Friday, December 7, 2012

DESOLATE SHRINE - The Sanctum Of Human Darkness - Cd / Dark Descent Records



Finnische Tristesse ist niederschmetternd. Wenn es einsam und kalt und auf ewig dunkel wird im hohen Forst, dann kommen die wenigen noch verbliebenen Eingeborenen auf befremdliche Spiele, um sich die eisigen Winterabende zu vertreiben. Beim Sterben ist auch dort oben jeder der Erste. Aufgrund fehlender Internetanschlüsse und Videotheken, müssen die sogar gemeinsam in die Sauna gehen – nackt! Finnen toasten Elch hochkant, lassen ihre Urbevölkerung Selbstgestricktes für den Touristenmarkt schneidern und saufen bis zur Erblindung. Und dann gibt es jene, die sich den anerkannten, gesellschaftlichen Normen und Werten nicht unterordnen wollen. DESOLATE SHRINE zum Beispiel. 3 junge Misanthropisten, die das Negativ ihrer Kulturlandschaft sein wollen. 3 Nihilisten, die das mit Death Metal ausdrücken wollen und musikalisch aber den genauen Gegenpol gewohnter Bleiknüppelopern ansteuern. Reißt das Ruder rum, ist man versucht zu schreien, dort entlang wartet nur der Schlund des Vergessens, der schluckt alles, was seinen Schatten berührt. Aber das ist hoffnungslos, denn diesen Kampf will das Trio führen. Ihre Musik ist voller Düsternis und Verzweiflung, Kälte und Endzeitstimmung. Hoffnungslosigkeit ist das Leitbild eines weitschweifigen Opus, der gern auf harte und scharfe Gitarrenriffs verzichtet. Das Album zieht sich depressiv verstimmt mit fußlahmer  Behäbigkeit dahin, muss sich nicht beeilen. Bei dem postapokalyptischen Eindruck, den es vermittelt, ist Eile nicht mehr angesagt, da ohnehin der letzte Zug abgefahren ist. Die Stücke sind immens lang, für eine Band, die sich Death Metal auf die straff im Winde flatternde Fahne geschrieben hat. Dafür aber auch unwahrscheinlich unaufgeregt und beinahe ereignisarm. Zumindest nach dem ersten Einschlafen stülpt sich dieser Eindruck wie ein Zipfelmützchen über das müde Haupt. Dass das stark überzeichnete Bedürfnis nach ewiger Ruhe und No - Future Attitüde ohne Punkbeteiligung alles Ziel eines musikalischen Planes ist, wird erst klarer, wenn das Rad des Todes sich noch 2 – 3 mal gedreht hat. Vielleicht braucht der Death Metal auch so etwas, für jene die einen Ausweg aus der Unüberschaubarkeit der immer in eine Richtung stürmenden Individualistenmassen suchen. DESOLATE SHRINE machen bei allem was uns im Death Metal lieb und vertraut ist, das genaue Gegenteil, sind lieber doomig als tödlich und töten trotzdem, sind schwärzer gefärbt als die meisten Kollegen und  haben trotz dessen keinen bleichen Teint. Insgeheim sind die bestimmt mit all ihrer künstlerischen Übellaunigkeit beim Schnitter angestellt, striegeln den Schimmel, polieren Sanduhren und kochen dem Klappermann schwarzen Tee. Auf diese Weise haben sie gelernt, dass es vollkommen bedeutungslos ist, wie und wo ein jeder sich abstrampelt, das letzte Taxi fährt immer ER. Genau das Gefühl transportiert die Musik von DESOLATE SHRINE, die ultimative und einzige Erkenntnis in graue Noten niedergeschrieben. Der Strick ist geknüpft und hängt über dem Apfelbaum, das Paradies ist wirklich abgebrannt. Mit grausamen Düsterdenken und Handeln offenbaren sie uns unsere Zukunft. Da könnte ich fast Schiss kriegen, würde die Musik nicht diese spezielle Note haben, dieses Häubchen des Besonderen. Und weil sie eben nicht strömungsaktiv sind, könnte das wirklich funktionieren. Einzig Menschen mit permanent guter Laune (wie ekelig) sollten davon Abstand nehmen. Nicht wirklich alltagskompatibel und gewöhnungsbedürftig, also eigentlich genau richtig! 
7/10

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