Wednesday, November 28, 2012

DEUS OTIOSUS - Godless - Cd / Deepsend Records



Dänische Delikatessen anno 2012 bedeutet, alte Leichen im Hinterzimmer wieder konsumtüchtig zu machen. Nach diversen Durchläufen und wenig neuen Erkenntnissen, festigt sich meine Ansicht, dass der Kopenhagener Death und Black Verschnitt nur Fassade für etwas viel Älteres ist. Genauso wie sich hinter manch aufgerüsteter Vorderfront etwas Wesentlicheres verbirgt, als es der erste Blick zu durchbohren erlaubt. Die tatsächliche Absicht der Band ist es, typischen Heavy Metal aus den 80ern zu reanimieren und ihn hinter Tod und Teufel auf dem Friedhof zu verstecken, mit all seiner Rebellion, Leder, Nieten und dem Abgasgestank 2 – rädriger Streitrösser. Auf den Kern reduziert, alle Schalen geschält und das Herz frei gelegt, und pardauz, präsentiert sich genau das! Gestreifte Spandexhose und weiße Knöchelturnschuhe aufgepfropft auf jugendlichen Übermut. Das was DEUS OTIOSUS auf „Godless“ daraus gemacht haben, ist nur ungleich düsterer, liebloser, weniger von auflehnendem Gedankengut geprägt, als von nihilistischer Gegenwartsverzweiflung. Die Instrumente gehen einige Oktaven in den Rattenkeller und die etwas zu emotionslosen Growls sind das fleischgewordene Grauen aus der Gummizelle. Aber betrachten wir uns die Riffs, dann hatten die auf anderer Soundbasis schon Bestand, als die meisten Musiker der heutigen Knüppelszene noch mit der Blechfeuerwehr um den Weihnachtsbaum gehuscht sind. Das Gleiche gilt für die kurzen und knackigen Solis. Die Arrangements haben eindeutig klassische Strukturen und wiedersprechen häufig dem, was Death Metal heute ausmacht. Irgendwie ist den  Dänen ein Kombiticket raus gerutscht, hinter dessen Absichten ich noch nicht blicke und vor allem kann man sich nicht sicher sein, ob denen überhaupt klar ist, was sie da ins Fenster gestellt haben. Also, in gewisser Weise ist das schon cool, findet sich doch viel Vertrautes wieder, verhüllt unter einem Mantel aus Blut und Schweiß, aus Hölle und Niedergang. Denn das muss zugegeben werden, da wo einst das fröhliche Anderssein als der Gegenpol zum Elternhaus existierte und uns in unsere eigene glorreiche Zukunft führen sollte, herrschen heute Depressionen und punkige No Future Attitüde. Der Geist ist dementsprechend ein ganz anderer, die Grundidee geht aber immer noch Hand in Hand mit tiefen Gitarren, rumpelnden Bässen und auf das wesentliche reduziertes Songwriting neuer /alter Death Metal Ansichten. Leider muss ich aber auch bestätigen, dass die Songs häufig wenig spektakulär sind und Riffs, die die Basis bilden, das Kletterseil, an dem man sich durch den Song hangeln kann, altbacken klingen und desinteressiert wirken. Die kommen 8 Songs lang bedauerlicherweise nicht aus dem Pott. Also der wirkliche Spirit geht der Band verloren, wenn sie mit zu viel Ernst und Stock im Arsch auf ihrem Mid Tempo Zug in den Sonnenuntergang fahren. Gottlos, ohne Zweifel! DEUS OTIOSUS wirken genau wie ihr Dante – verdächtiges Cover schwarz / weiß. Auf Nuancen jeglicher Couleur können sie anscheinend ganz gut verzichten. Und das finde ich schade, denn diese staubtrockene Weltenfresser – Einstellung nehme ich ihnen nicht ab, dann hätten sie nicht solche Verknüpfungen durchschimmern lassen sollen. Tausche blauäugige Unbeschwertheit gegen schwermütige Tristes. 
6/10

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