Friday, November 9, 2012

ZOMBIFIED - Carnage Slaughter And Death - Cd / Cyclone Empire



Was für ein Sägebrett, da  fallen Späne wie in einem Düsterforst bei raubbauartiger Nutzholzgewinnung. Wieder ein schwedisches Todeskommando mit Sinn für Tradition und nationalem Selbstbewusstsein. Im musikalischen Sinne, versteht sich. Und mir kullert immer wieder eine Frage ins Gedächtnis, „Woher kommen all diese Bands“. Schweden hat nicht mal 10 Millionen Einwohner und gefühlt genauso viele Death, Grind, Crust und was weiß ich – Kapellen. Vielleicht ist auch die Arbeitslosenrate so hoch, dass die sonst nichts zum dran rum spielen finden. Oder deren Ämter haben andere Vorstellungen (Bessere) von Trainingsmaßnahmen. Die schicken arbeitsfreies Humankapital auf die alte Tod und Blei Universität und lassen sie dort zu Künstlern ausbilden. Gleichzeitig werden die Studenten von ihren Aggressionen geheilt, dass sie all ihre Wut in musikalische Qualität umsetzen. Das ist sozial – ökonomisch sehr wertvoll. Auf der anderen Seite ist wahrscheinlicher, dass viele Musiker in diversen Bands den Doppel bis Unendlich – Hochzeitstanz aufführen. Bei Zombified ist das so, allein Sänger  Roberth Karlsson leiht sein Organ 5 Bands, die alle einen gewissen Bekanntheitsgrad genießen, zudem hat er in weiteren 5 mitgewirkt. Und Bandmitbegründer Patrik Halvarsson-Myren hat vor oder parrallel zu Zombified in ebenfalls 5 launigen Kapellen den Bass oder die Klampfe gezupft. Unter anderem mit dem wohl unverwüstlichstem Schweden von allen, Rogga Johansson in Ribspreader und Paganizer. Das schrammt an der Band nun natürlich auch nicht spurlos vorbei, denn gerade Paganizer, die sich selbst an Szenegrößen orientieren, sind Zombified teilweise anlastbar. Aber das wäre wahrscheinlich auch nur Augenwischerei, denn die Wurzeln sitzen natürlich tiefer und wer’s richtig anstellt, bekommt den Bogen auch raus. Deshalb ist den Herren aus Västervik auch ein fetter Brocken gelungen, der mit groovigen bis massiv zerstörerischen Soundwänden auftrumpft. Riffs, fetter als der Winterspeck von Investmentbankern, brutaler als jede Naturkatastrophe, donnern teilweise etwas schwerfällig, aber meist zackig am sich verdunkelndem Himmel. Satte Growls, offensiv attackierender Bass, sauberes und souveränes Schlagzeug, das als Lenker und Leiter überdurchschnittlich gute Arbeit leistet, da ist alles drin, was der erwartungsvolle und verwöhnte Zopfträger (innerlich und/oder äußerlich)  voraussetzt. Zombified können virulent im Midtempo Seuchen verbreiten und atmosphärisch düstere Gemälde auf alte Leinwände bringen, oder aber im Stechschritt jungen, grünen Boden in karge Wüstenlandschaft verwandeln, schneller als jeder Orkan das hinbekäme. Der Sound ist selbstredend urtypisch für Verfechter traditionellen, schwedischen Death Metals´. Bässe bis zum umkippen, aber nie so tief, dass die Struktur und unabdingbare Nachvollziehbarkeit abhanden kommen. War auch nicht zu erwarten, stammt der Schliff des Albums doch aus einem Studio in dem Mr. J. schon so einige Alben verbrochen hat. Der crustige Einfluss, den die Band gern betont, ist nur eine rudimentäre Angelegenheit, rauszuhören zum Beispiel zu Beginn von „The Flesh Of The Living“ oder der Eröffnung des Titeltracks. Wirkliches Gewicht erhält das nicht, und punkiger Elchmord geht definitiv anders. Das muss dann wohl viel dreckiger und primitiver werden. Für Zombified sollte das keine Rolle spielen, kommen die mit ihren auch so sehr schartigen und brutalen Nummern mehr als nur eben mal so durch den Tag. „Carnage Slaughter And Death“ ist ein mehr als cooles Unterfangen, das mit dem frisch gepressten 2. Album eines der interessantesten seiner Art, in diesem Jahr, an das Licht gehebelt hat. Skandinaviens Schattenseite, hemmungslos tobend und verspielt wie ein tollwütiger Kampfhund, das macht Spaß! 
9/10

 

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