Friday, November 16, 2012

WAR POSSESSION - Through The Ages - Cd / Hellthrasher Productions



Wenn sich eine griechische Band War Possession nennt, dann kann sich das nur auf antiken Sippenklünkel beziehen, denn der Grieche ist doch in der Moderne so kriegerisch wie ein Blatt im Wind. Gut jetzt gerade grummelt´s etwas im Wohlstandsbauch, die Reben hängen aktuell a bissel zu hoch für eine gepflegte Dekadenz, und das missfällt. Einen Bezug zur Musik der hellenischen Todesphilosophen hat das aber nicht. Dieser Bezug ist wohl ebenfalls antik, oder eher aus der Steinzeit, als der Death Metal mit der Keule erlegt und an den Haaren zum Lagerfeuer geschleift wurde. Es geht unfein zur Sache, nicht mit sensiblem Feinschliff. Sondern mit grober Gewalt. Das passt auch wie die Faust aufs Auge der grassierenden Rückbesinnungswelle. Morbid ist in, primitiv die neue Gottheit. Nach diesem Schema passiert bei War Possession nicht wirklich viel, aber genug um Flagge zu bekennen. Es geht im gemächlichen Tempo über Stock und Stein, manchmal stagniert es auch. Oder es rumpelt mit der Atemlosigkeit eines Sumoringers ums Eck. Old School Bleivergiftung mit tiefer Gitarre, knurriger Stimme, düsteren Melodien und schnarrenden Riffs. Gefangen in Wiederholungen und fest gemeißelten Arrangements ist der Aktionsradius recht beschränkt, spektakulär können Andere. Und dennoch wirkt das ganze Exerzieren vor dem Altar der alten Götter authentisch. Denn auch damals, als der Death Metal unaufhaltsam aber vor allem rau und spröde aus dem Nebel auftauchte, waren die Bands (amerikanischer Prägung vor allem) nur darauf aus, etwas ganz anderes zu machen, als alle anderen zuvor. Dafür brauchte noch niemand den Geschwindigkeitsexzess zu erfinden, niemand musste auf den hohen Saiten Seiltänze aufführen. Stumpf war Trumpf, und nach dieser geheimen Formel agiert das griechische Quartett mit unbeirrbarem Gleichmut. Was für eine primitive Scheiße, aber es funktioniert. Nun zwar sicherlich nicht in dem Maße, wie andere Vertreter der neuen Speerspitze zu Recht (meistens) abgefeiert werden, aber den Geist der lange in Versenkung begriffenen Epoche, den haben sie unter der Schuhsohle, treten ihn mit jedem schweren Schritt breit. So ziemlich jeder Akkord der Mini ist selbstredend wie ein alter Bekannter, mit dem man zur Jugendzeit im Biergarten gesessen hat, und das kann man niemandem zum Vorwurf machen. Wenn die Erfahrungen gut, die Besäufnisse vergnüglich waren, dann freut sich jeder auf ein Wiedersehen. Wer einst mit Demigod den Kater verscheuchte und mit Asphyx und den Kumpels von Incantation für einen neuen sorgte, den kriegt nun (mal wieder) das komprimierte Paket für den kleinen Durst zu Hause. Völlig egal ob dann ein Riff nicht so wirklich aus den Puschen kommt, oder der Tempowechsel punktgenau zu erahnen ist, der Spaß steht im Vordergrund, und wem es nicht zu langweilig oder offensichtlich geklaut vorkommt, der kann den schon haben. Wem es reicht, das der Rhythmus manchmal durch wenige Akkorde bestimmt wird und alles sehr schwerfällig und eben musikalisch steinzeitlich klingt, der zapft sich umgehend ein Bier auf und lehnt sich zurück. Death Metal aus der Mottenkiste, da muss man ordentlich drauf hauen und oberflächlich abstauben, dann passt das schon einigermaßen.   
6/10

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