Thursday, October 25, 2012

DEPOPULATE - Till' Man Exists No More - Mcd



Es ist in gewisser Weise schon beeindruckend mit welcher Finesse 5 junge Rotzer ihre ersten Gehversuche machen. Von ungelenk und staksig kann kaum die Rede sein, vielmehr tanzen sie schon auf den ersten Metern mit brasilianischer Leichtigkeit und der US – amerikanischen Axt. Technischer Death Metal auf diesem doch sehr gesundem Niveau sollte frisch geschlüpfter Brut eigentlich  nicht so selbstverständlich von der Hand gehen, aber den gar nicht so grünen Polen, bleibt diese Vermutung völlig unbenommen. Sie beherrschen ihr Werkzeug, als hätten sie nie was anderes zu spielen und demontieren mit in den Sandkasten genommen. Tempowechsel, ausgeklügelte Leads und die südamerikanischen Riffs, Breaks, Stop & Go Passagen und tiefe Growls, ab und an von gegensätzlichen Back - Vocals unterstützt, all das verschmilzt zu einem rüden aber auch recht intelligentem Klumpen Blei. Es genügt, dem Drummer zu lauschen und die Frage nach der Gewaltbereitschaft in osteuropäischen Grundschulen drängt sich an den Realitätshorizont. Der zimmert hinter seiner Bude, als wäre der kalte Krieg nicht länger mehr eine erschreckende Randnotiz im Gesamtablaufplan von Mutter Erde. Kanonaden von Sperrfeuersalven verlassen die gut präparierte Schießbude mit solch Intensität, als wäre der humanoide Schlussakkord bereits beschlossene Sache.  Und so zieht sich das woraus auch immer gewachsene Verständnis und sichere Handling von Ideen und Instrumente durch die ganze Ep. Hier fetzt es mal modern durch das schmerzende Oberlicht, dort hat es den sperrigen Charme der Väter. Viele Riffs wirken wie Freunde, mit denen die letzte Sitzung in der Eckstampfe in einem kollegialen Kotzen endete, so was verbindet und bleibt für die Ewigkeit ein freudiger Begleiter, bis hin zu nostalgischer Verklärung. Um es kurz zu machen, es blinken immer mal wieder Erinnerungsfetzen durch, die das Spiel auf nebulöse Weise angenehm vertraut machen. Aber das ist kein generelles Phänomen, viele Breakdowns haben einen eher modernen Metalcore Charakter, nicht zu vergleichen mit den Death Metal Déjà-vus. Neben den wirklich brutalen auf Randale gepeitschten Parts passiert so was eben auch, und vielleicht macht gerade diese Verknüpfung den Reiz vom ultimativen Ende menschlicher Population aus. Wer will das schon sagen, klar ist nur, dass hier 5 Musiker mit wachsendem Anspruch an sich selbst der Tradition des Kleinholz - Schredderns folgen und ein paar unverbrauchte Einbauteile in die Maschinerie integrieren.  Natürlich bleibt festzustellen, dass sie den Mast noch nicht zur Gänze erklommen haben und der an manchen Stellen auch noch zu rutschig sein mag. Luft nach oben muss man sich immer bewahren, denn ganz an der Spitze gibt es keine Herausforderungen mehr und der Weg nach unten ist von ganz dort droben am schmerzhaftestem. Trotzdem,  Depopulate klettern schneller als viele ihrer Kumpels aus der Krabbelgruppe vom Kindergarten  „Teufelchen und Omi“. Deren Kindergärtnerin hat bestimmt regelmäßig Kruzifixe unter die Kopfkissen geschmuggelt, und konnte sie schon damals nicht bremsen. Gut so, denn wenn einem beim Flaum vom Kinn zupfen solche Songs einfallen, dann lässt das für die Zukunft (der Band) nur Gutes hoffen.  http://pl-pl.facebook.com/depopulate 
8/10

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