Wednesday, January 30, 2013

NOLENTIA - May The Hand That Holds The Match That Will Set This World On Fire Be Blessed Above All - Cd / Kaotoxin Records



Chaos als zentraler Stützpfeiler kreativer Selbstverwirklichung, das ist das Prinzip einer effektiv noisigen Combo aus Frankreich. Das und die zahlreichen Sympathiebekundungen an die Grindkameradschaft weltweit, von Inhumate und Blockheads, über Rotten Sound, Phobia, Brutal Truth und alles was mit gewissem Anspruch belfert, was dem Vorwurf billige Unterhaltung auf Kosten nackter, und/oder toter Frauen zu produzieren, nicht entgegentreten muss. Hinzu kommt eine Affinität zu ominösen Verwandschaftsbeziehungen, die Freude an Crust, Hardcore und Sludge nahelegen. Vor allem die Sache mit dem Sludge nimmt zum Ende des Albums explizit zu, und der Rausschmeißer „The Second Principle“ läuft um einiges länger, als es dauert, den gesamtem Albumtitel vorzulesen, ohne die Lippen zu bewegen. Bis auf diese gebremsten Ausnahmen scheint es von Vorteil zu sein, ein Stück in unter 90 Sekunden durchzukriegen. Das allein offenbart schon, wie angespannt und schweißtreibend ein Survivaltrip mit NOLENTIA sein muss. Betrachten wir das Wechselspiel der Szeneeinflüsse genauer, und lassen wir das Duell der Brüll und Kreischbarden mal hinten anstehen, dann haben wir es hier mit einer nahezu progressiven Variante des allseits gern als Lärmbelästigung verunglimpften Grindcore zu tun. Durchgängig mit stumpfem 3 Akkorden Bekloppte  verprügeln, damit geben die sich nicht zufrieden, das ist zu wenig, auch wenn sie gern mal dahin ausweichen. Das Agitationsfeld auf dem Album mit dem unmöglichen Titel ist weitestgehend größer als es von Punks und siffigen Grindern erwartet wird, aber auch wieder nicht so groß, dass der Überblick verloren geht. Orientierungsversuche hin oder her, primär scheppert die Glocke und splittert der Balken! Chaos eben, oder simpel dem alltäglichen Wahnsinn, respektive dem Leben auf die krummen Finger geguckt. Da ist es häufig hektisch, auch da wird gebrüllt und gekreischt. Wenn der Kaffee kalt ist, gibt es cholerische Anfälle, genauso wenn der Verkehrsteilnehmer im Kleinwagen vor uns einen Hut aus Cordstoff trägt. Wenn mal wieder ein Weltuntergang ausgefallen ist, oder Banken Kredite brauchen, wird die Krawatte eng. Dass das Leben auch manchmal langweilig ist, muss nicht erwähnt werden, diese Phasen finden in der Musik der Franzgrinder einfach nicht statt. Dabei bedeutet Chaos im ureigenen Sinn so etwas wie „klaffende Leere“. Aber wer kümmert sich schon um die Realität, wenn man mit der weniger anfangen kann, als mit Löcher in Socken oder guten Vorsätzen. Lieber röhrt Abwechslung mit schmerzhafter Offensivkraft durch die Halle des aussetzenden Verstands. Die Tatsache, dass das Leben,  vergnügungssüchtig wie es ist, auf Achterbahn fahren steht  und vor allem nicht unbedingt schonend mit uns umspringt, dürfte für die musikalische Umsetzung der bandinternen Ansprüche maßgebend gewesen sein. Jedenfalls klingt das Album mit dem irgendwie immer länger werdenden Titel wie ein Tag mit allen seinen Höhen und Tiefen. Und am Ende, wenn die Sonne sich um die kleinen Kinder in Afrika kümmert, oder wo auch immer ihr Bestimmungsort hinter dem Horizont sein mag, rekapitulieren wir und erkennen, dass frühes Aufstehen und kalter Kaffee,  Familie, Job und Party uns wieder ein Stück näher an die Grube gebracht haben. So ist der Typ mit dem Streichholz aus dem ellenlangen … na ihr wisst schon, vielleicht wirklich der Held, der Prinz des Chaos, der Herr über die Zeit, der der Olaf Schubert des Kreativkrawalls, Mahner und Erinnerer, unsere Existenz sinnvoll zu nutzen, bevor uns das unausweichliche Schicksal zu rottem Mus verbäckt. Aber vor allem sollten wir den Tag mit einer Portion NOLENTIA beginnen, das bereitet uns recht gut auf die Tretmühle und das Hamsterrad vor. Grindcore vor dem Frühstück und der Tag ist schön! 
8/10

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