Thursday, November 8, 2012

GLORIA MORTI - Lateral Constraint - Cd / Cyclone Empire



Der polnische Kommunistenhass, -  und Papstächter - Musikmarkt aus hartgesottenen Langzeitschlägern und die finnische Abgeschiedenheit, wo Selbstgebrannter das Ziel derjenigen scheint, deren Bildungssystem europaweit als Vorbild gilt, scheinen wohl doch mehr gemein zu haben, als nur die Ostsee und Russen als Nachbarn. Death Metal mit rudimentär blasphemischem Anstrich, jede Menge Aggression und der verständlichen Neigung, auf die Tube zu treten. Vorbildlich agieren hier Bands wie Vader und Behemoth, die die finnische Truppe eindeutig beeinflusst haben, von denen sich die Herren mit Erfolg Inspiration geholt haben. Der Fisch schwimmt mit Blei im Blut also eher nordwärts als bilateral. Ist aber nicht so schlimm, denn das Werk von Gloria Morti ist sehr ausgewogen, schwer rifforientiert, gut nachvollziehbar und ohne Kompromisse genießbar. Neben den sehr scharf geschnittenen Riffs, spielt auch ein dezentes und angemessenes Verständnis für Melodien eine nicht unwesentliche Rolle. Das bis zu einem gewissen Maße, denn bevor irgendwas mit liebkosendem Gleichmut schwülstig wird, haut die Kapelle lieber wieder mit Wucht auf den Sack. Ein weiterer Bestandteil ist das Keyboard, das phasenweise und hintergründig zum Einsatz gebracht wird. Meist ändert sich die Tiefe des Fahrtwassers dann von rasendem Death Metal hin zu Black Metal offener Bandbreite. Die Gitarren verlieren etwas die Schärfe und das komplette Arrangement wird etwas düsterer. Die Geschwindigkeit beeinflusst das nur wenig, einige zurückhaltende Momente natürlich einbegriffen. Die Mischung aus beidem, das ist es, was Gloria Morti auf ihrem aktuellen Album so interessant macht. Straffes Songwriting, eine klare Linie und offensichtlich jede Menge Freude am Holz hacken. Der dominante Death Metal Part hat natürlich viel mehr Druck, aber auch alles andere bleibt durchweg glaubhaft. Und es tut dem Album nicht weh, wenn zwischen den blastbedingten Gewaltausbrüchen mal für nihilistische Stimmung gesorgt wird. Besonderes Augenmerk diesbezüglich sei auf „Non – Believer“ gerichtet, der mit beiden Genres jongliert, ohne nur eine Kugel aus dem Spiel zu nehmen. Der Song ist genau so aggressiv, wie durchdacht, melodisch, zurückhaltend, ja beinahe gruselig, und rast trotzdem wie eine ganze Sternenflotte in die Vernichtung. Da ist alles drin, und nicht wirkt konstruiert. Ein weiteres tragendes Teil, das die Decke vom Boden auf Abstand hält, ist die ungemein volle und tiefe Stimme von Sänger Psycho. Da sind ganz direkte Verbindungen zu Peter Wiwczarek nicht mehr auszuradieren. Das kommt überzeugend vollmundig an, ohne gurgelndes Genuschel, mit klarer, gutturaler Artikulation. Zusammen mit vergleichbarem Image von Jungs aus dem Dreck, die die Härte des Lebens gezeichnet hat und die daraus Inspiration und Kreativität gewonnen haben, diese in ungebremste musikalische Brutalität transferieren, offenbart sich eine tiefe seelische Verbindung zwischen Gloria Morti und Vader. Der wirkliche Unterschied ist das Keyboard, die Tendenz, auch dunkel und  dementsprechend melodisch zu wirken, alles andere geht Hand in Hand mit den polnischen Schlächtern. „Lateral Constraint“ ist ein satter Brocken auf der totmetallischen Anrichte! 
9/10

 

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