Wednesday, September 5, 2012

TALAMYUS - Raven's Call To Annihilation - Cd / PRC Music


Als Leif der Rote von Island aus die Neue Welt beschipperte, ahnte er wohl kaum, welche Spacken in Kielwasser seiner kriegerischen Männerpaty dereinst das Erbe seiner Taten in ein musikalisches Chaos führen würden. Mittlerweile schwingen ungezählte Schreibtischrecken die verbale Axt, manche haben Erfolg und begannen ihren Feldzug genau zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Spirit. Anderen wird der Erfolg wohl nicht so schnell beschieden sein, müssen sie sich von dem ernähren, was die Aasfresser noch nicht vom Feld der Ehre gepickt haben. Dazu gehören möglicherweise TALAMYUS aus Kanada, die wohl im eigenen Land vergeblich nach Resten normannischer Besiedlung gegraben haben und als sie tief genug gewühlt hatten, beschlossen im ausgehobenen Kellerloch eben mal Musik zu machen, wo´s denn schon mal da ist. Da hocken sie nun schon 10 Jahre und 3 Alben lang, thrashen den Underground und langweilen den Rezensenten. An Thrash Metal stelle ich eigentlich andere Ansprüche als aggressionsfreie Riffs, schlimmen Gesang (obwohl…) und fades Schlagzeug. Aber genau damit beschäftigt sich der Schlafwagenexpress. Überkandidelte Melodiepillen mit lauwarmer Pisse runtergespült. So lässt sich kein Krieg führen, keine Scholle erobern und kein Tröpfchen Blut vergießen. Das einzig Interessante in diesem dünnwandigen Garnichts ist die Leadgitarre, die klassische Heavy Metal Solis aus der Kapuze kippt, wie andere Kamellen vom Karnevalswagen. Die sind wirklich amtlich stabil ins ansonsten marode Mauerwerk geschraubt. Ich halte TALAMYUS für zu zart besaitet und viel zu zögerlich, anstatt mit dem Hammer für klare Verhältnisse zu sorgen, umschleichen sie den Brei wie 5 fußlahme Katzenbabys und bevor sie sich an den Topf wagen, haben andere ihn schon leer gefressen. Vielleicht können sie bei harmoniesüchtigen Melodeathern punkten, aber selbst die sind mehr gewöhnt und können vor allem mehr vertragen. Von Metal erwarte ich nicht, dass ich ihn mir neben das Nachtlicht stelle und gut dabei schlafen kann. Wenn eine Band diesen Effekt erzeugt, sollte sie sich mal grundsätzlich in Klausur gehen, nur mit satten Solos lässt sich kein Staat machen. Vielleicht waren Leif und sein Gefolge in der alten Zeit auch zu zögerlich und gar keine wilden Berserker, keine schädelspaltenden Witwenmachen und Witwenficker sondern nur missverstandene Ackerknechte. Was der Grund wäre, warum sie im heutigen Ländle des unbegrenzten Schwachsinns nicht dauerhaft Fuß fassen konnten. Dann allerdings und durch diese geplatzte Brille betrachtet wären TALAMYUS durchaus authentisch. Unterm Strich spielt es keine Rolle, die Band mag bei Gestalten funktionieren, die die eher flauschige und kuschlige Seite der Lederjacke nach außen tragen und von heimeliger Musikalität angezogen werden. Für echten Thrash oder auch Death Metal braucht es viel mehr Druck im Darmkanal, da kann man nicht nur seicht einen streichen lassen und hoffen, dass die Welt erzittert.
4/10

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