Friday, January 11, 2013

POLLUTED INHERITANCE - Ecocide Re – release Cd / VIC Records



Im Sommer 89, kurz bevor die bestehende Weltordnung durcheinander gerüttelt wurde wie das schwammige Gehirn eines Säufers und sich das Innere friedlich nach außen kehrte, entstand in den Niederlanden eine Band, die mit beeindruckendem Ehrgeiz und viel musikalischem Engagement nie die Oberliga einer frisch aus der Taufe gehobenen Stilrichtung erreichen sollte. In Anbetracht ihres musikalischen Könnens, und besonders aufgrund des ersten Albums, das 92 erschien, muss irgendwann mal hinterfragt werden, warum der Traktor ständig im Schlamm stecken blieb. Vielleicht hat es damit zu tun, dass West Virginia Records, kurz nachdem „Ecocide“ dort aufgelegt wurde, pleite war. Dann bricht gerade in dem Moment der so wichtige Support weg, wenn man mit Bleifuß durchstarten will. Es folgten 2 weitere Alben aber auch immer wieder Zeiten der Stagnation. Von diesem ersten Rückschlag haben sie sich scheinbar nicht erholen können. Vielleicht kam das Album auch um 1 oder 2 Jahre zu spät, und andere heranwachsende Helden hatten ihr Revier schon abgesteckt, ließen sich nicht mehr anpissen. Wer weiß das heute schon noch so genau. Fest steht, dass in der Welle der Wiederveröffentlichung völlig unbekannter Undergroundheroen, die irgendwann mal ein Proberaumdemo bei der Putzfrau vergessen haben, POLLUTED INHERITANCE eine Neuauflage von „Ecocide“ mehr als verdient haben. Die Niederländer standen vor nunmehr 20 Wintern für einen Death Metal, der damals wie heute völlig unberührt von Rumnörgelei ist, zeitgemäß ohne auf die Uhr schauen zu müssen und auf absoluter Augenhöhe mit Größen wie Death, Cynic, Atheist. In Bezug auf eine Epoche, als sie sich noch nicht ganz so arg die Finger verknoteten, als am Horizont aber abzusehen war, was da auf uns zueilen sollte. Brutal und technisch, beeindruckend verspielt, aber immer hart genug, um nicht in selbstverliebtes Geklimper zu verfallen. Midtempo Riffs und hoch fliegende Leads polstern die heiseren Vocals von Ronald Camonier und im Hintergrund rotieren Stöcke, die das ganze zusammen nageln. Kaum jemand heute kann technischen Death Metal so sauber umsetzen, oder ihm zumindest nichts mehr abringen, dass eine Band wie POLLUTED INHERITANCE nicht bereits schon auf der Pfanne hatte. Und niemand merkt dem Album seine 20 Jahre an, so unverbraucht und authentisch ist das Paket, frisch wie im Atombunker überwintertes Lagerbier. Wer in stürmischen Zeiten und reanimierter Aufbruchsstimmung Bands wie Skeletal Remains zu Recht abfeiert, der darf sich auch gern noch mal umdrehen und erkennen, dass das Repertoire der Vergangenheit größer ist, als diverse, alles abgrasende Label es einst für möglich hielten. Es sind schon immer viele hinten von Hänger gefallen, meist auch die richtigen, aber immer eben nicht. Wenn  POLLUTED INHERITANCE jetzt späten Ruhm erfahren, dann nicht, weil sie mal daneben getreten sind, oder deren Veröffentlichungen zum Recyceln auf Halde lagen, sondern weil sie erstklassige Musik aufgelegt haben, die über Jahrzehnte funktioniert und immer noch begeistert. 26. Februar ist der Stichtag. Vinyl wird es auch geben, muss es ja wohl, alles andere wäre nahe an ignoranter Blasphemie. Krallt euch das Teil irgendwo. Ihr werdet überrascht sein, wie wenig überrascht ihr sein werdet, und ihr werdet feststellen, welche Erinnerungen das unbarmherzige Vergessen verschüttet hat!

No comments:

Post a Comment