Sunday, November 11, 2012

THE HYPODERMIC EYE - The Twitching Hour - Cd



Sean Huggins ist laut Bio ein bekennendes Kellerkind, das Hausmusik für Familie und Freunde macht. Was das für ein soziales Umfeld ist, möchte ich gar nicht so genau wissen. Denn das was er da im dunklen Kämmerlein mit seiner Gitarre und einem 8 Spur Gerät zusammen murkst, wird in normalen Familien als Zeichen des schlechten Geschmacks abgetan. Dafür setzen Väter ihre Söhne vor die Tür, oder wenn Mütter das Sagen haben, dann eben auch zur Therapie beim Puppendoktor. THE HYPODERMIC EYE  ist komplettes Durcheinander, eine Kakophonie aus brutalen Tönen, nuschelnden, grummelnden, kreischenden Vocals, schwerer, gleichzeitig ungemein schrammliger, primitiver Gitarre und einem viel zu offensichtlichen Drumcomputer. Somit entsteht ein Sound, der vollkommen undifferenziert und schmerzhaft übersteuert durch das heimische Mauerwerk donnert. Der Wiedererkennungswert ist eine Ahnung jenseits des Ereignishorizontes, Struktur nicht vorhanden, oder halt nur in der Logik des Protagonisten, ja es kling meist so, als hätte er mehrere, völlig verschieden Tracks übereinander gelegt. Das Resultat ist ein Wirrwarr aus undefinierbarem Geräuschebrei, seltsamen elektronischen Höhen, instrumentalem Holocaust, extrem dominantem Japaner, zusammengeschnipselten und untergerührten Soundsamples. Ein Hang zu Industrialsounds  kristallisiert sich dabei schnell heraus, am augenscheinlichsten natürlich beim Ministry Cover  „TV II“, das dann gar nicht so sehr vom Weg abkommt. Dahingehend wäre eine Orientierung eher auf fruchtbaren Boden gestoßen, als mit der eigentlichen Absicht, der heftigste Motherfucker in Mutters Kartoffelkeller zu werden. Death/Grind mit dicken Eiern und der beängstigen Abwesenheit nachvollziehbarer Ideen, darauf läuft es letztendlich hinaus. Es ist recht schwierig, sich damit anzufreunden, das ist wie ein Tanz mit einer Horde veganer Zombies, da weiß man doch gar nicht wie man sich verhalten soll, das steht in keinem Lehrbuch. Das ganze brutale Gemüse ist Kind eines kranken Geistes, gorige Übellaunigkeit verschüttet geronnenes Blut auf schmutzigem Fliesenboden. Die in dem Gebretter immer wieder aufblitzenden, wenigstens erkennbaren Riffs sind so das Salz in der Suppe, die ansonsten gerade mal als Schweinefraß taugt. Lichtblick, Ringelschwänze werden von allem fett! So viel akustischer Brei, so dick und klebrig, verdorben und absolut unfein aufgetafelt, das verträgt der Gesündeste unter uns nicht. Inspirationen bezieht er nach eigener Aussage von überall her, das zu glauben bin ich sogar geneigt, selektieren wäre jedoch dienlicher, als alles was auf ihn zuströmt ohne Kritik umzumünzen. Akustische Liebeleien zum Beispiel sind völlig unangebracht, und mit der Drummaschine muss er unbedingt noch Erfahrungen sammeln. Diese tackernde Dominanz beeinflusst die Stück in negativer Weise. THE HYPODERMIC EYE  ist  das arschgeborene Chaos eines unendlichen Albtraumes, der Hämorrhoidenschmerz im alternden Hintern, der Kater nach der 2. Flasche Wodka. Sean betrachtet das allem Anschein nach als Hilferuf um Aufmerksamkeit in seinem einsamen Höhlendasein, er selbst nennt es Rauschzeichen. Nötig mag es erscheinen, jubelt er uns die Fanchoräle eines ganzen Footballstadions unter und zwischen die Stücke. So ein Bittgesuch sollte nicht unbeachtet bleiben, ladet euch den Schund aus dem Netz. Umsonst ist es sowieso, legal meine ich. Schreibt ihm, wie sein künstlerisches Leiden euch durch alle Lebenskrisen geholfen hat. Eine Vollfettpackung Kopfschmerzlärm gibt es unter dieser Adresse: http://archive.org/details/TFR556-TheHypodermicEye-TheTwitchingHour
4/10

 

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