Friday, January 4, 2013

SKINEATER - Dermal Harvest - Cd / Pulverised Records



In Schweden ist die erfasste Population des Metalli Erectus mindestens genau so groß wie die der Pinguine in der Antarktis. Und mindestens in gleichem Maße rumoren sie, hinterlassen Dreck, würgen Vorverdautes in dampfende Winternächte, krakeelen wie ein preußischer Fanfarenzug bei den 750 Jahrfreiern in Pummelwitz. Situations-, und umweltangepasst watscheln beide behäbig durch die Landschaft, oder schießen pfeilschnell durch hochauftürmende Wogen. Wo es beim kuschlig, fetten Exemplar am Südpol aber um die pure Existenz geht, da steht beim bärtigen Schweden etwas anderes im Vordergrund. Zeit totschlagen und kein Opfer der überhöhten Alkoholsteuer werden (hat wohl auch was von Survival)! Rein hypothetisch natürlich. Es ist auch gut möglich, dass sie etwas von ihren kriegs-, und handelsbesessenen Vorfahren in den Genen haben, die sie die ewige Schlacht mit anderen aber nicht minder brutalen Mitteln fortsetzen lässt. SKINEATER nun ist eines der vielen Restverwertungsobjekte, aus anderen Bands zusammen geklaubt (In Thy Dreams, Dark Funeral, Carnal Forge, Defleshed…), das sein rotes Näschen in den orkanartigen Gegenwind der Szeneüberfüllung hält Und genau so hört es sich dann an, zumindest wenn Demokratie in das Gefüge einer geschlossenen Gesellschaft einbricht wie der Winter in mediterrane Schuldenfreiheit. Die beeinflussen sich in zunehmendem Maße gegenseitig. In diesem Falle haben alle Mitmusiker genug Qualität ins Camp geschmuggelt, um den Clash gut ausgehen zu lassen. So hören wird melodischen Göteborg Tod ohne filigrane Selbstüberschätzung, thrashige Aggressivität und den dazugehörigen Geschwindigkeitsrausch, sowie brutale Death Metal Rempeleien mit brutalen Hieben und Tritten. Das alles passt zusammen wie der runzlige Hämorrhoidenarsch auf den gekalkten Donnerbalken im Garten. Die stumpfe und morbide Ader, die viele ihrer Landsmänner mit zum kacken nehmen, wie Bundy den Playboy, überlassen sie auch genau denen. SKINEATER haben beschlossen, ihre Musik leicht dem angloamerikanischen Weltbeschützer anzupassen und vor allem voll auf ihre Erfahrungen aus ihrern früheren Musikerkarrieren zu vertrauen. Heraus kommen nicht unbedingt gewagte Stücke, aber wohl welche, die vielschichtig und ansprechend sind, die dem Hörer nicht zu jeder Sekunde herausfordern, aber ein gewachsenes Maß an innovativem Songwriting durchaus zu vertreten wissen. Jedes Stück führt so ein bisschen ein Eigenleben und präsentiert sich etwas anders als seine Nachbarn. Am aufrechtesten steht da wohl „Stab“, das mit sehr viel Thrash und feinster Drummerapokalypse an den Toren nach Wallhalle rüttelt, unter Zuhilfenahme von Riffs mit ausgekoppelten Bremsen und akustischer Nachdrücklichkeit, verschiedensten Tempovariationen und klassischer Leadgitarre. Zu wissen wann man mit ausgefahrenen Ellenbogen in die brandende Masse des Feindes stürmen kann, um blutig Metal zu zocken und wann man sich zurück nehmen muss, um nicht zu übertreiben, und noch genug Fleischklöpse für den nächsten Angriff aufrecht stehen zu lassen, dass macht die Kunst einer nachhaltigen Metalpopulationssicherung aus. Und so geht das eben, wenn man einmal herausgefunden hat, wo die Brechstange anzusetzen ist. Dann kann auch aus einem bunten Haufen so was wie eine homogene Masse werden, die auf ihrem Weg durch die Gezeiten Genießbares ausscheidet, anstatt nur sinnlos und platt durch die Welt zu mäandern. SKINEATER haben einen prima Haufen in den Schnee gelegt, kein Meilenstein wie der russische Köter im All, dem die Rückkehr schlecht bekam, aber in Bezug auf Umsetzung der eigenen Ansprüche, und der daraus resultierenden brutalen Erdigkeit der Musik verdienen sie 7 außerirdische Daumen nach oben.
7/10

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