Tuesday, January 15, 2013

NERVOCHAOS - To The Death - Cd / Greyhaze Records



Mit landestypischer Leichtigkeit kalben Nervochaos ein Album nach dem anderen in den Äther. Die gehen permanent mit Ideen schwanger. Auf den ersten Blick. Tatsache scheint aber, dass sie sich selbst beklauen und ihren eigenen Kram recyceln. Qualität vor Quantität, dieses eiserne Prinzip kann nur brechen, wenn von irgendwo Druck gemacht wird. Oder Unfähigkeit mit Enthusiasmus verwechselt wird. Das trifft auf Nervochaos, wem auch immer sei Dank,  nicht zu. Irgendwas geht aber trotzdem schief. Lockeres, kreatives Songwriting, ein paar Kisten Bier und viel Spaß, mehr sollte es nicht brauchen, um mit guten Songs die Hörer wegzuputzen. Hätten sie sich nur mehr Zeit genommen, aber sei es drum. Nervochaos ist mehr Thrash Metal als Death Metal und offensichtlich ausgelatscht. Ersteres ist kaum ein Kritikpunkt, zweiteres wird zu einem. Auch mit einem ganz guten Leadgitarristen, kommt die schlampige Resterampe nicht um eine Grundsanierung herum. Nicht dass es jemand in den falschen Kropf kriegt, Dilettantismus auf instrumentaler Basis  ist schon was anderes. Nur scheint es die Band gar nicht zu interessieren, ob ihre Songs irgendeinen Unterhaltungswert haben, oder doch nur irgendwie Wiederkäuermentalität besitzen. Die große weite Welt mit schmalem Ideenmenü in die Knie zu zwingen dürfte nicht funktionieren. Genauso gut fließt Wasser bergauf, oder Flugzeuge steigen über Berlins Prestigefrage in den Himmel. Nervochaos haben jahrelange Erfahrung und ein fettes Backprogramm und doch scheint der Zug den Bahnhof nicht so recht verlassen zu wollen. Die Riffs biedern sich altbacken an, haben nichts von brasilianischem Übermut, nicht von in Hass umgewandelte Lebensfreude, die andere Kollegen erfolgreich von der Straße über den Globus getragen haben. Der Drummer knüppelt mit erschlaffender Monotonie den nahezu ohne Variationen auskommenden Set an die Wand. Der Bass blubbert unbedeutend und zu schüchtern irgendwo im Schatten, die Growls haben nicht mehr als Standardqualität. Lediglich erwähnte Leadgitarre setzt hier und da einen Haufen hin, manchmal dampft er mehr, manchmal weniger. Von der Blastvorliebe, oder der blasphemischen Düsterkeule diverser Landeskumpels distanzieren sich die Herren aus Sao Paulo deutlich. Zwar sind sie flott unterwegs, aber dem Holzmeister in der Schießbude gelingt es nicht, seine Mitstreiter richtig zu pushen, so dass die alle nicht aus dem Speck kommen. Da bleibt ne Menge liegen, erkennbares Potential, das sie in den letzten Jahren selbst schon lange hätten ausloten müssen, schlummert immer noch unter einer dicken Staubschicht. Und dann wird noch von Kultstatus gesprochen. Kann es kultig sein, seinen Opfern Blei an die Beine zu binden und Langeweile in die Köpfe zu kippen, als wären es leere Biergläser? Wenn ein Album durchrinnt, ohne auch nur irgendeinen Eindruck zu hinterlassen, dann braucht man es nicht. Und Kulte sterben auch aus, genauso wie Säbelzahntiger, dickhäutige Saurier und die Fähigkeit die Schnauze zu halten, wenn man nichts zu sagen hat. Noch mal, die greifen ihre Instrumente richtig rum, haben bestimmt auch Spaß daran, Erfahrung inklusive. Nur gelingt es nicht, das auch weiter zu transportieren. Mehr als mittelmäßiges Schreddern und thrashig rhythmisches Mitwippen ist nicht drin. 4 Idealisten stehen in einer ansonsten leeren Blase und erkennen es nicht, bedienen ihr Umfeld mit der stets gleichen Abfolge von Riffs, Drums, Chorusgesängen und Solis. Und die Innovation flieht hinaus zur Hintertür. Echt schade. „To The Death“ ist nur jenen zu empfehlen, die keine Scheu vor durchschaubaren Kreisläufen haben, die ohne Herausforderungen leben wollen. 
4/10

No comments:

Post a Comment