Saturday, November 10, 2012

GORELUST - Reign Of Lunacy (Re – Release) - Cd / PRC Music



PRC Music ist ein kanadisches Label, das sich vornehmlich um die eigene Szene kümmert, und auch gern mal ältere Alben neu auflegt. Ein paar faule Eier hat die Vergangenheit dabei auch aus dem Stall geholt, mit GORELUST ist aber eine echte, vergessene Perle an die Oberfläche geschwemmt. Das Album stammt aus dem Jahre 95 und blieb leider das Einzige der Band, die binnen Jahresfrist ins Gras gebissen haben. Kann sein, dass sie am stetig wackelnden und wechselnden line – up gescheitert sind, aber auch daran, dass sie mit „Reign Of Lunacy“ zu spät kamen, um der noch jungen und immer größer werdenden Szene irgendwelche Impulse mitzugeben. Wenn es um kanadischen Death Metal ging, der auch in Europa Fuß fassen konnte, war das Terrain schon abgesteckt. Aus heutigem Blickwinkel ist das bedauerlich, denn die Band hat ein überaus brutales Werk hingeschmettert, das ein erheblicheres Maß an breiterer Akzeptanz wert gewesen wäre. Acts wie Cannibal Corpse fungierten da offenbar als Reizleiter, gaben stilistische Vorlagen selbst die Felle zu gerben, gute Songs zu schreiben und weckten die Lust künstlerische Blutbäder anzuzetteln. So ist das Album nicht nur heftig ausgefallen, sondern auch recht technisch. Breaks überraschen immer mal wieder, die disharmonischen Leadquälereien bleiben aber aus, vorhandene Solos sind sehr klassisch gestrickt. Hinter den Stücken steckt jede Menge Feuer, das Chaos dreht sich wie in einer Spirale Richtung Unendlichkeit, und immer wenn der Tempozug zu entgleisen droht, gilt es inne zu halten. Dann schweigt die instrumentale Maschinerie, und lässt der Rhythmusgitarre ein kurzes Riffsolo über, um den Knoten zu entwirren, erst jetzt steigt der Rest wieder ein. Auch eine Methode um das Geprügel zu besänftigen, sind die genannten klassischen Gitarrenausflüge, dann wird es etwas ruhiger im Hintergrund. Bremsen lässt sich das Ganze aber generell natürlich gesehen nicht. Ein Stilmittel, das zur damaligen Zeit noch wenig populär war, und von Gorelust geschickt genutzt wurde, ist der mehrstimmige Gesang, das später überall anzutreffende Growl und Scream Duell. Die Kanadier setzen das noch ganz dezent ein, was es im Ergebnis nur umso prägnanter macht. Mit dem richtigen Support hätte daraus mehr als lediglich eine vergessene Randnotiz im Atlas des Death Metal werden können. Aber geschuldet an der nur geringen Originalauflage (1000 Stück) hat die Luft nicht lange gereicht und vor allem viel zu wenige Leute auf sich aufmerksam gemacht. Später gab es wohl noch Bootlegs aus Italien und Originalpressungen wurden im Netz für gnadenlos überteuerte Preise verscherbelt. Die gebührende Honoration kommt nun nach so langer Zeit mit dem gebührenden Respekt auf den Markt, wenn auch viel zu spät. Das was uns einst an Cannibal Corpse, Suffocation, Monstrosity und anderen Größen interessiert hat, und uns immer noch bei der Stange hält, all das hatten auch Gorelust reichlich zu bieten. Traurig, dass sie ungehört blieben und eher als regionales Phänomen ihren Grabstein in der Geschichte bekamen. Wer auf qualitativ ansprechenden amerikanischen Death Metal steht, es nicht zwingend mit progressiver Disharmonie als morgendlichen Einlauf versucht, dem sei das Album empfohlen, hat es doch auch nach 17 Jahren nichts an Reiz verloren. Und die meisten werden es sowieso zum ersten mal entdecken. 
8/10

 

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