Thursday, December 27, 2012

DaCast - Dédale - Cd / Gheea Music




Da wo Psychopharmaka wie Süßigkeiten zum Kindergeburtstag verteilt werden und Elektroschocks alltäglich wie der Morgenkaffee sind, da ist die Heimat von DACAST. DACAST stehen für eine Fusion aus Mathcore und Jazz in wildester Interpretation und kommen aus Frankreich. Den 2 Herren müssen beim Amphibienkauen nicht wenige Knochensplitter gen Norden gewandert sein, und die Hirne gepierct haben. Wie sonst lässt sich eine derartige Kakophonie der Geräusche erklären, eine Musik, die weder Anfang noch Ende und schon gar keine Mitte hat, die nicht greifbar und fühlbar ist. Kann gut sein, dass die sich in irgendwelchen avantgardistischen Traditionen sehen, mit immens vernebeltem Periskop, und Wellengang auf Tsunamistärke. Fests steht, dass diese Aneinanderreihung quietschender und pfeifender, schräger und Schmerzrezeptoren – herausfordernder Töne nicht für die normalen Bekloppten gemacht ist. Weder ein roter Faden noch ein Ruhepol zum festhalten, kein auch nur marginal vertrautes Terrain, nichts ist hier zu finden. Das ominöse Subgernre des Mathcore, die Musik für der Metalnerds, ist ohnehin schon ein nach komplizierten Formeln zusammengestellter Solotanz, DACAST schaffen es aber mit all den Breaks und Endlosschleifen, daraus eine Improvisation zu machen, die sich jedes Zuganges entzieht. Keine Ahnung, für wen das gemacht sein soll, irgendjemand wird es schon sein. Das kann man aber niemandem unter den Pony zwirbeln, der brutale Musik mag, der irgendwo morbide Harmonien braucht, der den Knüppel zwischen den Augen spüren will, der traditionell über alles setzt, und Melodien? – ganz falsch. Also alles was Metal für den einen oder anderen ausmacht, steht nicht auf der Agenda dieses Künstlerduos. Wenn ich das richtig verstanden habe, sehen sie sich am ehesten in der Nähe zu Dillinger Escape Plan und King Crimson in frei interpretierbarer Connection zu Miles Davis. Da muss nun ernsthaft die Frage an die Flipchart gepinnt werden, ob die ihr Publikum verarschen wollen, oder wie seriös man Chaos nehmen muss, um auch Inhalte zu erkennen? Ich maße es mir nicht an, die Absichten wirklich einschätzen zu können, bin mir aber ganz sicher, dass Konsumenten dieser schillernden Pille mächtig neben der Spur liegen müssen, wenn das mit einem Ritt zu schlucken ist. Verzerrtes Geräuschtohuwabohu ohne erkennbare Struktur, einfach alles, was man als lieb und nett im Katalog ankreuzt ad absurdum geführt, keine echten Riffs, keine unbefangenen Solis, keine durchgehendes Songwriting, einfach nur rohe Willkür. Selbst das was andere als progressiv verehren, wird von den beiden lediglich belächelt und maßlos übertrieben. Das kann man doch nicht so einfach machen, ist das nicht irgendwie verboten? Jedenfalls gehört sich das nicht! Ich selbst hab mir das Album einmal mit wachsendem Entsetzen angehört. Und dann noch zweimal unter selbstauferlegtem Zwang. Das reicht mir nun bis ans Ende aller Tage. Aber ich gebe es ja auch zu, meine Intelligenz reicht mit ziemlicher Sicherheit nicht aus, um die hochkomplexen Inhalte in vollem Umfang zu erfassen. Leider hilft dagegen weder Abendschule noch Stammkneipe. Deshalb bleibt mir das akustische Unterfangen und seine tiefere Bedeutung auch auf Dauer entzogen, was ich unaufrichtig bedauern muss. Und nur weil hier Pseudokunst ohne Äquivalent betrieben wird, ist das noch lange kein Kaperbrief. Lediglich das Cover hat Stil. 
3/10

Tuesday, December 25, 2012

THE LAST HANGMEN - Executing Empires - Cd



Neulich in der Gothenburg wurden im Migrantengetto 5 sächsische Henkersknaben aufgescheucht, die sich als die letzten ihrer Art bezeichnen. Im Gepäck hatten sie ein Album, das sie auf undurchsichtigen Wegen einschmuggeln wollten. Den Behörden ist es gelungen, einzelne Exemplare zu beschlagnahmen, wovon eines der Presse zugespielt wurde. Was aus der eigentlichen Lieferung geworden ist, bleibt bisher unbekannt, lässt aber nach eingehender Kontrolle der wenigen Einzelstücke von behördlicher Seite nichts Gutes für die allgemeine Sicherheit erahnen. So zumindest verheißen interne Verlautbarungen von höchster Stelle. Deshalb hat das schwedische Außenministerium in Zusammenarbeit mit dem deutschen Ministerium für Jugendschmutz und Familienfehlsteuerung eine Einfuhrbeschränkung für Musik aus der Gothenburg durchgesetzt. Unseren Quellen zufolge vertreibt die Band ihr illegales Gefahrengut aber aus dem Raum Dresden, was diese Maßnahme letztendlich ad absurdum führen würde. Da sind die Verantwortlichen aufgrund gefährlichen Halbwissens und gezielter Fehlinformation durch die musikalische Aussage des vakanten Albums auf eine falsche Fährte gelockt wurden. Was unserer Redaktion nun zu Ohren kam, war ein erstaunlich offensives und beschwingtes Werk, von dem vordergründig gar keine so große Gefahr auszugehen scheint, wie von amtlicher Seite befürchtet. THE LAST HANGMNEN klingen wesentlich fröhlicher als es von grimmigen Gothenburgern zu erwarten gewesen wäre. Auch die melodische Veranlagung ist in ihrer Umsetzung viel ausgeprägter, als das bei den Gothen ohnehin der Fall ist. Hinzu gesellen sich heldenhafte Chorusgesänge und schwerterschwingende Kompositionen, die jedem Recken den Rücken stärken und das Schlachtenglück auf die Seite des tapferen ziehen. Aggressive Riffs werden nach kurzer Zeit immer von der Leadgitarre eingeholt und zur Räson gebracht, mit bunten Melodien gefesselt. Da bäumt sich der Verdacht wie ein rolliger Kater auf, dass Helloween nun  Death Metal spielen und sich dafür nur jüngere Egos geklont haben. Auch glauben sogenannte Experten zu wissen, dass metfeuchte und schlüpferstürmende Pagan – Knaben Musik eine Rolle in der Band spielen würden. Und bezogen auf die ganzen Solis und melodischen Arrangements der Songs, möchte man dem beinahe Glauben schenken. Klar sollte aber auch sein, dass der Begriff Pagan als leitendes Motiv der Dresdener völlig unangebracht ist. Nur scheint deren Leadgitarrist dahingehend einen Fuß in der Tür zu haben. „Executing Empires“ ist ein sehr flottes Werk, das nicht auf traurige Melancholie setzt, sondern immer forsch einen Schritt vor den anderen macht, gern mal moderne Elemente mit einblendet und durchweg straff organisiert scheint. Zumindest straffer als es noch auf der Debütscheibe der Fall war. Und trotzdem ist das Werk für die raue Metallandschaft ein wenig zu brav geraten, das ist nicht Bockwurst und Bier, eher wie Kakao zum Kuchen. Versüßt seinen Hörern den Feierabend, oder von mir aus auch die Zeit nach den Hausaufgaben. Von technischer Seite gibt es keine Angriffspunkte, da ist sehr am Timing gearbeitet worden, Wünsche bleiben nicht offen. Dicht gestrickt und kompakt gearbeitet, vielschichtig und immer stimmig. So bleibt unterm Strich kein Grund übrig, das Werk weiter mit amtlichen Beschränkungen zu belegen, ist sein musikalischer Wert doch weit über etwaige gemeingefährliche Gefahrentendenzen zu stellen. Aber es bleibt immer noch der Januar abzuwarten, wenn das Album offiziell erscheint, wer weiß welch düstere Seiten sich noch auftun. Denn bisher strahlt nur die Sonne. http://www.thelasthangmen.com/ 
7/10

Saturday, December 22, 2012

SAGRADO - Mass Suffering Of A Human Being - Cd / Morbid Generation



Die spinnen doch die Philippinos, diese dürren, kleinen Hobbits. Haben die nicht größere Probleme, so was wie Pseudodemokratien mit ihrem Blut am Leben halten, Bürgerkriege gegen Ethnien ohne Lobby führen, und sich touristenfeindlichen Wasserwänden entgegenstemmen? Brutal – Slam – Gore – Kopp ab, geht’s noch? Und das Phänomen dort unten im Südseesislam… von denen gibt es eine ganze Armee, seit Jahren. Da sind SAGRADO nur ein Soldat in vorderster Front. Ein Kämpfer für eine klare sexuelle Rollenverteilung im Kampf der Geschlechter,ganz traditionsverbunden, ein Krieger des Liberalismus in allen Punkten die auch nur rudimentär etwas mit Blut, Eingeweiden und pornografischen Lockstoffen zu tun haben, ein philosophischer Vordenker, wenn es um klare Artikulation geht, Flagge bekennen, wenn der String in Fetzen hängt, ein Visionär, der das Herz der Finsternis mit stoßartiger Beckenbewegung penetriert. Die spinnen wirklich! Die bunte Presse würde so was wohl schon beim Frühstück zerreißen, den musikalischen Wert in Frage stellen. Und tatsächlich ist das Geballer nahezu technikfrei. Klar, die hohen Seiten werden immer mal sporadisch bedient und Obertöne verstecken sich einem extrem basslastigen Sound, aber genau betrachtet ist die Struktur des Albums kaum als spektakulär zu betrachten. Primitives Weichteile – treten und orgiastisches kleine Schwänze kompensieren. Ja Bass übrigens, den Druck den das Album mit dem tieftönenden Gesamteindruck hinterlässt, sprengt Füllungen aus kariösen Gebissen und verschmort Herzschrittmacher. Ich sag’s ja, die sind nicht ganz beisammen auf ihrer schwabbrigen Insel zwischen Pazifik und Südchinesischem Meer. Eines jedoch ist gewiss, der Unterhaltungswert für Kreistänzer, für Retronegierer, für Brüllhälse mit Frosch im Hals und Schwein im Arsch, für bierschwangere sympathische Gore und Schnaps – Debile ist immens. Die werden die philippinische Vertonung illegaler Schweinemast vom Eiland unter der Sonne lieben. Genauso wie all die anderen Truppenteile aus der Zwergenarmee. Fettes Schulterklopfen unter Kameraden, die den Topf immer noch halb voll sehen, selbst wann am Boden ein Loch ist. Und außerdem sind die dort nicht so verwöhn wie wir, wissen wahrscheinlich noch was Improvisation ist, betrachten Metal als Religion und knien sich da flächendeckend in ihre Szene. Etwas, das uns hier im Großen verloren gegangen ist, davor ziehe ich auch meinen imaginären Zipfel. Also, ich mag das Schreddern und Hämmern, Gurgeln und Stampfen, selbst wenn SAGRADO kaum in der Lage ist, sich von anderen abzuheben. Und das weil Riffe und Tempowechsel so vertraut sind, wie die eigene, dreckige Unterwäsche, weil die Vokalbildung wie immer eine inhumane Geräuschkulisse gebiert, der Bernhard Grzimek heue noch sein Mikro vor die Schnauze halten würde, wenn er denn könnte. Organe, die selbst Kryptozoologen auf den Plan rufen. Sich bei dem Speiseröhrenbrei noch Texte zurecht zu legen, zeugt von unbedingtem Optimismus. Kein großes Kino, aber ehrliches Klischeeausleben mit allen Stilmitteln die das Rülpsbreee – Universum in seiner Weisheit zur Verfügung stellt. Das Zeugt steppt mit so einigen Mankos aber großem Enthusiasmus auf den Nerven der Anspruchsvollen und tritt erbarmungslos in die Gehänge der Überkritischen. Augen ploppen aus Denkerköpfen, Schwänze versteifen sich an impotenten Leibern und es wird ein Fest für alle, die das Vertrauen in die eigene Zurechnungsfähigkeit schon längst aufgegeben haben. Ihr spinnt doch alle! 
7/10

Friday, December 21, 2012

CHAPEL OF DISEASE - Summoning Black Gods - Cd / FDA REKOTZ



Kurz bevor der letzte Atemzug des Alten ins Reich der Mysterien entschwinden konnte, hauchte er noch einen Satz in den fast leeren Raum. „Die Kirche der Leiden.“ Sein knochiger, gelber Zeigefinger wies zitternd durch das dunkle Kellerloch ins Herz der Stadt. Dann war es vorbei. Aber der Wanderer hatte erfahren, wonach er gesucht hatte. Dort in der kalten Mitte des Molochs würde er den Erben finden. Ohne Reue kehrte er dem Leichnam den Rücken und verließ den unwirtlichen Verschlag. Seine Füße trugen ihn durch finstere Gassen, marode Torbögen und über morsche Brücken, vorbei an den Quartieren der Hungernden, Elenden und Nackten, vorüber an den stillen Ruhestädten der Toten. Und dann lag es vor ihm, das größte Gebäude, das er jemals betrachten durfte. Sein Dach, so weit in den Himmel enthoben, war gefangen in tiefrauen Wolken, kaum sichtbar. Blitze erhellten seine Fassade, von der herab zahllose Fratzen in die Tiefe blickten, Zähne fletschten, Zungen streckten und teuflisch lachten. Sinisterer Glockenklang rief hinab von seinen Türmen, morbide hallend in unheiliger Allianz mit dem Donnern das der schrecklichen Erleuchtung immer folgt.  Ein endloser Lindwurm an Pilgern strömte durch sein Maul ins schwarze Innere. Hier also sollte er predigen, sollte er seine Stimme gegen die Oberflächlichkeit und den Neid, die Gier und den Hass des modernen Jahrtausends erheben. Der Erbe, der die Ankunft der alten Götter mit all seiner Inbrunst verkünden würde, der die Aufrechten erstarken und die Frevler in die ewige Glut werfen würde. Der Wanderer schob sich an der gesichtslosen Schlange vorbei in den Bauch der steinernen Bestie. Sofort schlug ihm eine Kakophonie aus nahezu vergessenen und verehrten Tönen entgegen. Und am anderen Ende der riesigen Kapelle, auf der Kanzel sah er ihn. Und er hatte 4 Häupter und ein jedes war Teil des Ganzen und ihre Unbill gegen die verhasste Schnelllebigkeit, gegen Machtwahn und Herrschsucht erhob sich als eins. Und er rief laut hinaus die Strafen, die all jene erwarten, welche ihre Wurzeln leugnen, und auf ewig wird jede Verfehlung im bleibeschlagenen Buch der Verdammten festgehalten. Und laut blies er in die Fanfare, die verzerrte Töne voller Harmonie und Gewalt erschallen ließ und die Reuigen sanken auf die Knie und die Gläubigen vergossen Tränen und die Märtyrer weinten Blut. Dem Wanderer wurde klar, dass er hier die Wahrheit erblickte, die Wahrheit, die vor einem viertel Jahrhundert ihren Ursprung nahm und mit der Zeit verwässert wurde. Verwässert durch Unachtsamkeit und Geltungsdrang, durch Gewinnstreben und tumorartiges Wachstum. Aber er, der Erbe stellt hier an diesem Ort die Uhren wieder auf null, ruft die alten Götter und ihre ersten Werke zurück in die Geister der Tauben und Blinden, macht sie hörend und sehend. Der Wanderer war am Ziel, wusste, dass er die Quelle gefunden hatte, aus der ein Keim namens Death Metal entsprang, sich den Klammern seines Bruders Thrash entwand und noch ohne wahres Ziel in die Welt hinaus schritt. An diesen Moment erinnerte der Erbe und ließ den Wanderer auf die Knie sinken. Er blickte hinauf zu den hehren Stehlen der Vorfahren, die im Europa der alten Zeit auferstanden und das Evangelium von Blut und Gewalt verkündeten. Und der Erbe schritt mit all seinen Häuptern vor den Wanderer und berührte seine Seele und ließ ihn sich erheben und die einzige Wahrheit erkennen … „Scheiße auch eins, das ist jetzt aber mal eine Frischzellenkur für alte Säcke gewesen. Gibt’s auf FDA Rezept, oder? Danke Kumpel jetzt muss ich mich aber erst mal besaufen!  Und bleibt mir vom Leibe mit Kölsch Dünnbier!“ 
9/10