Friday, November 2, 2012

NOISEAR - Turbulent Resurgence - Cd / Willowtip / Hammerheart Records



18 Stücke, Intro und Outro, 18 Minuten Spielzeit, geschrieben an einem Tage, aufgenommen in 48 Stunden – wie nennt man so was? Spontangrindcore? Andere, so ziemlich alle die sich ernst nehmen, müssen sich die Rübe raufen und die Stirn in Falten legen,  brauchen Zeit um gute Musik zu schreiben und zu produzieren, und die rotzen das eben mal zwischen morgendlichem Kater und abendlichem Suff auf den Boden. Soll man da kotzen oder das Genie bewundern? Hin und her gerissen, muss ich feststellen, dass die Qualität trotz der seltsamen Herangehensweise durchaus stimmt. Ganz im Sinne von Brutal Truth beißen sie hart, brutal, wahnsinnig schnell und recht disharmonisch auf Songs herum, die nur 2-mal die Minutengrenze überschreiten. Da bleibt dann auch keine Zeit, um sich bei entspannten Riffs auszuruhen und irgendwo den Groove zu suchen. Von den berühmten 3 Akkorden, die in Lichtgeschwindigkeit gerissen werden, bis hin zu progressiven Drehkreiselspielen, die in der Kürze der Zeit an die einzelnen Akkorde geklebt wurden,  ist die Palette bunt und schillernd, dreckig und abstoßend. Das zieht alles so hektisch und chaotisch vorbei, und macht doch nicht den Eindruck eines ungeordneten Betriebsausfluges, planloses Becken zerschlagen und Amps´ verglühen geht anders. Auch wenn es unumstößliche Tatsache bleibt, dass die ihre Stücke schneller abschießen, als das Magazin einer AK leergeballert ist, dass kaum die Möglichkeit bleibt, einzelne Songs einem Wiedererkennungswert zuzuführen, auch wenn das hier ein ekelhafter und widerlicher Quickie ist, selbst angesichts der Tatsache, dass die das Album mal eben so ausspucken, ein hohes Maß an Anspruch und Unterhaltungswert ist nicht vom Tisch zu diskutieren. NOISEAR sind Nasum ohne melodische Anspielungen, sind alte Napalm Death mit handwerklich betrachtet mehr Geschick, das ist der Punk von Toxic Holocaust und die hohe Schule musikalischer Verwirrspiele von Pig Destroyer, nur dass die Band bei weitem nicht so lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Die schmücken nichts aus, die ziehen einfach ab, bleiben aber jederzeit strukturiert, dass sie nicht mit dem Vorwurf von unmusikalischer Ruhestörung, ja Noisecore gar, belastet werden können. Fest steht aber auch, dass es diskussionswürdig ist, ob es sich nun um ein echtes Album, Ep oder sonst was handelt, oder ob solche Art gewalttätiger Spontaneruptionen einen viel mehr unfertigen Charakter haben, ob nicht echter Tiefgang drin gewesen wäre, hätte der eine oder andere Gedanke bis zum Ende verfolgt werden können. Das liegt letztlich im Ermessen der Band, ob sie nicht was verschenkt haben, oder wie ernst sie sich selbst nehmen. Und wenn das jetzt wirklich nur die halbe Arschbacke war, das letztes Jahr bei Relapse erschienene Album ebenfalls einen solchen Werdegang genommen hat, dann wäre es doch wirklich mal spannend zu erfahren, was dabei raus käme, wenn die sich bei Mineralwasser und Gemüsesticks ganz in Ruhe zusammen setzen würden. Na ja, vermutlich gar nichts außer Ärger und Zoff,  wenn die besten Ideen doch üblicherweise unter Druck entstehen. NOISEAR ist pures Adrenalin, von dem so mancher in seiner Lethargie ruhig mal eine Dosis vertragen könnte.
8/10



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