Tuesday, January 22, 2013

DOCUMENT 6 - Das Vierte Reich - Cd



Zu den wahrscheinlichsten Folgeschäden chronischer Lärmbelastung gesellen sich neben den Gehörschäden auch körperlich Anomalien  (zum Beispiel Facialparese bei hypersensiblem Schmerzempfinden) und Herz-Kreislauf-Achterbahnen wie akute Dopamin - Entgleisungen (spontanes Radschlagen auf öffentlichen Plätzen), Bluthochdruck bis zum Einschmelzen des frontalen Cortex und bestimmte Herzkasperein einschließlich Herzinfarkt. Stresshormone überrennen den wandelnden Leichnam wie einst Alexander die Perser, führen einen Blitzkrieg nach biochemischer Gesetzestreue. Lärmbelästigung ist demzufolge sogar schädlicher als illegale Substanzen in weihnachtlichem Backwerk oder akuter Alkoholmissbrauch in der Kleingartensparte. Lärm als psychosozialer Stressfaktor beeinträchtigt somit nicht nur das subjektive Wohlempfinden zweibeinig wankender Nachmittagsfernsehgucker und die Lebensqualität adipöser Hirnloser, indem er lauter auf das rudimentäre Bewusstsein naturbreiter Vollidioten einwirkt, als die üblicherweise in die Kamera, Glotzschüssel, oder die unmittelbare Umwelt im allgemeinen motzen können. Lärm beeinträchtigt auch die Gesundheit auf ganz frontale Art. Er bestrahlt das autonome Nervensystem, lässt versteckten Gefühlen freien Lauf, Weinkrämpfe, Wutausbrüche, Wanddurchbrüche, Knochenbrüche, vereinzelt kommt es sogar zu Fällen spontaner Gehirnaktivität. Ihr seht also, es ist nicht unbedenklich auf Landebahnen zu zelten (außer in Berlin), auf  einem Güterbahnhof ein Candlelight - Dinner zu verabreden oder in Großraumdiscos besoffen und mit offener Hose auf der Damentoilette in der eigenen Kotze zu schlummern. Unter den Aspekt akuter Gefahrenquellen fällt auch ein Mitschnitt einer noch ohne Bremsbewusstsein auf der Piste rasenden jungen Band aus NRW. „Das 4. Reich“ ist eine gar hässliche und ungebührlich krawallige Chimäre aus Hardcore, Grind und Death Metal, die ihre Fratze minütlich ändert und ihre Opfer unvorbereitet aus immer neuen Richtungen die rotten Zähne ins Fleisch schlägt. Nicht jeder Biss sitzt nun wirklich, aber das grüne Biest hat genug Ehrgeiz und einen enormen Jagdtrieb, um seine Methoden noch zu perfektionieren. Fest steht, dass sie laut kreischend immer und immer wieder vorprescht, schneller als der Dackel den Schwanz einkneifen kann, und jede Menge Spaß am Blutrausch hat. Ohren bluten, Venen schwellen, Köpfe schmerzen, Glieder zucken. Mit entrückter Mimik sehen Passanten über die Schulter. Die Angst vor dem Unbekannten ist größer, als die Erkenntnis, dass es noch ein langer Weg bis zur Perfektion ist. Vorrangig reicht räudig, chaotisch und irgendwie unstrukturiert um eine Selbstbestätigung für eine krakeelende Existenz zu bekommen. Von nervig disharmonisch, über blastend kakophonisch bis groovig ohne isch gräbt sich die Katharsis selbstreinigend durch mannigfaltige Fettfurchen.  Indem es diverse Stile im internen Schmelztiegel zu Brei kocht, vergrößert das Untier sein Beuteschema sehr geschickt und berechnend, fängt sich saftige Happen aus diversen Lagern. Immer will das rein akustisch nicht zusammen gehen, aber das bleibt als Nebensächlichkeit im Netz als verzichtbarer Beifang hängen. DOCUMENT 6 haben noch eine gewisse Strecke zu tippeln, bis sie zielgenau ins Herz der Materie vorstoßen können, aber drum herum grasen und durch wüstes Staubaufwirbeln Aufmerksamkeit heischen, ist doch schon mal ein guter Anfang. Ihr dürft euch als lärmbelästigt betrachten!  http://www.document-6.com/   
6/10

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