Saturday, December 15, 2012

DEFORMED CADAVER - EP 2012



Gewappnet mit allem was einer Gehacktesband zusteht, rülpst und quiekt sich ein brutaler, wenn auch nicht unbedingt erfinderischer Fleischbeilklon ins Leben. Würgt 3 erste Stücke durch den verschleimten Geburtskanal, lässt den Damm reißen und schleudert die Placenta auf den kalten Fliesenboden. Das kleine Miststück brüllt sich ins Leben und nimmt sein erstes Bad in einer rostigen Wanne voller Klischees. Schreiende Krankenschwestern, leidendes Personal, panische Mitarbeiter, der ganze Entbindungstrakt steht Kopf. Kugeln fliegen, roter Saft spritzt, ein akustisches Tohuwabohu gebiert wahre Männerträume von Heldenmut und Testosteronrausch. Die Frau wird zum Objekt, was politisch wahrscheinlich nicht die korrekteste Sichtweise auf das zarte Geschlecht darstellt, bei steifschwänzigen Splatterköpfen aber unabdingbar ist. Dafür gehören viele der Damen, denen Alice Schwarzer auf ewig unbekannt bleibt, zu der Sorte, die bei Slam und Gore in erster Reihe stehen, das Shirt lüften und magere Titten wippen lassen. Aber dem Bastard hier dürfte das zusagen, findet er doch Selbstbestätigung durch irrationale Verhaltensweisen hominider Zweibeiner unter Einfluss von Alkohol und Metal. So ein kleiner Scheißer und so respektlos krakeelend wie die Großen, die fehlende Erfahrung mit den ersten dicken Eiern wettmachend. Da ertönt es laut aus dem Kreissaal, unter der Pendeltür läuft frisches Blut ins flackernde Neonlicht. Was das Neugeschlüpfte noch nicht wissen kann, die Welt da draußen hinter der Babyklappe, ist voll mit Seinesgleichen, die mit den phantasievollsten Utensilien um einen Platz in Obduktionsaal des gutbürgerlichen Geschmacks wetteifern. Aber noch hält er sich in seiner kleinen, sterilen Welt für ein Novum, will Brutal- Slam- Death Metal kotzen und scheißen. Na und das macht er zum Schrecken seiner Betreuungskräfte auch. Er sabbert sogar in den Harmonizer und erfindet sich selbst unter dem Banner von Gore und Prostitution neu. Er schmettert seine Gitarre gegen Infusionsständer, lässt das Ding hüpfen und schleift sein Operationsbesteck damit. Er mag es übersteuert und tief. Klar, solange er nicht aus den Kinderschuhen raus ist, lässt es sich bodennah besser leben. Beim Schlagzeug bin ich mir nur insoweit sicher, dass er wohl den Klinikcomputer vom Chefarzt angezapft, Patientendaten manipuliert, und die Beats von 100 Herzmonitoren kurz geschlossen hat. So ein vermessener Saukerl, hat sich schon vor den klassischen Krabbelschritten aus dem Staub gemacht und sich einer konventionellen Erziehung entzogen. Der ist jetzt schon so rüde, versoffen und verhurt wie die großen Brüder, die dafür noch einen anderen Lernprozess absolviert haben. Aber auch bei denen dachten Mama und Papa, das verwächst sich. Pustekuchen! Das der Sound nicht immer optimal ist, zu wenig Tinte auf dem Füller hat, und vieles eher improvisiert als bis ans Ende geplant erscheint, sag ich nur mal nebenbei. Ist ja schließlich ein Demo, wäre die Perfektion mit wackelndem Arsch und Matronenmöpsen in die Entbindungsstation eingefallen und hätte sich als Mutter des plärrenden Knaben ins Geschehen gelogen, wäre das Unternehmen DEFORMED CADAVER vielleicht sogar etwas unglaubwürdig erschienen. Bei dieser Art von musikalischem Massenmord und wildem Akustikgangbang geht es in erster Linie um Spaß, nicht aber um ein durchgestyltes Portfolio. Also spielt der peripher wackelige Sound nur eine untergeordnete Rolle. Das es schrammelig aus den Monitoren vibriert, dürfte also akzeptabel sein. So ist der Racker mit all seiner Unzulänglichkeit und Vermessenheit überzeugend sympathisch. Soll er sich von uns noch ein bisschen begießen lassen und wir schauen, wie es in der pubertären Phase weitergeht.  
6/10

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