Friday, November 9, 2012

MASSGRAV - Still The Kings - Mcd / Selfmadegod Records



Massgrav ist eine Rock ‘n Roll Band aus Stockholm. Hätte der gute, alte Elvis gewusst, was sich einst unter diesem Begriff tummeln sollte, ihm wäre das Becken ausgekugelt und die Schmalztolle trocken geworden. Der verdammte Virus ist gefährlich und nicht behandelbar. Im speziellen Falle von Massgrav bin ich aber noch nicht dahinter gekommen, warum sie den viel gängigeren Begriff Crustpunk so rigoros vermeiden. Vielleicht haben sie den Stein der Weisen gefunden. Aber das ist nun wirklich nichts, wofür es sich zu schämen lohnt. Wenn schwedische Punks was können, dann Crustpunk. Der ist doch genau so berühmt wie der Death Metal ihrer langhaarigen Kumpel, häufig geht das sogar fließend ineinander über. Gut, bei Massgrav nicht, die feiern den chaotischen 3 Akkorde Kult, mit vielstimmiger Begleitung. Hektik pur, Revolution am eigenen Leibe, ziemlich angepisst und für eine Produktion solchen Kalibers beinahe zu gut. D – Beat Punk nach ureigenem skandinavischem Muster, das ein Namedroping absolut überflüssig macht, das ist es, wofür das Trio steht. Ob sich dahinter nun der Innovation tieferer Sinn verbirgt, ist eher fraglich, Fakt ist, die Band klingt auch nach der x-ten Veröffentlichung noch frisch und unbekümmert, hetzt die schrille Leadgitarre von einem Stück ins Nächste, von einer Überdosis zur Anderen. Es ist nicht schwer, in den Set schnell einzusteigen, da bei 3 Akkorden und prägnantem Riffing, sowie massenbrülltauglichen Chorus (vereinzelt), der Mitgröhlfaktor von vornherein gegeben ist. Vorausgesetzt, irgendjemand kann auf Schwedisch mehr als nur Bier bestellen. Zeit zum Ausruhen gibt es nach dem Tod, bis dahin wird gekämpft, solange das Schlagzeug scheppert, die Klampfe mit geklautem Strom versorgt wird und Zungen und Stimmbänder noch irgendwie mit heiserem Ausdruck auf Dreck, Scheiße und Ungerechtigkeit hinweisen können. So eine anklagende Parole ist dann auch schnell mal in Minutenfrist auf den Asphalt gerotzt. Es wird nicht lange gefackelt, und die Nächste ausgepackt. Geschwindigkeit spielt wohl absichtlich die gleiche existenzielle Bedeutung wie ein immer voller Kasten Bier. Die wissen scheinbar, dass in der Welt was gegen den Strich läuft, und da das so viel ist, können sie es sich gar nicht leisten, umfangreichere Songs zu hacken, dann könnten sie das Elend in seiner Gänze gar nicht erfassen. Ist natürlich Blödsinn, dass sie es schneller angehen, als viele ihrer ähnlich gestrickten Landsmänner, liegt dem Power – Violence Gedanken zugrunde. Die wollen einfach so aggressiv sein, wie irgend möglich, und dabei den Spaßfaktor nicht aus den verquollenen Augen verlieren, inklusive Belastbarkeitstest der Instrumente für den TÜV Nord. Das ist Rock ‘n Roll – Fuck You – Und der vergilbte Mittelfinger ragt sein schwarzes Nagelbett gen Himmel. Da die revolutionären Kellergarden und deren volltrunkene Hymnen schon seit 96 die Lande ruinieren, sollten einschlägige Interessenten mit dem Material der 3 Chaoten durchaus vertraut sein. „Still The Kings“ ist offene Bekenntnis zu lauter und rüpelhafter Attitüde und ein weiteres Puzzle in der Bandhistorie. 
7/10 

 

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