Thursday, January 17, 2013

GRUESOME STUFF RELISH - Sempiternal Death Grind - Cd / FDA Rekotz



GSR zu hören ist mir jedes Mal wie ein Klassentreffen, wenn die ganzen alternden Gestalten von ihren langweiligen Leben faseln. Nur dass die Ausgabe, die die Spanier regelmäßig auf Alben und Splitreleases veranstalten, wahre Happenings kranker Unterhaltungskunst sind.  Das bringt Freude ins Asylum und hat einen mindestens ebenso formidablen Unterhalungswert wie ihre Landsmänner (nebst Frau) von der pathologischen Abteilung. Wenn GSR zum Event rufen, kommen sie alle, die Gestörten mit den Masken und rostigen Macheten, Hinterwäldler mit gewienerten Kettensägen sowie Untote und deren Leichengräber, der hinter ihnen alles Abgefallene zusammen kehrt. Selbst der alte Meister des Makabren, Signore Fulci bequemt sich aus seinem gemütlichen Purgatorium zum Empfang für Entartete, Sieche, Irre und Aussätzige. Blinde, angegammelte Reiter in zerlumpten Kutten satteln ihre Pferde, und kannibalistisch veranlagte Ureinwohner aus dem botanischen Garten Berlin spitzen Giftpfeile an. Die ganze Bande ist auf der Pirsch nach jungfräulichem Fleisch und GSR zeigt der Horde wieder mal, wie sie es richtig anstellen müssen, um zum Schuss zu kommen. Und zwar mit original Leidenschaft und Hingabe an die 80er mit all ihren klischeegetränkten Splatterfantasien aus B – Movies, sowie der Bekenntnis zur Frühphase von Carcass. Das lyrische „Konzept“, das ist es wohl, was GSR hauptsächlich von den Briten trennt. Aber da das für den normal geschulten Kaufwilligen sowieso nicht hörbar zu unterscheiden ist, bleibt das eine Marginalie für Klugscheißer. Carcass eben, davon weichen Maestro Kemper und seine ergebenen Mannen nur bedingt ab. Nun gut, mehr Horrorfeeling hat das schon, ist aber mindestens genauso explizit eklig und vertritt ebenso ein gewisses Maß an schwedischer Schule. Hier und da verankern sich prägnante Hooks, dann wird wieder drauflos gerammelt, als würde vögeln morgen auf die schwarze Liste gesetzt. Einesteils kracht´s gehörig unter dem Schädeldach, dann wieder wird der senile Kopp zum rhythmischen Mitwippen angeregt. Manchmal packt er seine Synthies aus, schraubt so lange, bis es sich nach schrundigen 60er Filmsoundtracks anhört, als die Hölle vorzugsweise Schwarz/Weiß war. Dann wird alles huibuh gruselig und das Matsch und Gammel Fest setzt sich die Spukkrone auf, das sorgt für Atmosphäre. Nie war wohliges Leiden und fremdzugefügter Schmerz erregender. Morbide Melodien zeichnen verantwortlich, wenn Grabsteine zerbröseln, und schleimige Vocals animieren längst totes Gewebe dazu, sich die abgefaulten Ohren mit Graberde zuzustopfen. Was Noel da aus dem Hals fällt, hat viel von wurmigem Geringel in frischem Leichensaft. Die Leadgitarre heult wieder gottgleich und vertraut wie überfahrene Katzenbabies, zermatscht unter den Reifen der Notfallambulanz. Riffs prügeln und quetschen übellaunig als wollten sie erfolgreich einen Volksaufstand in einer Bananenrepublik niedermachen. Alles ist beim alten geblieben, jegliche Erwartungshaltung wird anerkannt und bestätigt.  Pingeligen Nörgler, fleischlichen Detektoren des gehobenen Musikgeschmacks, den nach Anspruch Suchenden, wird die Hose zu den Knöcheln gezerrt und fette nutzlose Ärsche bekommen einen Einlauf verpasst. GSR sind ein Aushängeschild dessen, was unter Horror – Grind verstanden werden darf, mit all seinen Vorurteilen und Klischees, mit seinem Pulp – Image und riesigem Spaßfaktor. Souveränes Ohrenschinden inklusive sabbernden Mündern und herausploppenden Augäpfeln, das erwartet euch, wenn „Sempiternal Death Grind“ auf Tuchfühlung mit euch geht. Ein Albumtitel übrigens, der einer Bekenntnis gleichkommt, und für in Nostalgiesplatter verlorenes Pack ohne Zweifel einen Diebstahl wert! 
8/10

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