Thursday, November 22, 2012

RATTENFÄNGER - Epistolae Obscurorum Virorum - Cd / Dark Essence Records



Eine ukrainische Band mit deutschem Namen und lateinischen Texten, das ist sicher die östliche Variante der Globalisierung, thematisch leicht rückwärts geneigt und möglicherweise etwas zu dick aufgetragen. Nun lateinische Texte auf das Zifferblatt gegrowlt zu bekommen ist nur deshalb interessant, weil der Sänger ein beherzt tiefes Organ hat, von den Inhalten versteht der Laie natürlich genau so viel wie von biologisch einwandfreier Zuckerrübenzucht, oder dem Kleingedruckten in Vertragsunterlagen. Spielt also keine Rolle, in welcher Lautform der sich die Stimmbänder ruiniert. Aber von vorn. Begrüßt werden wir von einem Intro, das eher an Halo (Weltraumballerspiel – wer´s kennt) erinnert als an mittelalterliches Hexentreiben und Flötenspiel. Und dann schrubbt es los, als wäre deren Variante irgendwann in den ausgehenden 80ern und frühen 90ern abgewickelt worden. Eine breite Wand aus Mid – Tempo Death Metal mit zeitgemäßer, sehr druckvoller Produktion, das ist es dann, was Rattenfänger eigentlich zu bieten haben. Erst mal, denn schnell und mit Überzeugungskraft verpissen sie sich immer wieder und länger in die Doomklosterei, packen staubig zähe Soundteppiche über ihren Friedhof der Zeit. Das Infoblatt spricht dann von Verbindungen zu Bolt Thrower, Asphyx, Winter und Celtic Frost. Will ich mal alles in eine Schatulle legen und schütteln, mal sehen was durch den Schlitz fällt und auf den sakralen Keyboardboden rieselt. Bolt Thrower, wenn niemand nach deren Intensität sucht, dann ist im Sound durchaus etwas wieder zu finden, ebenfalls in der Schwere der Instrumente. Das wiederum verweist auch auf Asphyx, große Teile des Tempos sprechen auch dafür. Winter klar doch, jede Death Metal Band die sich an Doom versucht, wird an Winter fest genagelt, gibt ja sonst nicht so viele Referenzen. Celtic Frost, da musste ich dann schon länger warten, aber auch das stimmt. Da ist das typische Tom Warrior „Uhh“ zu hören, frei nach dem Motto, „Und nun lassen wir’s mal rollen.“. Und das tun sie auch, mit anderem Sound zwar, aber die Arrangements und der Rhythmus stimmen. Primitiv und kernig. In „Nunc Sico Tenebris Lux“ zum Beispiel. Das heißt „Ich weiß nun, dass Licht aus der Dunkelheit kommt“, hurra Internet. Unpassender Titel zwar, denn Düsternis ist viel mehr das Metier der Band, aber das ist dann wohl künstlerischer Freigeist. Das Warrior - Thema in diesem Stück bestimmt aber nur den mittleren Part, eingewickelt in puren Doom. Wiederzufinden ist es aber auch an anderen Stellen der Scheibe. Also, alle „Vorwürfe“ stimmen irgendwie und Rattenfänger haben es hinbekommen, daraus etwas leicht Verklärtes und mystisches zu machen. Imagepflege … irgendwie. Dazu passt dann auch das Ende des vorletzten Songs (den Titel schreib ich nun wirklich nicht auf, so viel tote Sprache, pfff), wenn auf Deutsch aus Jesaja 32:18 rezitiert wird. Ist sicher aus irgendeinem Film geklaut und größtenteils aufgrund überlagernder Musik auch schwer zu verstehen. Aber das verdeutlicht zusätzlich den düsteren, religiös beeinflussten, vor allem aber andersartigen Anstrich, den die Band sich selbst an die schwärenden Leiber pinselt. Vielleicht auch, um nicht zu vielen Plagiatsvorwürfen ausgesetzt zu sein. Wie Loriot gern Frau Hamann sagen ließ, „ Dann hab ich was eigenes, hab ich mein Jodeldiplom.“ Abschließend bleibt festzustellen, Rattenfänger ist ein gutes Album entschlüpft, das alle nostalgischen Ansprüche erfüllt und Death Metal in seiner ursprünglichsten Form (oder einer Variante davon) aus dem Schatten treten lässt. Also, in der Ukraine spielen die anders auf ihren Flöten als in unseren Breiten, Obacht geben! 
7/10

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