Thursday, November 8, 2012

SKELETAL REMAINS - Beyond The Flesh - Cd / FDA Rekotz



Ja, Bands wie Pestilence und Asphyx als Vergleiche heran zu ziehen ist berechtigt, ihre Authentizität und Leidenschaft zu betonen richtig. Dass Skeletal Remains beeindruckend klassisches Audiokino spielen, lobt jeder. Die Presse feiert das Album im großen Stile, mit all der ihm zustehenden Berechtigung, und ein irgendwie geartetes „Aber“ findet keinen Platz. Es ist als hätten wir ein Ohr an der Kinderzimmertür des Death Metal. Es bleibt mir nichts hinzu zu fügen, alles was ich tun könnte, ist in Worten der Wiederholung zu versinken. Lasst mich euch anstatt dessen ein Geschichte erzählen. 

Als der Herbst 89 die Mauer auf wundersame Weise verpuffen ließ, einiges mit sich nahm und uns viel mehr gab, setzte ich mich, wie zahllose Andere in die Züge der hoffnungslos überforderten Reichsbahn gen Berlin. Ich wollte die bunte Welt des Klassenfeindes sehen, fühlte mich jenseits der Friedrichstraße jedoch bald überrannt, orientierungslos, fremd und unendlich klein. Vor allem aber beschämt wegen meiner Landsleute, die zuhauf hinter der Ladefläche eines LKWs´ standen, die Hände wie Zombies in den Himmel gereckt und mit Kaffee und Bananen beworfen wurden, wie rotärschige Primaten im Zoo. Dazu wollte ich nicht gehören, und hab ich auch nie. Meine Beine trugen mich wie im Traum von Glitzer zu Glitter, der Konsumvirus wurde uns armen Unerfahrenen, an das kurze Prinzip ostgermanischen Einkaufsverhaltens  „Habt ihr?  -  Hammer nich“ gewöhnten, ohne Vorwarnung injiziert. Mit dem blütenfrischen Hunderter Staatsförderung in meinem braunen, speckigen Wildlederbrustbeutel, erfasste ich die Absicht der Birnenregierung unmittelbar und brachte die Kohle umgehend wieder in Umlauf. Für was sie im Einzelnen drauf gegangen ist, weiß ich gar nicht mehr. 2 Dinge jedoch trug ich mit Stolz nach Hause, zum einen ein Slayer Shirt aus einem Klamottendiscounter im Eurocenter. „Passt das denn?“, „Die passen immer!“, Nette Schwarzhaarigen, deren Gedanken ich geradewegs aus dem arroganten Schädel saugen konnte „Noch so eener.“ Das andere war ein Doppelalbum, besser Sampler aus einem Plattenladen auf dem Kudamm,  mit dem weitreichenden Titel Speed Kills IV, auf dem sich alles an Bay Area Thrash Walhalla zusammen gefunden hatte, was ich aus dem Radio, von Kumpels oder aus dubiosen Taptraderkanälen kannte. Auf dem Rückweg, im überfüllten Zugabteil, hielt ich meine Beute mit allergrößter Ehrfurcht vor der Brust. Es herrschte ausgelassene Stimmung, jeder präsentiert, wofür er/sie seinen/ihren Hunderter geopfert hatte. Ich zeigt natürlich mein schwarzes Gold und alles freute sich. Wir tranken Mariacron, dass wir damals, warum auch immer, für den edelsten Tropfen, gerade gut für den erhabenen Moment, hielten, und der es auch war. Spät in der Nach trudelte ich etwas derangiert und vom Alkohol gezeichnet bei meinen Eltern ein. Speed Kills, das musste unbedingt auf Mutters Plattenteller. Die ließ mich auch gewähren, wenn sie auch nicht wusste, wissen konnte, was das mit mir anrichten würde. Vater wars´ egal, der war glaub ich genauso blau wie ich, für so was musste mein alter Herr nicht in den Westen fahren. Nur Oma schien besorgt, dass der Leibhaftige im Ziphona Türkis (Mutters Plattenspieler – Plastik und Holzfunier) wohnte. Ab diesem Tag tat er es auch! Thrash Metal auf dem Dorf. Thrash Metal, das war damals mein Ding, und das prächtige Doppelschwarz hatte sie alle; Nuclear Assault, Forbidden, Exodus, Re – Animator, Acid Reign. Aber auch andere, um einiges rüder wirkende Bands gab es da, und die ließen mich in "Hab - Acht – Stellung" gehen. Holy Terror, Possessed, Bathory. Und dann war da „Open Casket“ von Death, das mir so über die Schuhe gefahren ist, dass ich ab diesem Tag nicht mehr zum Orthopäden gegangen bin. Quatsch, aber mir war sofort klar, dass ist etwas Einzigartiges, und vor allem, das ist für mich! Mit diesem Stück hörte eine unbewusste Suche im musikalischen Dschungel auf, die metallische Evolution hatte für mich ihren Olymp bezwungen. Und das ist bis heute so. Die ersten Töne, die sich Death Metal nennen durften, zumindest die ersten die ich zu Gehör bekam, haben mein ganzes weiteres Leben im metallischen Sinne geprägt. Der Untergang der DDR war ein Wendepunkt in vielerlei Hinsicht, aber dieser Tag im Herbst 89 hat bei mir  ein ganz neues Tor aufgestoßen, es hat sich nichts gewendet, sondern es ging mit strammem Schritt in eine ungewisse Zukunft. Nur eines war mir deutlich klar, Death Metal wird immer dabei sein. 

Um das jetzt mal abzurunden, als ich „Beyond The Flesh“ hörte, fühlte ich mich an diesen Moment erinnert, mir wurde seit langem wieder bewusst, was mich auf den linken Pfad geführt hat, und warum ich immer noch darauf wandere. Somit kann ich gar nicht anders, als der Band und dem Album meinen allergrößten Respekt zu zollen! 
10/10


 

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