Sunday, December 2, 2012

WEAPONS TO HUNT - Blessed In Sin - Cd / VIC Records



Laut deutschem Waffengesetz ist das  Bedürfnis für den Erwerb und Besitz von Schusswaffen und der dafür bestimmten Munition Personen anzuerkennen, die Inhaber eines gültigen Jagdscheines sind. Dass da nicht mehr geballert wird als üblich, zeugt von erstaunlicher Selbstdisziplin im Irrenhaus Deutschland. Um keinen Missbrauch zu betreiben, hat sich der Gesetzgeber noch einige Spitzfindigkeiten ausgeklügelt. So heißt es zum Beispiel, dass ein Heckenschütze nur eine Wumme bekommt; wenn glaubhaft gemacht wird, dass er die Schusswaffe und die Munition zur Jagdausübung oder zum Training im jagdlichen Schießen einschließlich jagdlicher Schießwettkämpfe benötigt, und dass die zu erwerbende Schusswaffe und Munition nach dem Bundesjagdgesetz in der zum Zeitpunkt des Erwerbs geltenden Fassung nicht verboten ist. Holländern, die ihre Liberalität Stück für Stück der europäischen Norm opfern, dürfte das teutonische Rechtswesen piep egal sein. Die brauchen bei zunehmendem Anstieg der Meeresspiegel ohnehin keine Jagdwaffen mehr, die gehen angeln. Aber vereinzelt stemmen sich immer noch tapfere Krieger gegen den Wandel und laden lieber durch als kleine Knoten zu knüpfen. WEAPONS TO HUNT (deshalb meine kluggeschissene Einführung) sind von diesem Schlag. Adrie Kloosterwaard, der einzige der in SINISTER von Beginn an durchgehalten hat, hat sich ein paar ehemalige Bandmates und einen aktuellen Bandkumpel gesucht, um nebenher noch auf die Jagd zu gehen. Mit verbotenen Waffen, denn deren Stilmittel ziehen ein massives Blutbad nach sich, und das kann nicht legal sein, zumindest nicht gesellschaftlich akzeptiert. Alles erfahrene Waidmänner im Todesforst, alle schießen nur scharf und gezielt, die Zeit der Platzpatronen und Pappkameradenübungen sind seit 20 Jahren vorbei … so über den Daumen. Auch im Vorfeld haben einige von ihnen unter anderem Namen zusammen gespielt, als INFINITED HATE 3 Scheiben produziert. Gut möglich, dass WEAPONS TO HUNT der musikalischen Tradition folgt, die Strukturen sind aber mit Sicherheit straffer, auch der Einschlag transatlantischer Mörderballaden nahezu verschwunden, das Ergebnis somit eher traditionell orientiert. Schandmäuler behaupten vielleicht auch, dass in den Ablegern von Sinister nur deren dort nicht zu verwertendes Material strandet. Das liegt aber allein an der Tatsache, dass die Niederlande so klein sind und so verflucht viele gute Musiker haben. Sobald sich der Riemen auf der Orgel spannt, wird klar, dass dieses Album nicht blasten will, mit Vorsatz versteht sich, und auch das grenzt ab. Mit einem Fünkchen Vorstellungskraft ist ein Bezug zu Bolt Thrower nicht ganz von der Hand zu weisen, die Kriegsgeschichten der Niederländer werden aber bei weitem flotter und nicht so markant groovig erzählt. Die lassen dann lieber im Stile von Slayer, wenn die ollen Säcke sich von Death Metal begeistern ließen, die Klampfen pfeifen und schrauben das Tempo immer scharf unter den technischen Knüppelpegel. Ja und viel mehr als Leidenschaft und Erfahrung braucht es dann tatsächlich nicht, um einen Nackenbrecher in den Präsentkorb zu werfen. Das Album ist wenig ausschweifend, brutal und stets auf direkter Linie ans Ziel, macht aber auch bewusst einen großen Bogen um primitive Vintage - Sounds. Selbst wenn die Rente näher ist als die verschwommenen Erinnerungen an die Jugend, kann ein rostiger Rundling immer noch frisch und unverbraucht klingen. Ich für  meinen Teil schätze „Blessed In Sin“ als großartiges Album ganz im Sinne europäischen Death Metals und wünsche allzeit Weidmannsheil. 
9/10

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