Wednesday, December 19, 2012

SULPHUR AEON - Swallowed By The Ocean's Tide - Cd / FDA REKOTZ



Ia! Ia! Cthulhu fhtagn! Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn – in seinem Haus in R'lyeh, träumend wartet der tote Cthulhu. Die 3 Adepten der dunklen, alten Gottheit aus den unerforschten Abgründen des Lovecraftschen  Universums, haben ja gar keine Vorstellung, was sie geweckt haben, als sie den Stein in den Brunnen warfen. Symmetrisch zirkulieren kleine Kreise auf der schwarzen Wasseroberfläche, das Plätschern weckt etwas längst vergessenes, unaussprechliches, etwas, dessen Name nicht gesagt werden darf. Mit ihrer einfachen Formel aus Blast, Melodie, nicht eben gepflegten Leads und teefarbener Stimmung, beschwören sie das Chaos herauf. Das Chaos, das die Struktur des Gewöhnlichen in die fundamentalen Bestandteile menschlicher Panik atomisiert. Jedes Stück ist ein Mantra des fleischgewordenen Bösen, offenbart in seiner Mitte immer wieder andere Kerne, von thrashigen Riffs, über melodiöse Klassikverbundenheit, bis hin zu brasilianischem Irrwitz und Bolzenschmeißerästhetik ( Those Who Dwell In Stellar Void). Den Vogel aber schießen sie mit „Zombi“ ab, Fabio Frizzis` Klassiker aus dem gleichnamigen Fulci Flick. Die Nummer habe ich schon in diversen Varianten auf dem Schlachtbank gehabt, aber noch niemand hat sie so genüsslich und mit Leidenschaft filetiert. Da läuft dickes Blut am marmornen Schenkel der Unschuld hinab und tropft mit zufriedenem „Platsch“ auf den feuchten Boden des Zivilisationsabgesangs. Aber das ist nur die Krone auf einem krönenswerten Haupt, denn das komplette Album bietet mehr als lediglich Kurzweil. Getragen wird das Gebälk aus durchdacht rumorenden Instrumenten von einem Sänger, der sein Organ mit solcher Inbrunst in den Kampf wirft, dass jeder Ton einem growlenden Gebetsruf von der Tentakelkanzel gleichkommt. Das ist beinahe beängstigender als die Musik aufregend.  Was SULPHUR AEON mit ihrem ersten Album lostreten, ist kaum noch aufzuhalten, analysiert ziemlich genau, was in Death-, und Black Metal und darüber hinaus möglich ist, ohne jemandem ernsthaft auf die nackten Füße zu treten. Sie ecken nicht an, sondern sondieren mit der Axt jenes Material, dass sie ihren Fans zumuten können und scheren sich nicht das Schwarze unter den langen Nägeln um moderne, vermarktbare Tendenzen. Heraus kommt ein Konglomerat aus endloser Finsternis, roher Gewalt, mystischer Endlosigkeit und religiöser Offenheit gegenüber Dingen, die wenig konservativ sind und als kranke Phantasien in den Hinterstübchen manch verdrehter Elemente herumgeistern. Die 3 bauen musikalische Häuser, deren Winkel im Widerspruch zur konventionellen Schöpfungsgeschichte stehen, halten sich sehr an ihren Meister H.P. und seinen Mystizismus von den Großen Alten, vertonen den sprichwörtlichen Wahnsinn als Parallele zu unserer, ebenfalls der Realität entgleitenden Welt. Dem Durcheinander des Alltäglichen setzen sie ihren Blickwinkel von menschlichen Abgründen und dunkelsten Scheinwelten gegenüber, malträtieren das Herz eines jeden Metalverrückten mit gesunder Nehmerfähigkeit auf das abscheulich Angenehmste. Da kann es schon mal passieren, dass sich bei all der zornigen Wüterei auch harmonische Zwischentöne durchsetzen und zeigen, dass das nicht zwingend ein Bruch auf der Härteskala darstellt. SULPHUR AEON steht für eine mehr als gelungene Mischung aus den gnadenlosesten Klischees, die der Metal unter Kutte und Nieten verwahrt, deshalb darf die Musik genauso klassische Anker werfen, wie rückhaltlos brutale und ungemein abgründige Haken schlagen. Namedroping erspar ich mir an dieser Stelle, denn ich setze voraus, dass sich ein jeder, der für ein so glitschig, schleimiges, sinisteres Album Geld ausgibt, auch ohne falsche oder richtige Erwartungshaltung den Nacken nach Maß verrenkt! 
9/10

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