Friday, October 19, 2012

BY THE PATIENT - Premonitions - Cd / Deathbound Records



Sie haben gerade mal 6 Jahre auf dem Buckel, doch erscheinen sie mir beinahe wie Greise, wie das stinkende, verrottende Aas, von dem die Alten in den Tagen der Schatten und des Sonnenlichtes gesprochen haben. Es macht den Eindruck, als wären sie durch 3 Szenealter geschritten, geschlichen und gestolpert, durch Epochen, die sie ermattet, entkräftet und ausgelaugt haben, aber auch immer wieder aufgerichtet und angetrieben. Auf diese Art durchleben sie Death Metal, Black Metal und die Träume moderner Kiddies in einem Atemzug, für den sie ein ganzes Menschenleben brauchen. Manchmal kehren jene Tage des Sonnenlichtes und der Schatten zurück, bringen von Kälte durchdrungene Ruhe, wie die tobende Gischt, die auf ihrem Höhepunkt, bevor sie laut tosend den Strand aufwühlt, erstarrt und gefriert. Und die Stimmen der musikalischen Vorväter streichen wie eine mahnende Briese über die Oberfläche des vereisten Ozeans, und lassen ihn unter den Schollen erzittern. Doch in letzter Zeit passiert es immer häufiger, dass solche Dinge ausbleiben, dafür versuchen Melodien die Leere zu besetzen. Melodien die die Songs bestimmen, die aber nie so wirklich präsent sind, vorhanden aber nicht primär fühlbar. Die so manches mal ungeordneten Strukturen, diese permanente Kälte machen es häufig unmöglich, die einzelnen Stücke zu fassen, sie gleiten durch die Finger wie Meeresquallen durch Kinderhände, schlagen Zick Zack Bahnen wie unberechenbare Squashbälle. Da werden dann die zaghaften Rufe der Alten still und stumm, die Schatten immer länger, es entsteht eine Idee aus Finsternis und Verlockung. Angst und die Vorahnung des Weltenendes lassen sich mit der Musik von By The Patient wunderbar grauenvoll transportieren, der Tod steht an der Wiege und singt sein Lied. Ein Lied, das wie ein großer schwarzer Klagegesang am blutroten Horizont flattert, das bewusst macht, dass Sonnenlicht immer nur eine Illusion war, das lediglich die Dunkelheit eine empirische Realität darstellt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich der technische Schliff und der brutale Kern und die Zeit des Lamentierens ist vorbei. Gut und Böse vertauschen ihre Vorzeichen, der Apfel ist kein nostalgisches Obst, an dem die Erinnerungen von Generationen hängen, das Verheißung versprach und Elend brachte. Er ist einfach nur süß und saftig und verspricht pure Lust. Das Paradies ist abgebrannt, Eva liegt verbraucht und trocken unter dem verdorrten Baum und Adam ist in der Eckkneipe.  By The Patient gehen einen völlig unbeeindruckten Weg, der den Alten vielleicht nicht gefallen würde, der auf ihren Lageplänen nicht vorhanden war, für den sie aber auch den Grundstein gelegt haben. Die Musik der Dänen ist stellenweise recht komplex, aber auch nicht immer wirklich sympathisch, irgendwie zu sehr nach innen gekehrt. Deshalb wird es kaum leicht sein, sich damit eine wachsende Fanschaar zu sichern, wenn das Konstrukt vielmals zerfahren scheint. Ganz abgesehen von der handwerklichen Qualität der Künstler, die steht schon auf sicherem Podest. Aber die Entscheidung ihrer Musik diese Richtung zu geben, haben sie selbst getroffen. Fest steht, so ein Album bedarf einiger Gewöhnungszeit, flutscht es doch nicht gerade eben ins Leben, wie das Kind der Jungfrau. 
6/10


 

No comments:

Post a Comment