Gehänge gelüftet werden, das fetzt!  So betrachtet reicht eine nette viertel Stunde reichlich, um Kohorten von grauen Zellen in den Schacht der ewig währenden Schmerzerinnerung einzufahren. Die Aufmachung der Vinylgeschichte ist gelungen, befindet sich auf der einen Seite der 12er noch das unmusikalische Material von 2 langzeitbekloppten Geschlechtsgegensätzen,, macht sich der Nachdenker doch so eine Waffel, was die andere Seite bewohnen soll, wenn der Radau nur für eine reicht. Darauf befindet sich quer drüber gepflastert der Bandname, screen – printed nennt sich das wohl, könnte als Verzweiflungstat durchgehen, macht aber optisch einen sehr guten Eindruck. Wer´s im Alltag in der Sozialbaukommune noch nicht hart genug hat, der kauft sich das Ding! 
6/10






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