Friday, October 26, 2012

KEVLAR SKIN - Unforeseen Consequences - Cd / Godeater Records



Unvorhergesehene Konsequenzen hatte der erste Auftritt von Kevlar Skin anno 2000 mit „Synthetic God“ wahrscheinlich nicht, aber zumindest sind sie sich bis heute treu geblieben und unbeeinflusst von den schleifenden Stürmen der Zeit. Wie zu Beginn, nur mit wachsendem Selbstbewusstsein wühlt sich die spanische Truppe seit Jahr und Tag durch die Szene und schnürt in wachsenden Abständen ein nicht ganz frisches Fleischpaket, das dafür aber mit angegammeltem Aroma und mürbem Abgang auf der Zunge zerläuft. Irgendwo haben sie ihren eigenen Stil gefunden, kann sein in den abgründigen Schuttbergen aus primitiver Bleivergiftung und technisierter Industrieschmiede. Klar ist, so was bleibt trendfrei und Kevlar Skin erfüllen nicht gerade die Erwartungshaltung von finanzverwesenden Elektromarkteinkäufern. Zu Beginn begrüßt uns der Riese aus Twin Peaks mit seiner kryptischen „3 Dinge“ – Ansprache. Der Zusammenhang mit dem Folgenden entzieht sich mir etwas, aber begleitet wird er durch ein nahezu thrashiges Riff, das gut geeignet ist, eine musikalisch falsche Fährte zu legen. Denn dann eruptiert amerikanisch gefärbter Old School Death Metal, der mit zunehmender Spielzeit zaghaft versucht, den Fuß in den Technikraum zu kriegen. Leads, die immer mutiger werden und ein Drummer der den einen oder anderen Spurwechsel antreibt, sowohl eine Bassgitarre die pure Gelassenheit verkauft, wie die Straßennutte ihre Dose. So kann es dann auch mal passieren, dass es tatsächlich in unvorhersehbarer Weise (mit Vorsicht) schräg durcheinander hackt und die Leadgitarre mehr zu tun bekommt, als sie eigentlich verarbeiten kann, aber wacker die Stellung hält, weil das Songwriting auch auf standhafte Riffs setzt (Rejected Beyond Redemption). Die Rhythmusgitarre mag generell vielleicht etwas mehr Bass vertragen können um ihre schwerlastiges Anliegen glaubhafter zu machen, aber dafür deckelt der Bass die ausgedünnten Stellen ganz dezent. Das wiederum mag dazu führen, dass die Parts mit getragenem Charakter gar nicht so weit von Black Metal entfernt sind, auch wenn das bestimmt nicht beabsichtigt war. Gut dafür gibt es ja immer noch tiefe Growls, um den Verdacht einer Verschwippschwägerung von sich abzulenken. Breaks, schnelle Riffs und immer mal Twin Peaks, das ist alles nicht spektakulär, aber souverän. Gut ist aber, dass sie sich nicht auf ein bestimmtes Genre festnageln lassen. Klar sind sie auf ihre Art brutal, aber nicht uneingeschränkt, klar sind sie technisch ambitioniert, aber das fokussieren sie nicht. Kevlar Skin haben eher die Unart sich von hinten anzuschleichen und dann kräftig zuzuschlagen, denn die packen mehr in ihre Musik, als es den Anschein hat. Irgendwie spielen sie ihren Death Metal so, als hätten sie in der  letzten Dekade abgeschirmt auf einer Tropeninsel Cocktails geschlürft. Die 90er stehen immer noch auf der Agenda und da sollen sie auch bleiben! Unforeseen Consequences ist ein Album, das  genügend Überzeugungskraft besitzt, um dafür den Sparstrumpf aufzuhacken. 
7/10

 

2 comments:

  1. Hey, there, Pedro from Kevlar Skin here. Thanks for the review! Google Translate it's not accurate at all, but I managed to understand most of it! ;)

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    1. My pleasure. And I know all translation programs despair regularly on my reviews, ha ha

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