Tuesday, January 15, 2013

INFECTED FLESH - Concatenation Of Severe Infections - Cd / Comatose Music



Ah, guck das Cover, Da ist sie wieder die Süße, ein Ausbund an Erotik, der Innbegriff testosterongesteuerter Allmachtsfantasien, sie verscheucht die Zurückhaltung aller blassen, kurzschwänzigen Wiedergänger in ihren Kellerlöchern und Kinderzimmern. Und wenn sie sich da so in ihrem eigenen Saft aalt, sich genüsslich in ihre Bestandteile auflöst, lockt sie mit fleischigem Winkefinger jene an, die schon ihre Schwestern bespuckt und zerhackt haben. Ein weiteres williges Opfer blutet lüstern aus, blutet aus einem reichlich bekannten Covermotiv mit kreativen Variablen. Die Gute erfüllt ihren Zweck immer, und jedes mal, wenn man sie zu Gesicht bekommt, egal ob man den Bandnamen, der über ihr blinkt entziffern kann oder nicht, wird sofort klar, welche Musik hinter ihren herausquellenden Eingeweiden steckt. Laut rülpsend, verbal furzend und gehässig lachend schält sich die Pimmelbestie aus der Menschenhaut, lässt alle Zurückhaltung fahren und schlägt und schneidet, prügelt und ballert aus bleiernen Rohren. Das Gemetzel ist tiefrot und klebrig, riecht nach Eisen und Scheiße, nach Schweiß und Lust. So was gebiert ein laszive, fette Covermodelleiche, genau dahin steuert unsere Erwartungshaltung. Und da Infected Flesh Kumpels sind, es schon immer waren, quasi spanische Hombres, Amigos und Hermanos,  wischen sie den verschmierten Tresen erst gar nicht ab, bevor sie uns ihre neue Platte anbieten. Die allerdings hat neben Schlitzerbrutalität und furiosem Tempo, zitterndem Obertongewichse und satten Bassvibrationen auch einige niederländische Verknüpfungen im Angebot. Innereuropäischer Erfahrungsaustausch, totmetallisches Globalisierungsverständnis und einen Hänger Gras für lau, so ein Schulterschluss hat nur Vorteile!  Seth Van de Loo von Severe Torture sitzt hinter der Schießbude und lässt die Stöcke kreisen. Zudem sind diverse andere Niederländer am Joint Venture beteiligt, unterstützen mit ihren reichhaltigen Kenntnissen in punkto femininer Bedürfnisse und deren maskuliner Umsetzung die iberischen Brüder nach bestem Wissen und Gewissen. Joost von Cliteater schaukelt seine Stimmbänder genauso wie Dennis Schreurs von Severe Torture, Robbe Kok von Disavowed. Einheimische Wegbegleiter auf ihrer Mission die Frauenwelt in ihrem tiefsten Inneren zu verstehen, haben sie dann auch noch zur Genüge. Infected Flesh machen das ganz gut, die wissen ganz genau, dass sie dieser Art Death Metal keine neuen Seiten abringen werden, also holen sie sich Leute ins Boot, die selbst mit dicken Schwänzen ihren Part in der Szene über Jahre dirigieren, und profitieren davon. Unterm krakligen Strich ergibt das dann ein wüstes Tohuwabohu und kaum Nischen für gedrosseltes Morden, kein Slam, eher klassische Breaks und sinistere Arrangements (Inoculation). Die Hauptvocals sind extrem knurrig und erinnern an Mortal Decay, diese rückwärtige Staubsaugerbuchstabenschleuder ist ein eher seltenes Phänomen in den Reihen der von Amerikanismen geprägten Serientäter, und immer wieder gewöhnungsbedürftig. In künstlerischer Hinsicht ist der Gewaltakt, den Infected Flesh ein ums andere mal mit schädelspaltender Zuversicht aus dem rostroten Jutesack ziehen, nicht zwingend einen Pop - Echo wert. Aber souverän und unterhaltsam ist es immer wieder. Wer mit Leidenschaft Köpfe einschlägt, Gitarrensaiten durch bloße Anwesenheit zum reißen bringt, und der Coverschlampe ein aufrichtiges Lächeln abringt, der muss nicht der größte Musiker vor dem Herren sein. Brutal Death Metal wie aus dem ungeschriebenen Lehrbuch, das wollt ihr, könnt ihr glauben. 
7/10

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