Friday, November 9, 2012

DECREPITAPH - Forgotten Scriptures - Cd / Selfmadegod Records



“Forgotten Scriptures” beinhaltet den ganzen 7er Kram, die Splitsachen des amerikanischen Vielveröffentlicher – Duos. Dazu ein Livetrack und eine Nummer, die bisher die Gruft noch nicht verlassen hat. Und das alles fühlt sich an, wie ein nächtlicher Spaziergang über einen maroden Gottesacker. Es doomt gar böse und rumpelt gar laut. Decrepitaph sind wohl zur Zeit die unangefochtenen Könige des brutalen Primitvgeschredders von weit hinterm tiefen Teich. Morbider Minimalismus, schnarrende Klänge, gedoppelte, völlig entspannte Growls, viel Bass, keine Technik, so funktioniert Death Metal, der auf Effizienz, nicht aber auf öffentlichkeitswirksamen Glanz aus ist. Hier bleibt jede Ambition im Dunkeln, der Doom lebt im Schatten, der Death im Grind ganzer Zeitalter. Das sind die ausgelatschten, zerrissenen Kinderschuhe des Death Metal, so wie der Amerikaner sie versteht. Wenigstens zum Teil. Das ist die unpopuläre Strömung, die jenseits von Schlächtern und Tötern, jenseits von Kalifornien und Florida immer schon existierte, auf dem Kontinent aber nie den großen Wurf hin bekam. Kann sein, dass es uns zu billig war, denn billig ist es, kann sein, dass wir nur dem Interesse des Mainstream gefolgt sind, der damals noch keiner war. Schrammelkapellen wie Derketa, denen wir wohl nur nachgeschaut haben, weil sie aus 4 Damenärschen bestand, spielen für Decrepitaph wahrscheinlich gar nicht so eine kleine Rolle, alte Sachen von Cianide auch. Den entsprechenden musikalischen Wert haben die beiden Totenfresser aus Texas ganz deutlich ausgemacht, die verfechten das steinzeitliche Keule schwingen und Felsbrocken schmeißen, die stehen zu polternden Sounds, jenseits studiotechnischer Möglichkeiten. All ihre Stücke hätten sie genauso in einer spanische Höhle aufnehmen können, oder beim Zombiepferde – züchten für reitende Leichen. Wenn Decrepitaph mit ihrem gnadenlosen Minimalismus loslegen, dann betritt der Verweser den Dom, dann gilt es madengleich die hässlichen Visagen in den Staub zu drücken, da enden Wiederworte auf dem Scheiterhaufen. Decrepitaph schleichen sterbensgleich mit absoluter Lebensunslust von Stück zu Stück, nehmen mal Fahrt auf, wiederholen schnöde Riffs in endloser Geduld, ziehen einen Karren voller vergammelter Leichen mit stoischem Gleichmut hinter sich her. In der Epoche von schnellerer, härterer, progressiverer individualistischer Selbstüberschätzung, wo die eigenen Eier dicker werden als das angestrebte Bankkonto, sind Decrepitaph der Fels in der Brandung, die finstere Säule in der Mitte, das schlechte Gewissen des Teufels. Es passiert nie wirklich viel, wer das einmal aufgesaugt hat, wünscht sich auch nichts mehr. Die Einfachheit, die unheilige Symbiose aus Bass, Schlagzeug und abgegriffener Gitarre, kann viel beinhalten, bei Decrepitaph reichen einige Akkorde, mit Getöse angereichert selbstverständlich, und eine sinistere Stimmung ergreift den Seelenfriedhof. Decrepitaph ist weit weg von allem, was heute so gerade Oberwasser hat, und wer sich traut, es aber zu müßig befindet, alle die 7er und Splits zu kaufen, auf das zum Teil obercoole, faszinierend kranke Artwork leichtsinnig zu verzichten, der bekommt mit dieser Cd einen ganz guten Überblick über das Schaffen zweier Zeitloser Bleischlucker. 
7/10 

 

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