Thursday, November 1, 2012

MALIGNANCY - Eugenics - Cd / Willowtip / Hammerheart Records



Ein paar Jahre sind nun doch vom Schöpfer geraubt worden, seit das letzte Malignancy Album über der Ladentheke versilbert wurde. Aber nun gibt es neuen Stoff vom Dealer. Nach Bandaussagen wollten sie dieses mal etwas sparsamer mit dem technischen Anspruch umgehen, um die Songs wohl eingängiger und grooviger zu machen. Ich würde beinahe Blödsinn rufen, denn auch „Eugenics“ ist das zu erwartende komplexe Album geworden. Klar, es gibt einige schwere Riffs und Grooves und es ist brutal wie die Hölle am Auferstehungstag. Aber vor allem rührt die Brutalität der New Yorker aus dem technischen Anspruch her. Die Gitarre tanzt Twist und verliert nach eigener Logik des akrobatisch Machbaren immer mal wieder die Kontrolle. Steppt wie die Ballerina in geschliffenen Schlittschuhen übers Eis und gibt den Yeti in der Lawine. Das Schlagzeug ist nicht minder wandlungsfähig und vor allen sehr schnell und flexibel. Der Bass mag etwas zu kurz kommen, da muss man schon genauer hinhörten, aber auch der hat seine Sternstunden, oder besser Sekunden. Einzig Danny Nelson hält die Bande tollwütiger Narren mit seiner Stimme zusammen, deckelt sie auf seine ganz spezielle Weise. Die Stücke an sich liegen so dicht beieinander, dass es schwer fällt, einen Einzelnen zu zerpflücken. Und dennoch stecken in jedem so viele Details, die zu finden eine größere Anzahl an Durchläufen zur Pflicht macht. Was sofort auffällig wird, wie ein nacktes Huhn in einer Tropenvogelvolliere, sind die beiden klassischen, beinahe harmonischen Solis am Ende von „ Monstrous Indifference“. Denn eigentlich lebt das Album seine progressiven Absichten unter all dem Gerammel und Gedresche mit disharmonischer Leidenschaft aus. Up – Tempo und komplizierte Strukturen scheinen essentiell geblieben zu sein, auch wenn das Gesamtbild sich wahrscheinlich wirklich etwas in Richtung breiterer Verdaulichkeit öffnet. Durchweg berechenbar ist es aber noch lange nicht, und richtige Verschnaufpausen sind dünner gesät als Verstand im Bundestag. Die Ausnahme macht da wieder „Monstrous Indifference , mit einem akustischen Gitarreneinstieg. Vorrangig dürft ihr euch mit einem heillosen Durcheinander beschäftigen, das sich in den Köpfen von Musikern schneller ordnen lässt, als in denen von primitiven Fans, die auch noch Bier, Kippen, Titten und häufig Fußball in der grauen Masse ihrer degenerierten Denkmaschinen auf Spur bringen müssen. Aber das entwirrt sich recht schnell, auch geschuldet den immer mal wieder auf Schlichtheit und Effizienz ausgerichteten Bang, Mosh und Circlepit – Anteile. „Eugenics“ ist sehr anspruchsvoll geworden, kompromissbereit bis zu einer gewissen Schmerzgrenze und einem Ron Kachnic an der Klampfe, der es  immer noch nicht satt ist, sich Knoten in die Finger zu zaubern und ständig neue Kunststücke aus dem Hut zu kippen. Von Blast zu Jazz, alles bei was in die Tüte passt. Und doch besser, oder einfacher zu schlucken als beispielsweise Gorguts. Den wie gesagt, brutal muss es sein, das ist Malignancy wichtig und die Waage zu halten, das ist ihnen mit „Eugenics“ recht gut gelungen. 
8/10

 

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