Sunday, November 18, 2012

DECREPIT ARTERY - Skeletal Remains + Acts Of Savagery EP



Es gibt sie überall, diese freudlosen, verbitterten Junggesellen mit der eingetrockneten Mutter im Schaukelstuhl. Und dann ziehen sie sich in ihre als Studio umgebaute Besenkammer zurück, bestellen online allerlei teures Equipment und beginnen zu musizieren. Der meist ergebnisschuldigen Resultate gibt es viele, durch alle Sparten des Metal, vorzugsweise aber brutales oder schwarzes Zeug. Iban aus Spanien hat sich für Gebolze und Gore entschieden, was mich hoffen lässt, dass er wenigstens Spaß hat und Bier säuft. Mit seinem Projekt (er hat mehrere) Decrepit Artery beackert er die ganze Palette US Amerikanischer Gewaltfantasien von Disgorge bis Devourement. Das Schlagzeug aus der japanischen Rechenmaschine hat einen recht synthetischen aber nicht so arg überzogenen Sound und erinnert an einen aus der Spur laufenden Wäschetrockner, dessen Inhalt neben feuchter Unterwäsche auch aus einer Handvoll Schrauben besteht. Die Programmierung ist auf fix eingestellt, überschlägt sich aber (fast) nicht in unmenschlichen Bereichen. Mit den Vocals gibt er sich Mühe, zumindest hinsichtlich der Brutalität seiner Artikulation. Von Schweinemastanlage, über das Vorwerktestlabor bis hin zu kotzenden und würgenden Hominiden aus der Höhle, alles da, was den kulturellen Anteil eines sonntäglichen Familienessens erträglich macht. Die Rhythmusgitarre ist recht breit aber sehr monoton angelegt, viele Riffs sind zwar in ihrer Art sehr heftig, aber auch ohne allzu große Aussage. Damit bedient er das Genre angemessen, schrubbelt sich mit tiefen Tönen blutige Finger und entspricht dem Wesen stumpfsinniger Blutbäder. Ab und an verstecken sich ein paar Töne auf den hohen Saiten, wahrscheinlich daneben gegriffen. Die werden durch das ständige Geschepper  auf und neben der Folterbank des Abartigen fast vollständig erdrückt. Zudem stehen die rotzend, grummelnden Stimmbandattraktionen zu weit im Vordergrund, als das irgendwelche musikalischen Geistesblitze auch nur den Hauch einer Chance hätten. Ob da auch greifbare Texte rausgewürgt werden, bleibt der Vorstellungskraft des Gepeinigten überlassen, daran glauben kann ich nicht. Um nun gar kein Klischee auszulassen, bemächtigen sich schmuddelige, alte  Exploitationfilmschnipsel der Freiräume zwischen einigen Stücken. Messerschwingende Irre gehen um, Mädels kreischen und leiden, na und was es da eben noch so gibt…schlechte Filmmusik und so. Unterm roten Strich ist das aber alles nicht so schlimm, viele von uns können auf die hohe Schule verzichten und freuen sich wie kleine Scheißer auf eine ehrliche Portion Rülpsgore und Slam mit wenig Anspruch und viel perversem Spaß. Na und davon hat der Iban eben was gebastelt, allein und mit dem Glanz des Wahnsinns in den Augen. Er hat seine Hausaufgaben ganz anständig begonnen, noch nicht zu Ende gedacht, aber immerhin. Lass weiter krachen du Verrückter und kleb dir Eierpappen in die Besenkammer. Hier entlang geht’s zum Ohrensalat:  
6/10

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